[18.07 Uhr] Stadt rechnete mit rund einer Million Besucher
Ordnungsamt und Kulturausschuss der Stadt Duisburg sind bei der Planung der Love Parade zeitweilig von einer Million Besuchern ausgegangen. Das Ordnungsamt informierte den Kulturausschuss am 15. Dezember 2009 über die Prognose, wie aus dem im Internet veröffentlichten Protokoll hervorgeht. Eine Mitarbeiterin zeigte den Politikern demnach eine Power-Point-Präsentation. Erste Gespräche mit dem Veranstalter Lopavent, der Bahn, den Verkehrsbetrieben, Polizei und Bezirksregierung seien bereits geführt worden, hieß es. Ein CDU-Abgeordneter bezeichnete die Love Parade demnach als "ein Highlight für die Stadt". Man habe die Chance, das "neue Duisburg" vorzustellen. (ore/apn)
[17.21 Uhr] Polizei zählt nur 400.000 Besucher
Jetzt sollen es nur noch 0,4 Millionen gewesen sein: Die vom Love-Parade-Veranstalter am Samstag genannte Teilnehmerzahl von 1,4 Millionen ist aus Sicht der Polizei schon "rechnerisch unmöglich". So viele Menschen hätten weder mit den bestehenden Verkehrsmitteln in der zur Verfügung stehenden Zeit anreisen können, noch hätten sie auf dem Veranstaltungsgelände überhaupt Platz gefunden, sagte am Montag der Duisburger Polizeisprecher Ramon van der Maat.
Das zeige schon ein Vergleich mit der A40-Sperrung am Wochenende zuvor. Dabei hätten die drei Millionen Besucher über 60 Kilometer eine vier- bis sechsspurige Autobahn dicht gefüllt. Das Duisburger Gelände umfasse dagegen gerade 230.000 Quadratmeter, von denen die Hälfte wegen Bebauung oder Sicherheitsvorkehrungen nicht nutzbar gewesen sei.
Demnach wäre die Love Parade in Duisburg deutlich kleiner ausgefallen als in den Jahren zuvor. In Essen waren 2007 rund 1,2 Millionen Besucher gezählt worden, in Dortmund 2008 sogar 1,6 Millionen. (ore/dpa)
[16.34 Uhr] Oberbürgermeister bleibt vorerst im Amt
Der stark in die Kritik geratene Oberbürgermeister von Duisburg, Adolf Sauerland (CDU), hat am Montagnachmittag eine persönliche Erklärung abgegeben. Zuvor waren Forderungen nach seinem Rücktritt laut geworden, unter anderem von den Grünen und der Linken. Sauerland sicherte den Ermittlern die volle Unterstützung der Stadt zu. Hinsichtlich seiner persönlichen Verantwortung heißt es in der schriftlichen Stellungnahme: "Gestern und auch heute ist die Frage nach Verantwortung gestellt worden, auch nach meiner persönlichen. Ich werde mich dieser Frage stellen."
In den nächsten Tagen müsse es aber darum gehen, "die schrecklichen Ereignisse aufzuarbeiten und die vielen Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammenzufügen". "Wenn sich die Stadt etwas vorzuwerfen hat, dann werden wir Verantwortung übernehmen." Den Angehörigen der Verstorbenen drückte er sein Beileid aus. "Ich weiß, dass Sie von mir Antworten erwarten. Ich kann Ihnen diese heute nicht geben. Aber ich werde Ihnen diese geben, sobald sie vorliegen. Die Stadt trauert mit Ihnen, auch ich ganz persönlich." (ore)
[15.04 Uhr] Strafrechtler rechnet allenfalls mit Bewährungsstrafen
Nach Einschätzung des Tübinger Strafrechtlers Jörg Kinzig drohen den Verantwortlichen allenfalls Bewährungsstrafen. "Ich rechne nicht damit, dass jemand deswegen in Haft kommt", sagte Kinzig. Bei den Ermittlungen komme hier wohl letztlich nur der Straftatbestand der fahrlässigen Tötung in Betracht, bei dem maximal eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren oder eine Geldstrafe drohe. Voraussetzung dafür sei unter anderem "eine Sorgfaltspflichtverletzung, die ursächlich für den Tod von Menschen geworden ist".
