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28. Juli 2010, 10:44 Uhr

Duisburg-Ticker

Trauerzug durch den Tunnel - Kraft fordert indirekt Rücktritt

Viele hundert Fußballfans haben am Abend der Toten der Duisburger Love-Parade-Katastrophe gedacht. Die nordrhein-westfälische Polizei und Innenminister Jäger präsentierten zuvor einen Fehlerkatalog - er belastet den Veranstalter schwer. Alle Details im SPIEGEL-ONLINE-Ticker.

[Donnerstag, 0 Uhr] Kraft: Sauerland wird sich Verantwortung stellen müssen

Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat dem Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland indirekt den Rücktritt nahe gelegt. "Der Duisburger Oberbürgermeister und die Verantwortlichen in der Stadtspitze werden sich letztendlich der politischen Verantwortung stellen müssen", sagte Kraft der "Rheinischen Post" (Donnerstagausgabe). Sie habe den Eindruck, dass Sauerland glaube, er würde Schuld eingestehen, wenn er die politische Verantwortung übernähme. "Diesen Zusammenhang gibt es aber nicht", sagte die Landeschefin. Sein Fehlen bei der Trauerfeier hält sie indessen für nachvollziehbar.

Der Oberbürgermeister und seine Familie seien bedroht worden. "Wir sollten in Ruhe und Würde die Trauerfeier für die jungen Menschen begehen", sagte Kraft. Zugleich präzisierte die NRW-Ministerpräsidentin ihr künftiges Vorgehen bei Veranstaltungen dieser Größenordnung. "Wir werden den Städten intensive Beratung und Unterstützung in Sicherheitsfragen geben müssen, die wenig Erfahrungen mit sehr großen Veranstaltungen haben." Um bundeseinheitliche Regeln zu gewährleisten, werde die Landesregierung ein neues Sicherheitskonzept in die Innenministerkonferenz einbringen. (ddp)

[Mittwoch, abends] Trauermarsch durch Duisburger Tunnel

Mehrere hundert Fußballfans sind in Duisburg zu einem Trauermarsch von der Unglücksstelle zum Stadion des MSV Duisburg gestartet. An der Spitze des Trauerzugs trugen Teilnehmer ein großes Transparent mit den Worten "Wir MSV-Fans trauern um 21 Menschen, die nur feiern wollten".

8 der 21 Todesopfer im Alter zwischen 20 und 40 Jahren stammten aus Australien, den Niederlanden, Italien, Bosnien-Herzegowina und Spanien. Ihnen zu Ehren trugen Teilnehmer des Trauermarsches die Fahnen ihrer Nationen.

Auch die Mannschaften des MSV und die des VfL Bochum gedachten vor ihrem Freundschaftsspiel der Opfern. "Wir sind tief traurig, unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Toten, denen wir unser Beileid und Mitgefühl aussprechen", sagte MSV-Kapitän Ivica Grlic vor dem Spiel. Das Match wurde in aller Stille ausgetragen. Auf ein Rahmenprogramm, Musik und die Durchsage der Torschützen wurde verzichtet. Die Teams liefen mit Trauerflor auf.

In Münster haben Familie und Freunde in aller Stille Abschied von drei getöteten Studentinnen genommen. Sie gedachten am Mittwoch der spanischen Austausch-Studentinnen Marta (21) und Clara (22) sowie der 23 Jahre alte Gelsenkirchenerin Fenja. Alle drei hatten in Münster studiert. An diesem Freitag soll es zudem in Greven einen Gedenkgottesdienst für die 20-jährige Vanessa aus dem Ort geben. Die offizielle Gedenkfeier für die Opfer der Tragödie mit 21 Toten und mehr als 500 Verletzten ist für Samstag in Duisburg geplant. (dpa)

[15.00 Uhr] Minister greift Stadt und Organisatoren der Love Parade an - Polizei legt Fehlerbericht über den Veranstalter vor

