Hetzbrief an griechisches Restaurant Platons kluge Antwort

Seit mehr als 30 Jahren betreibt Familie Dora ein griechisches Restaurant in Düsseldorf. Nun erhielt sie wegen der Athener Schuldenkrise einen üblen Hetzbrief - fand aber auf Facebook die passende Antwort.

Anonymer Hetzbrief: Griechische Gastronomen fühlen sich diffamiert

Anonymer Hetzbrief: Griechische Gastronomen fühlen sich diffamiert


Als Christina Maria Dora am Dienstag den Brief las, stieg Empörung in ihr auf: Ein anonymer Schreiber beschimpfte die griechische Inhaberin des Düsseldorfer Restaurants Platon auf das Übelste.

"Eure neue griechische Regierung ist dreist, unverschämt und tritt auf wie eine Horde von ungehobelten und manierenlosen Pennern", stand dort in Maschinenschrift. "Macht Euch auf zurück in Euer korruptes, stinkendfaules und total unfähiges Drecksgriechenland." Die unflätige Tirade gipfelte in dem Appell: "Griechenland Nein Danke."

Seit Jahren erregen die griechische Schuldenkrise, die Finanzhilfen und die Sparauflagen für den klammen Staat die Gemüter. Der Hetzbrief zeigt nun, zu welchen Ausfällen die Debatte auch auf kleiner Ebene führen kann.

Christina Maria Dora konsultierte den Familienrat. Am Ende stand ein Entschluss, der eine Sympathiewelle im Netz auslöste. Die Familie veröffentlichte den Brief auf Facebook - verbunden mit einer persönlichen Erklärung. Darin heißt es, man betreibe das Restaurant seit 31 Jahren, schaffe Jobs und fühle sich Deutschland verbunden.

Die Reaktion kam prompt. Bis zum frühen Nachmittag hatten mehr als 8000 Facebook-Nutzer den Post mit "Gefällt mir" markiert. Darüber hinaus gab es fast 2500 Kommentare.

Dora sagte SPIEGEL ONLINE, die Sympathiewelle habe sie überwältigt. "Mit einem solchen Ausmaß habe ich nicht gerechnet." Dennoch glaubt sie, dass der Briefeschreiber keine Einzelmeinung vertrete. Eine Ursache dafür sei auch eine "Hetzerei" mancher Boulevardmedien gegen die vermeintlichen Raff-Griechen.

Die Vorwürfe, die der anonyme Briefeschreibe artikuliere, seien "traurig und enttäuschend", sagt Dora. Es sei doch das griechische Volk, das leide. "Wo bleibt da die Menschlichkeit?", fragt sie. Es sei schockierend, dass der Briefeschreiber, offenbar ein ehemaliger Restaurantgast, ihr "privat schaden" wolle. Und sie frage sich, was als Nächstes komme. Stehe bald jemand vor der Tür und bedrohe sie, wenn sie abends das Lokal verlasse?

Dass der Schreiber ein Deutscher sein muss, steht für Dora außer Frage. Der anonyme Brief war ordnungsgemäß frankiert - mit 62 Cent.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, der Brief sei ordnungsgemäß frankiert gewesen - mit 60 Cent. Tatsächlich beträgt das Porto seit Anfang des Jahres 62 Cent - und damit war der Brief auch frankiert, wie Christina Maria Dora auf erneute Anfrage bestätigte. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten um Entschuldigung.

sms



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 32 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
nopsi_re 04.03.2015
1. naja...
schwer zu verstehen ist eine gewisse wut bei geistig minderbemittelten nicht wirklich. wenn angela mal wieder als adolf in der gesamten presse von griechenland dargestellt wird platzt selbst dem härtesten stammtischbruder mal der braune kragen. da muss dann auch das geliebte gyros mit extra schafskäse und einem ouzo zum spülen herhalten. "wir" müssen ja immer für die anderen ländern zahlen, und die zahlen dann mit unserem geld auch noch unseren banken die schulden zurück! skandalös
amidelis 04.03.2015
2. Gemeinheit
Man kann ja mal sauer sein. Aber in Griechenland sterben täglich Menschen und viele haben hab und gut verloren. In dieser Tragödie gibt es keinen Helden und keine 5 Akte. Es tut einem im herz weh wenn man sieht was dort passiert und eine unfähige Regierung die nächste beerbt. Bei meinem nächsten Restaurantabend werde ich griechisch essen und ein üppiges Trinkgeld dalassen. Weil viele deutsche Griechen ihre Familien zu Hause unterstützen.
KarlRad 04.03.2015
3. Unterste Schublade!
Manche Leute haben es immernoch nicht verstanden: Die Milliarden retten nicht Griechenland, sondern die Zocker-Banken, die weiterhin ihre Zinsen kassieren!
mimas101 04.03.2015
4. Hmm
So ein Schreiben mißbillige ich auf das Entschiedenste. Denn ichdenke man muß schon gewaltig unterscheiden. Zwischen Griechen innerhalb Griechenlands und außerhalb. Selbst die Griechen hier in Deutschland, so meine Erfahrung, behandeln die Griechen in Griechenland eher abschätzig, mancher meinte sie seien faul und korrupt. Nun Ja, man sollte also durchaus unterscheiden. Auch n Griechenland ist nicht jeder faul und korrupt, aber diese Griechen gehen (bisher) in der Masse unter und die gr. Regierungen selbst erzeugen mit ihren unbegründeten Schuldzuweisungen pp kein besonders gutes Bild nach außen hin. Das ist leider Fakt.
Sonia 04.03.2015
5. Was soll's
die Verblödung greift nunmal schneller um sich als die Masern. Mit Menschen auf diesem Niveau müssen wir, ob wir wollen oder nicht, nun mal auch zusammen leben. Bei unserem Griechen bekommt man nur nach Voranmeldung Platz, immer überfüllt. Neid muss man sich erarbeiten, sollte der betroffene Gastronom an seine Tür schreiben ..Dummheit gibt es gratis.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.