Kinzig verwies darauf, dass auch bei tödlichen Autounfällen Unfallverursacher wegen fahrlässiger Tötung in der Regel höchstens zu Bewährungsstrafen verurteilt würden. (ddp)
[14.28 Uhr] Zahl der Verletzten auf über 500 gestiegen
Bei der Katastrophe während der der Love Parade sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft Duisburg deutlich mehr Menschen verletzt worden als zunächst angenommen. Die Staatsanwaltschaft bezifferte ihre Zahl am Montag auf mehr als 500. "Die letzte Zahl war 511", sagte Staatsanwalt Rolf Haferkamp. 43 Menschen befänden sich noch im Krankenhaus, ein Opfer schwebe in Lebensgefahr. Die Verletztenzahl bezieht sich auf den ganzen Tag, nicht nur die Massenpanik am Abend. Am Sonntag hatten die Behörden die Zahl der Verletzten mit 342 angegeben. Bei der Massenpanik waren 19 Menschen ums Leben gekommen. (Reuters)
[14.21 Uhr] Universität Bochum hilft bei Strafanzeigen
Nach der Love-Parade-Katastrophe will die Universität Bochum Hinterbliebene und Verletzte bei Strafanzeigen gegen die Verantwortlichen unterstützen. Der Jurist und Pädagoge Thomas Feltes vom Lehrstuhl für Kriminologie und Polizeiwissenschaft wolle Betroffene beraten und auch im weiteren Verfahren kostenlos unterstützen, teilte die Hochschule mit. Betroffene sollten vor allem nicht allein gegen die Verantwortlichen vorgehen, riet Feltes. (dpa)
[14.17 Uhr] Schäden bei der Love Parade mit bis zu 7,5 Millionen Euro versichert
Der Veranstalter der Duisburger Love Parade hatte bei der deutschen Tochter des französischen Versicherungskonzerns Axa eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Das berichtet die "Financial Times Deutschland". Die Firma Lovapent sei "mit einer Gesamtdeckungssumme von 7,5 Millionen Euro bei der Axa versichert", bestätigte ein Sprecher des Versicherers der Zeitung. Sollten Ansprüche über diese Deckungssumme hinaus entstehen, werde der Veranstalter, Rainer Schaller, dafür privat haften müssen.
Zu Einzelheiten über Haftungsfragen oder zur Entschädigung für die Opfer wollte sich der Versicherer nicht äußern. "Wir sind in der Kette der ermittelnden Organe ganz hinten", sagte der Axa-Sprecher. Erst müssten sich die Mitarbeiter des Versicherers ein Bild von der Lage machen. Bis sämtliche Haftungsfragen geklärt sind, könnten viele Jahre vergehen. Stehe aber schon im Vorfeld fest, dass der Versicherer haftet, könne er vorläufig zahlen, müsse dies aber nicht. Der Sprecher wollte keine Stellung dazu nehmen, wie sich die Axa verhalten werde. (ore)
[13.36 Uhr] Union fordert unabhängige Untersuchung
Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat zur Aufklärung der Katastrophe eine unabhängige Untersuchungskommission verlangt. Sie sollte sich aus Fachleuten von Sicherheitsbehörden und Rettungsdiensten zusammensetzen, die nicht aus dem Duisburger Umfeld stammen, so der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl. Nur so könne unvoreingenommen geklärt werden, wie es zu der Tragödie kommen konnte. Auf Basis des Kommissionsberichts könnten allgemeingültige Sicherheitsstandards für derartige Großveranstaltungen entwickelt werden. (dpa)
[12.13 Uhr] Polizei muss noch 1200 Vermisstenfälle klären
Am Montagmittag war nach Polizeiangaben der Verbleib von 1138 Menschen offiziell noch ungeklärt. Sie seien nach der Katastrophe zumeist von Angehörigen als vermisst gemeldet worden. Das bedeutet allerdings nicht, dass so viele tatsächlich noch verschwunden seien. Laut Polizei versäumen es viele Angehörige zu melden, dass Vermisste wieder aufgetaucht sind. Dazu stehen die Telefonnummern 0203-280-4125, - 4128 oder -4526 bereit. Nach der Panik waren bei der Duisburger Polizei anfangs 2367 Vermisstenmeldungen eingegangen. (apn)