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat auf einer Pressekonferenz zur Love-Parade-Katastrophe die Stadt Duisburg und den Veranstalter Lopavent kritisiert. Er verwahrte sich dagegen, dass diese der Polizei die Schuld an dem Desaster gegeben haben (siehe Meldungen unten) - und verwies darauf, dass der Veranstalter dafür verantwortlich sei, was auf dem Festivalgelände passiere, also auch auf der Rampe, wo die Vorgänge eskalierten. Nur für die Vorgänge außerhalb sei die Polizei zuständig. Erst als die Situation "außer Kontrolle" geraten sei, habe Lopavent die Polizei in Duisburg um Hilfe gebeten. Was die Rolle der Stadtverwaltung betrifft, sagte Jäger, das Sicherheitskonzept sei erst am Samstagmorgen der Polizei vorgelegt worden. Die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Verwaltung stelle er sich anders vor.

Mit Verweis auf einen ersten Bericht des Duisburger Polizeipräsidenten schilderte dann der nordrhein-westfälische Polizeiinspekteur Dieter Wehe, was sich den bisherigen Rekonstruktionen zufolge am Samstag und bei der Genehmigung zugetragen hat (siehe PDF). "Bedenken am Sicherheitskonzept" seitens Polizei und Feuerwehr habe die Stadt Duisburg und der Veranstalter vor dem Fest entgegengenommen. Die Polizei habe die Genehmigung der Veranstaltung erst am Samstagmorgen auf Nachfrage erhalten, sagte auch Wehe. Das Papier habe die Teilnehmerzahl auf 250.000 begrenzt - dafür seien Wegeanforderungen zurückgefahren worden.

Wehe sagte, das Gelände sei erst um Mittag geöffnet worden, obwohl es schon um zehn Uhr hätte geöffnet werden dürfen. Dann habe es lange Rückstaus gegeben, die der Veranstalter entgegen aller Versprechen, damit zurechtzukommen, nicht allein habe auflösen können. Die Sicherheitskräfte wurden Wehe zufolge ihrem Auftrag nicht gerecht. Darum sei Hilfe der Polizei angefordert worden. Der Inspekteur stellte daraufhin einen Fehlerkatalog von Lopavent vor.

Der Veranstalter habe den Zulauf im Tunnel nicht unter Kontrolle gehabt und im Gegenteil noch erhöht. Um 17.02 Uhr seien der Polizei die ersten Opfer gemeldet worden. In dem engen Bereich an der kleinen Treppe, die an einer Seite der Rampe stand, habe sich der Druck stark erhöht. Umgestürzte Gitter seien zur Stolperfalle geworden. Den Tränen nahe, sagte Wehe, die 14 unmittelbar auf dem Festivalgelände Getöteten seien in dem Bereich gestorben. Die Menschen seien zerquetscht worden und erstickt. Im Tunnel habe es keine Toten gegeben.

[12.44 Uhr] Duisburger SPD-Stadtratsfraktion fühlte sich von OB ignoriert

Bei den Vorbereitungen zur Love Parade in Duisburg fühlte sich die SPD-Stadtratsfraktion schlecht informiert. "Es gab zum Beispiel Fragen zur Finanzierung der Veranstaltung", sagte Uwe Linsen, Geschäftsführer der SPD-Ratsfraktion, am Mittwoch. Diese seien aber ignoriert worden. "Wir mussten extra eine Sondersitzung einberufen, sonst hätten wir darauf gar keine Antwort erhalten", sagte er. So sei bei ihm der Eindruck entstanden, dass eine offene Diskussion über die Veranstaltung von Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) nicht gewünscht gewesen sei.

Dem Rat habe im Januar ein "grobes Konzept" vorgelegen, in dem auch Sicherheitsrisiken vermerkt gewesen seien, so Linsen. "Wir haben im Rat darauf hingewiesen, dass diese Fragen geklärt werden müssen, bevor wir die Leute in die Stadt einladen". Dies sei aber offensichtlich nicht geschehen. "Wir haben schon angenommen, dass die deutsche Bürokratie da gründlich arbeitet", sagte Linsen über das Genehmigungsverfahren durch das Bauamt. Die nun aufgetauchten Unterlagen würden belegen, "dass der Oberbürgermeister sich das zurechtgebogen hat". (ddp)

[12.17 Uhr] Bischof und Präses leiten Gedenkgottesdienst

Den Gedenkgottesdienst für die Toten bei der Love Parade werden der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, leiten. Das teilte das Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland am Mittwoch in Düsseldorf mit.

