Düsseldorf 86-Jähriger für Pause an Haltestelle verwarnt - Stadt lenkt ein

Ein Senior ruht sich auf einer Bank an einer Bushaltestelle aus - und erhält ein Knöllchen. Dieser Fall aus Düsseldorf löste große Empörung aus. Jetzt kassieren die Behörden - den Bußgeldbescheid.

Düsseldorfer Hauptbahnhof
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Düsseldorfer Hauptbahnhof


Einmal ausruhen, 35 Euro: So ließe sich eine Lokalposse aus Düsseldorf zusammenfassen, die weit über die Großstadt hinaus Irritationen ausgelöst hat. Ein 86-Jähriger erhielt ein Verwarngeld, weil er sich für eine Pause während seines Spaziergangs den falschen Ort ausgesucht hatte.

Der Mann sollte 35 Euro bezahlen, weil er die Sitzgelegenheit an einer Bushaltestelle vor dem Hauptbahnhof genutzt hatte, um sich kurz auszuruhen. Da er allerdings nicht auf einen Bus oder die Bahn wartete, verstieß der 86-Jährige damit gegen Paragraf 3 der Düsseldorfer Straßenordnung, wie die Stadt nun mitteilte.

Demnach schreibt Absatz 1 der Regelung vor, dass "das Benutzen der Anlagen als Ruhe-, Spiel- und Lagerplatz" nicht erlaubt sei. Daher habe der Mann streng genommen gegen die Straßenordnung verstoßen.

"Wir bedauern das Vorgehen sehr"

Ein Bekannter des Seniors hatte laut "Rheinischer Post" ein Foto des Bescheids auf Facebook veröffentlicht und dazu geschrieben, der Mann sei dement und herzkrank - er habe sich für wenige Minuten gesetzt, als er mit seiner Hündin unterwegs war. Der Fall löste im Netz große Empörung aus.

Die verantwortlichen Mitarbeiter haben also offenbar die Regeln zu streng ausgelegt - so liest sich auch eine aktuelle Mitteilung der Stadt. "Das Verhalten des Seniors hätte unter den Aspekten Angemessenheit und der Opportunität bewertet werden müssen", heißt es darin. Unter anderem hätten das Lebensalter des Betroffenen und sein Bedürfnis nach einer Ruhepause berücksichtigt werden müssen.

"In der Abwägung dieser Sachverhalte hätte auf eine Ahndung verzichtet werden müssen", sagte demnach Ordnungsamtschef Michael Zimmermann: "Eine angemessene Kommunikation hätte die Situation sicherlich bereits im Entstehen bereinigt. Wir bedauern das Vorgehen sehr."

Die Stadt Düsseldorf geht nach eigenen Angaben seit einigen Jahren härter gegen "eine zweckentfremdete Nutzung der Sitzgelegenheiten der ÖPNV-Anlagen" vor. Grund dafür ist demnach, dass häufig Obdachlose und alkoholisierte Menschen die Bänke und Sitze nutzten, um sich an den Haltestellen zu treffen.

mxw

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insgesamt 49 Beiträge
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lokisflatmate 27.11.2017
1. Da hat sich ein kleiner deutscher Blockwart ausgetobt …
Ist ja schön, dass die Stadt den Bescheid zurückgenommen hat. Vielleicht mal Mitarbeiter schulen, damit es nicht wieder vorkommt? Es gibt ja immer wieder Leute, die es lieben, ihre kleine Macht so richtig auszuleben. Die sollten dann vielleicht im Vorfeld ausgebremst werden …
t_mcmillan 27.11.2017
2.
Da wäre es vielleicht sinnvoll, den "Obdachlosen und alkoholisierten Menschen" (spricht: Pennern) andere Sitzmöglichkeiten anzubieten? Oder überhaupt den Menschen in der Stadt Sitzmöglichkeiten anzubieten? Nicht nur 86jährige brauchen mal eine Pause. Auch andere sind vielleicht schlecht zu Fuß und wären dankbar. Und, ja, die "Obdachlosen und alkoholisierten Menschen" sind, ja, eben: auch Menschen.
Japhyryder 27.11.2017
3. Pause an Haltestelle
Was hat dieser 86-jährige Mann getan? Wenn man diesen Artikel liest, fällt mir nur noch ein: Lasst alle Hoffnung fahren. Manchmal möchte ich nur noch resigniert abwinken. Sitzt da auf einer Haltestellen-Bank, um sich auszuruhen. Und bekommt ein Bussgeld. Mir fällt dazu nichts mehr ein. Gott sei Dank hat sich die Stadt dazu entschlossen, dass Bussgeld nicht einzuziehen. Aber die Sprache, die dafür benutzt wird, das klingt alles kalt und herzlos.
eunegin 27.11.2017
4. Parallelwelten
Als zugereister Neuberliner kann ich mir über die Düsseldorfer Parallelwelt nur die Augen reiben. Dafür hat man dort Kapazitäten? Rentner ärgern und ihnen keine Pause gönnen? Das Düsseldorfer Ordnungspersonal kann ja mal nach Berlin und sich austoben. Dort wird es aber nicht so einfach und sie sollten s ich den Erstehilfekoffer gleich mitbringen. Regeln gäbe es in Berlin auch, nur niemanden, der sie durchsetzt. Einfach mal Abends U-Bahn fahren. Oder Alex.
lachina 27.11.2017
5.
Ich bin schlecht zu Fuß (Stock) und setze mich manchmal auch an Bushaltestellen und Wartehäusschen aufs Bänkchen. Ich wurde noch nie gefragt, ob ich wirklich auf den Bus warte. Meine Frage ist, wie ist das überhaupt aufgefallen, dass der Herr das nicht tat? Und ist man verpflichtet, auf die Frage überhaupt wahrheitsgemäß zu antworten?
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