[12.10 Uhr] Duisburger Polizei soll "Ross und Reiter" nennen
Der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Frank Richter, hält es für offen, ob die Duisburger Polizeiführung mit Sicherheitsbedenken gegen die Loveparade genügend Druck gemacht hat. Richter sage, die Polizei habe in NRW jedenfalls "genügend Möglichkeiten", ihre Einwände durchzusetzen. Eine davon sei, sich an das Innenministerium in Düsseldorf zu wenden. Wenn die Duisburger Polizei heute sage, sie habe vor dem Event "große Kritik" geäußert, müssten - so Richter - nunmehr auch "Ross und Reiter" genannt werden. (ddp)
[12.04 Uhr] Gelsenkirchen begrüßt Absage der Love Parade
Die Stadt Gelsenkirchen hat das Aus für die Love Parade begrüßt. Dort sollte das Großereignis ursprünglich 2011 gefeiert werden. "Es ist definitiv richtig, dass die Love Parade nach der Katastrophe von Duisburg nicht mehr stattfindet. Sie wäre in Zukunft immer von diesem Unglück belastet gewesen", sagte Stadt-Sprecher Martin Schulmann. Die Veranstalter hatten am Sonntag angekündigt, dass es nie mehr eine Love Parade geben werde.
Konkrete Planungen habe es noch keine gegeben, sagte Schulmann. "Wir wollten erst die Erfahrungen in Duisburg abwarten." Deshalb sei seitens der Stadt auch noch kein Geld investiert worden. Wo genau die Raver feiern sollten, sei ebenfalls noch nicht entschieden gewesen. Die angedachten Flächen in Gelsenkirchen seien aber um ein Vielfaches größer als die in Duisburg. (dpa)
[11.27 Uhr] Staatsanwalt erwartet wochenlange Ermittlungen
Die Ermittlungsbehörden erwarten keine rasche Aufklärung der Ursache. "Das wird Wochen, wenn nicht Monate dauern", sagte Staatsanwalt Rolf Haferkamp am Montag. Es müssten viele Zeugen befragt werden, die auch erst ausfindig gemacht werden müssten. "Wir werten auch Fotos und Videos aus." Zudem würden zahlreiche Unterlagen überprüft. Die Staatsanwaltschaft hatte am Sonntag das Sicherheitskonzept der Veranstalter und der Stadt beschlagnahmt. (Reuters)
[10.37 Uhr] Duisburgs Oberbürgermeister schließt Rücktritt nicht aus
Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) schließt seinen Rücktritt nicht mehr aus. "Gestern und auch heute ist die Frage nach Verantwortung gestellt worden, auch nach meiner persönlichen. Ich werde mich dieser Frage stellen, das steht außer Frage", sagte Sauerland am Montag dem Radiosender WDR2. Doch zunächst müsse es darum gehen, die schrecklichen Ereignisse vom Samstag aufzuarbeiten. "Und wenn wir wissen, was da passiert ist, dann werden wir auch diese Frage beantworten. Das verspreche ich", sagte Sauerland zu den an ihn gerichteten Rücktrittsforderungen.
Der Oberbürgermeister kündigte an, dass noch im Laufe des Montags ein Kondolenzbuch ausgelegt werden soll. Außerdem stehe die Stadt in Verbindung zu den Duisburger Kirchen, um eine Trauerfeier vorzubereiten. (AFP)
[10.34 Uhr] Lieberberg gibt inkompetenten Organisatoren die Schuld
Für den Konzertveranstalter Marek Lieberberg haben Profilierungssucht der Stadt Duisburg und eine amateurhafte Organisation die Loveparade-Katastrophe mit 19 Toten ausgelöst. Das "war keine höhere Gewalt wie ein Treppeneinsturz oder ein Unwetter, sondern das Ergebnis eines verhängnisvollen Zusammenwirkens von völlig überforderten Behörden und inkompetenten Organisatoren, die weder mit derartigen Großveranstaltungen vertraut noch in der Lage waren, auf Notsituationen zu reagieren."