Der ökumenische Gottesdienst soll am Samstag um 11 Uhr in der Duisburger Salvatorkirche stattfinden. Das evangelische Gotteshaus ist die alte gotische Stadtkirche und liegt im Zentrum. An der Trauerfeier werden auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teilnehmen. Die Zeremonie soll rund eine Stunde dauern und auf Großleinwänden übertragen werden. (dpa)

[11.30 Uhr] Große Resonanz auf Kondolenzbuch an der Unglückstelle

Bislang haben sich rund 1300 Menschen in das inoffizielle Kondolenzbuch an der Unglücksstelle der Duisburger Love Parade eingetragen. Aufgrund der großen Resonanz solle das Buch noch bis Freitag ausgelegt bleiben, sagte am Mittwoch Michael Willhardt vom Verein Zukunftsstadtteil Duisburg-Hochfeld. Ursprünglich sollte das Buch in der Nacht zum Mittwoch geschlossen werden. Stattdessen musste ein zweites Exemplar ausgelegt werden, weil die Kapazität des ersten Buches nicht ausreichte.

Willhardt wünschte sich, dass ein Teil der Einträge bei der ökumenischen Gedenkfeier für die Opfer am Samstag vorgetragen werde. Das im Rathaus ausgelegte Kondolenzbuch der Stadt fand bislang eher wenig Resonanz. (ddp)

[10.19 Uhr] Weiteres Love-Parade-Opfer gestorben

Die Zahl der Todesopfer nach der Massenpanik bei der Duisburger Love Parade hat sich auf 21 erhöht. In der Nacht zum Mittwoch sei eine 25 Jahre alte Frau aus Heiligenhaus bei Essen im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen, sagte der Duisburger Staatsanwalt Rolf Haverkamp. Die Todesursache werde derzeit noch untersucht. Damit hat die Massenpanik inzwischen 13 Frauen und acht Männer das Leben gekostet. Über 500 Menschen wurden verletzt. (dpa/apn)

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Fassung der obigen Meldung hieß es, die Frau sei in Essen verstorben. Dies ist nicht der Fall. Wir bitten um Entschuldigung.

[10.15 Uhr] Bericht des NRW-Innenministeriums wird erwartet

Vier Tage nach der Katastrophe bei der Love Parade in Duisburg wird der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) über Ermittlungsdetails berichten. Die Pressekonferenz sollte um 15 Uhr in Düsseldorf beginnen.

Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" weist die vorläufige Untersuchung des Ministeriums den Veranstaltern um Rainer Schaller große Verantwortung für das Unglück zu. Schaller ist Gründer und Geschäftsführer von Lopavent, die das Raver-Fest organisierte. Wie die "SZ" berichtet, soll sich Lopavent mehrfach über Bedenken der Behörden hinweggesetzt haben. Die Firma habe völlig falsch berechnet, wie sich die Besucherströme auf dem Gelände verteilen. (dpa)

[Mittwoch, 9.16 Uhr] Ministerium verbietet Techno-Tunnelparty in Rostock

Als Konsequenz aus dem Unglück bei der Love Parade in Duisburg ist in Rostock eine Techno-Tunnelparty verboten worden. "Wir lassen die vor einer Woche erteilte Genehmigung für die Veranstaltung im Warnowtunnel widerrufen", sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums von Mecklenburg-Vorpommern am Mittwoch. Er bestätigte damit einen Bericht der Rostocker "Ostsee-Zeitung". Sollten die Veranstalter rechtlich dagegen vorgehen, müssten sie ein neues Sicherheitskonzept vorlegen, sagte der Sprecher.

In dem rund 800 Meter langen Tunnel unter dem Fluss Warnow hatten im Vorjahr mehrere Tausend Besucher gefeiert, einige sollen statt über Fußwege auch über die Autobahn 19 zu dem Tunnel gelaufen sein. Laut Zeitungsbericht hatte die Rostocker Polizei bereits vor den Geschehnissen in Duisburg Sicherheitsbedenken geäußert. Das zuständige Straßenbauamt Schwerin hatte am 21. Juli dennoch die Genehmigung für die für September geplante Feier erteilt. (dpa)

[Dienstag, 20.45 Uhr] Oberbürgermeister will seine Unschuld beweisen

Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland denkt trotz des zunehmenden Drucks nach der Loveparade-Katastrophe nicht an Rücktritt. Wenn er für die Tragödie die Verantwortung übernähme, würde er für den Rest seines Lebens für 20 Tote verantwortlich gemacht, sagte er im Gespräch mit den Zeitungen der "WAZ"-Mediengruppe. Das wäre das quasi wie ein Eingeständnis, den Tod der 20 verursacht zu haben - aber "ich muss das durchhalten". Er werde nachweisen, keine Fehler begangen zu haben.

Sauerland machte wie vor ihm Love-Parade-Veranstalter Lopavent ein Fehlverhalten der Polizei für die Katastrophe am Tunnel verantwortlich. Veranstalter Rainer Schaller hatte am Montag gesagt, die Katastrophe bei der könnte durch eine verhängnisvolle Anweisung der Polizei ausgelöst worden sein: "Die Einsatzleitung der Polizei hat die Anweisung gegeben, alle Schleusen vor dem westlichen Tunneleingang an der Düsseldorfer Straße zu öffnen." Warum, wisse er nicht. Die Veranstalter hätten eigentlich 10 der 16 Schleusen geschlossen gehalten, weil eine Überfüllung drohte. Wegen der Polizeianweisung sei der Hauptstrom der Besucher dann unkontrolliert in den Tunnel gekommen.

[19.45 Uhr] NRW-Innenminister: Zu wenige Ordner am Tunnel

Das nordrhein-westfälische Innenministerium wirft dem Veranstalter der Loveparade vor, weniger eigene Ordnungskräfte eingesetzt zu haben als angekündigt. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (Mittwochausgabe). Demnach hat Innenminister Ralf Jäger (SPD) dem Kabinett mitgeteilt, der Veranstalter habe in seinem Sicherheitskonzept 150 Ordner für den Bereich der Rampe und der Zugangstunnel versprochen. Tatsächlich seien dann aber offenbar deutlich weniger Ordner eingesetzt worden, sagte Jäger laut "SZ". Außerdem habe der Veranstalter Vorschläge ignoriert, im Zugangsbereich eine Videoüberwachung zu installieren.

Oberbürgermeister fehlt bei Trauerfeier +++ Kein Tod durch Stürze

[19.15 Uhr] Duisburgs Bürgermeister fehlt bei der Trauerfeier

Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) wird nicht an der Trauerfeier für die Todesopfer der Loveparade am Samstag teilnehmen. Das berichtet die "Rheinische Post" (Mittwochausgabe) unter Berufung auf die Duisburger Stadtverwaltung. Sauerland wolle "die Gefühle der Angehörigen nicht verletzen und mit seiner Anwesenheit nicht provozieren", sagte ein Sprecher laut dem Blatt. Nach Informationen aus Polizeikreisen haben offenbar auch Sicherheitsbedenken zu der Entscheidung geführt. Gegen Sauerland seien Morddrohungen ausgesprochen worden. (AP)

[19.00 Uhr] Kraft: Keiner ist durch Stürze gestorben

Die tödlichen Verletzungen von 20 Menschen bei der Loveparade in Duisburg sind ausschließlich auf das Gedränge zurückzuführen. Niemand sei durch einen Sturz von der Mauer am Tunnelausgang zu Tode gekommen, sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) am Dienstag in Düsseldorf unter Berufung auf Obduktionsergebnisse. Die Mediziner hätten in allen 20 Fällen tödliche Brustquetschungen festgestellt. Noch am Wochenende hatte Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) suggeriert, es gebe viele Todesfälle durch Stürze von einer Treppe an der Zugangsrampe zum Partygelände.