Aus Sicht Lieberbergs war das Konzept eines einzigen Ein- und Ausgangs "eine Todesfalle". Sämtliche Grundlagen für Versammlungen seien missachtet worden. "Ein einziger Eingang über einen Tunnel ist nach der Gesetzeslage eigentlich überhaupt nicht zulassungsfähig. Aber offensichtlich wollten die Verantwortlichen der Stadt Duisburg die Veranstaltung um jeden Preis und haben deshalb offensichtlich über alle notwendigen Sicherheitserwägungen hinweggesehen."
Der Ordnungsdienst hätte die Besucherströme leiten müssen. "Nach meinem Eindruck hätten bei einem Event dieser Größenordnung mindestens 4000 bis 5000 Ordner im Einsatz sein müssen. Es kann sich tatsächlich nur um einen Bruchteil dieser Anzahl, vielleicht 1000, gehandelt haben." Außerdem müsse deren Professionalität entschieden angezweifelt werden. "Eher waren es wohl völlig unerfahrene Helfer, deren einzige Qualifikation im Tragen eines T-Shirts bestand."
Völlig gefehlt haben laut Lieberberg stabile Ein- und Auslassschleusen. Ein einziger Tunnel und Notausgänge über die Autobahn seien "von vorneherein ein Rezept für den Untergang" gewesen. "Bei Gefahr im Verzug muss der Veranstalter einschreiten, um auf bestimmte Situationen spontan zu reagieren. Natürlich setzt dies Kompetenz und Erfahrung voraus."
Überdies erinnerte Lieberberg daran, dass Polizisten bei Großveranstaltungen nicht als Ordner eingesetzt würden, sondern für Notfälle und die Regelung des Verkehrs bereitstünden. (dpa)
[10.31 Uhr] Trauernde attackierten Oberbürgermeister
Am Sonntag ist Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) von Trauernden körperlich angegriffen worden. Er wurde ausgebuht, beschimpft, ein Mann habe ihn mit Müll beworfen und am Jacket getroffen, berichtete die "Bild"-Zeitung am Montag. Leibwächter zogen ihn weg zu seinem Dienstwagen. Sauerland bestätigte den Angriff. "Das ist so. Das waren Menschen, die trauern, die ihren Emotionen freien Lauf gelassen haben und das verstehe ich." (dpa)
[10.13 Uhr] Noch keine Ermittlungen gegen Personen
Bislang richten sich die behördlichen Ermittlungen nicht gegen konkrete Personen. Die Staatsanwaltschaft Duisburg ermittle wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt, teilte deren Sprecher Rolf Haferkamp am Montag mit. Zunächst müssten Fotos und Videos ausgewertet sowie Zeugen gehört werden. Wann dies abgeschlossen sei, könne man derzeit noch nicht absehen. (ddp)
[10.03] Verletzte außer Lebensgefahr
Von den mehr als 340 bei dem Unglück verletzten Menschen befindet sich niemand mehr in Lebensgefahr. Dies sagte am Montag der Sprecher der Staatsanwaltschaft Duisburg, Rolf Haferkamp. Er wollte zunächst keine Angaben zu Berichten machen, wonach Unterlagen belegen sollen, dass massive Sicherheitslücken zu der Panik mit 19 Toten geführt haben. (AFP)
[9.46 Uhr] Trauerbeflaggung in NRW
Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat Trauerbeflaggung für alle Dienstgebäude des Landes und der Gemeinden angeordnet. Das teilte das Innenministerium am Montag in Düsseldorf mit. Jäger betonte: "Damit geben wir unserer tiefempfundenen Trauer und Verbundenheit mit den Angehörigen und Freunden der Opfer Ausdruck." (ddp)
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