Schon vor Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen will die Landesregierung erste politische Konsequenzen aus der Tragödie ziehen: Die Städte sollten künftig nicht mehr mit der Planung von Großveranstaltungen "alleingelassen" werden, sagte Kraft. Sie wolle mit ihrem Kabinett Vorschläge entwickeln, wie man die Kommunen begleiten und beraten könne - vor allem solche, die wenig Erfahrungen mit Großereignissen haben. Ob dies auf eine unverbindliche Hilfestellung oder aber auf einen Genehmigungsvorbehalt der Regierung hinauslaufe, sei zu prüfen. In jedem Fall strebe sie an, in Konsultationen mit der Innenministerkonferenz eine bundesweit einheitliche Regelung zu gestalten.

Der Innenminister des Landes, Ralf Jäger, habe auf der Sitzung einen vorläufigen internen Bericht vorgestellt, in dem es aber noch inhaltliche Widersprüche gebe. Diese müssten vom Veranstalter ausgeräumt werden. Am Mittwoch werde Jäger eine Pressekonferenz geben und Details zu den Sicherheits- und Rettungskonzepten nennen können.

Nach der Aufarbeitung der Duisburger Katastrophe müssten Verantwortlichkeiten benannt und sowohl organisatorische als auch politische Konsequenzen gezogen werden. Das defensive Verhalten der Stadt Duisburg und Sauerland Rücktrittsweigerung wollte die SPD-Politikerin nicht direkt bewerten: "Das ist seine Entscheidung. Ich habe das zur Kenntnis genommen, dass er das so handhabt. Es wird am Ende auch um politische Verantwortung gehen."

Die Regierungschefin wies Vorwürfe gegen die Polizei zurück. Die Tragödie im Tunnel und auf dem Gelände der Loveparade habe sich im Zuständigkeitsbereich der Stadt und des Veranstalters ereignet: "Der Zuständigkeitsbereich der Polizei endete an den Vereinzelungssperren." Sowohl der Tunnel als auch das Gelände seien im Einflussgebiet des Veranstalters und im Genehmigungsbereich der Stadt. Aufgabe der Polizisten auf dem Gelände sei nur gewesen, Randalierer in Gewahrsein zu nehmen und gegen Ordnungswidrigkeiten vorzugehen. Kraft: "Ich kann verstehen, wenn die Menschen Antworten erwarten. Aber die müssen diejenigen liefern, die Verantwortung getragen haben."

Auf die Frage, ob die schwarz-gelbe Vorgängerregierung oder ihre Regierung gewarnt worden sei vor Sicherheitslücken im Loveparade-Konzept, sagte Kraft: "Nein, davon habe ich keine Kenntnis." (dpa)

[18.05 Uhr] Trauerfeier mit Wulff und Merkel am Samstag

Für die 20 Todesopfer wird am Samstag eine Trauerfeier in der Duisburger Salvatorkirche gehalten. Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel wollen daran teilnehmen. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, werden die zentrale Gedenkfeier mit einem ökumenischen Gottesdienst leiten. Das ARD-Fernsehen will live übertragen, in Duisburg sollen Großbildleinwände aufgestellt werden. (apn)

[16.06 Uhr] Kölner Polizei hat Ermittlungskommission gegründet

Zur Aufklärung des Unglücks hat die zuständige Kölner Polizei eine Ermittlungskommission eingesetzt. Wie die Nachrichtenagentur ddp am Dienstag aus Polizeikreisen erfuhr, gehören der Ermittlungskommission etwa 60 Beamte an. Rund die Hälfte von ihnen wurde aus anderen nordrhein-westfälischen Polizeipräsidien zugeordnet. Die Leitung hat ein erfahrener Kriminaldirektor übernommen. (ddp)

[15.55 Uhr] Leichen werden abtransportiert

Drei Tage nach der Katastrophe sind die Leichen der 20 Opfer zur Bestattung freigegeben worden. Am Duisburger Polizeipräsidium seien am Dienstag mehrere Leichenwagen mit auswärtigen Kennzeichen vorgefahren, berichteten Augenzeugen. Sie dienten nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa der Überführung der Love-Parade-Opfer. (dpa)

[15.34] Keine Auskünfte von der Polizei

Die zuständigen Behörden erteilen zurzeit keinerlei Auskünfte zum Einsatzkonzept der Polizei. Die Pressestelle der Duisburger Polizei lehnte entsprechende Anfragen am Dienstag ab, ebenso wie die örtliche, mit den Ermittlungen beauftragte Staatsanwaltschaft. Auch das der Polizei übergeordnete nordrhein-westfälische Innenministerium verweigerte offiziell jegliche Auskunft. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Bernhard Englisch, erklärte: "Zurzeit werden zum Schutz der Ermittlungen im Hinblick auf die denkbare Bandbreite der Ermittlungen keine Angaben gemacht." (apn)

[15.30 Uhr] Schwere Vorwürfe gegen Oberbürgermeister Sauerland

Einem Bericht des Nachrichtenportals "DerWesten" zufolge hat die politische Spitze der Stadt Duisburg vier Wochen vor der Love Parade massive Bedenken des Bauordnungsamts ignoriert. Der Website liegt nach eigenen Angaben ein Sitzungsprotokoll vor, in dem die Einwände der Verwaltung im Detail formuliert sind und auf dessen handschriftlich vermerktem Verteiler auch Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) stehen soll. Demnach wäre er - entgegen seinen Aussagen - informiert gewesen. Die Genehmigung der Love Parade überließ Sauerland offenbar wegen eines privaten Urlaubs dann seinen Mitarbeitern. In den Tagen vor der Veranstaltung habe er sich im Urlaub in Österreich befunden, schreibt die "Bild"-Zeitung.

Wie "DerWesten" berichtet, geht es in dem Dokument vom 18. Juni um ein Treffen des Love-Parade-Veranstalters Lopavent mit der Feuerwehr, dem Ordnungsamt und dem Ordnungsdezernenten Wolfgang Rabe. Bei dem Treffen sei über die Fluchtwege gestritten worden. Demnach habe sich der Veranstalter dagegen gewehrt, für 220.000 Besucher 440 Meter Fluchtwege bereitzustellen. Stattdessen habe Lopavent auf nur 155 Wegmetern bestanden.

Ordnungsdezernent Rabe soll daraufhin Druck auf das Bauordnungsamt ausgeübt haben. "Herr Rabe stellte in dem Zusammenhang fest, dass der OB die Veranstaltung wünsche und dass daher hierfür eine Lösung gefunden werden müsse. Die Anforderungen der Bauordnung, dass der Veranstalter ein taugliches Konzept vorlegen müsse, ließ er nicht gelten", zitiert "DerWesten" aus dem Protokoll. An das Bauordnungsamt, das eigentlich nur eine kontrollierende Funktion habe, soll Rabe die Order ausgegeben haben, "konstruktiv mitzuarbeiten".

Der Leiter des Baudezernats, Jürgen Dressler, soll auf dem Protokoll handschriftlich jede Zuständigkeit und Verantwortung abgelehnt haben: "Dieses entspricht in keinerlei Hinsicht einem ordentlichen Verwaltungshandeln und einer sachgerechten Projektstellung."

Am 21. Juli, also drei Tage vor dem Mammutevent, erteilte die Bauaufsichtsbehörde dann doch die Genehmigung. Das geht aus einem Papier hervor, das SPIEGEL ONLINE bereits am Sonntag veröffentlicht hat. Demnach lag zu diesem Zeitpunkt das abschließende Brandschutzkonzept noch gar nicht vor. Dies sollte erst am 22. Juli nachgereicht werden. Ein mit der Organisation vertrauter Insider sagte der Nachrichtenagentur ddp zur Begründung für die späte Erlaubnis: "Es hat in der Verwaltung lange Widerstand gegen die Veranstaltung gegeben. Da hatten Beamte ganz erhebliche Sicherheitsbedenken."

Der "Kölner Stadt-Anzeiger" hatte berichtet, dass die ordnungsbehördliche Genehmigung erst Stunden vor dem Beginn der Party unterschrieben worden war. Mitarbeiter seien systematisch unter Druck gesetzt worden, um die Genehmigung abzunicken, berichtete das Blatt.

Eine Sprecherin der Stadt Duisburg wollte gegenüber SPIEGEL ONLINE mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen keine Stellungnahme abgeben.

[12.44 Uhr] Kraft trägt sich in Kondolenzbuch ein

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hat sich im Düsseldorfer Landtag in ein Kondolenzbuch für die Opfer der Love-Parade eingetragen. Kraft schrieb in das Buch, Nordrhein-Westfalen und seine Bürger seien "betroffen und tief erschüttert von dem tragischen Unglück bei der Love Parade". Ihre Gedanken und Gebete seien bei den Angehörigen und Freunden der jungen Menschen, die dort zu Tode gekommen seien und bei den vielen Traumatisierten und Verletzten. Kondolenzbücher liegen auch in Duisburg im Rathaus und an der Unglücksstelle aus.

Für die Opfer des Love-Parade-Unglücks ist für diesen Samstag in Duisburg eine Trauerfeier geplant. Das bestätigte die Stadtverwaltung. Nach Medienberichten will Bundespräsident Christian Wulff an der Trauerfeier teilnehmen. Das Bundespräsidialamt bestätigte den Termin zunächst nicht. (ddp/dpa)

[11.57 Uhr] Polizei kritisiert verfrühte Spekulationen

Vorwürfe des Loveparade-Chefs Rainer Schaller, eine Anweisung der Polizei habe zur Katastrophe von Duisburg am Samstag geführt, sind von den Ermittlern zurückgewiesen worden. Schaller hatte erklärt, die Katastrophe mit 20 Toten und mehr als 500 Verletzten sei ausgelöst worden, weil die Polizei die "verhängnisvolle Anweisung" gegeben habe, die Schleusen vor dem Tunnelzugang auf dem Gelände der Loveparade zu öffnen.

Die Polizei in Köln, die nach dem tragischen Ende der Veranstaltungen ermittelt, wies die Kritik als verfrühte Spekulation zurück. "Wir sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht in der Lage zu sagen, was der Auslöser war für das Ganze, wie es sich ereignet hat. Das kann man jetzt noch nicht seriös feststellen", sagte eine Sprecherin. "Wir fänden es gut, wenn sich Herr Schaller nicht in Spekulationen verlieren würde."

Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft in Nordrhein-Westfalen reagierte empört: "Die neuen Schuldzuweisungen gegen die Polizei durch die Veranstalter sind eine Frechheit", erklärte die Gewerkschaft am Dienstag. "Er meldete 500.000 Teilnehmer an, erhielt eine Genehmigung der Stadt für 250.000 Teilnehmer und feierte bereits mittags öffentlich über eine Million Teilnehmer." (dpa/Reuters)

[11.31 Uhr] Überforderte Ordner: "Alle warteten auf Befehle, aber es kamen keine"

Nach einem Augenzeugenbericht waren Ordner und Polizei mit der Situation am Sonntag völlig überfordert. "Alle warteten auf Befehle, aber es kamen keine", sagte ein Security-Mitarbeiter, der einer von 1080 Ordnern bei der Veranstaltung am Samstag war, der "Bild"-Zeitung. "Irgendwann lagen dann überall Leichen. Die Notausgänge oberhalb der Rampe wurden erst durch die Polizei geöffnet, als es schon zu spät war", zitiert das Blatt den 40-Jährigen weiter.

Die eingesetzten Ordnungskräfte seien teilweise ungeeignet für die Aufgabe gewesen. "Da waren Jugendliche bei, fast noch Kinder. Sogar Rentner mit Gehfehlern standen da als Ordner", beschrieb der Mann die Situation. Die Sicherheitskräfte hätten "Schnellhefter mit den wichtigsten Regeln" erhalten. Den Veranstaltern seien nur zwei Dinge wichtig gewesen. "Die Floats dürfen nicht stoppen, und niemand darf ohne Befehl die Notausgänge öffnen", sagte er.

Die Panik habe er nur durch Zufall mitbekommen. "Ich sah, wie die ersten Menschen anfingen, Zäune niederzutrampeln", sagte der 40-Jährige. Um dort hinzukommen, habe er für 140 Meter 40 Minuten gebraucht. (ddp)

[10.55 Uhr] Rücktrittsforderungen an Sauerland und Rabe

Für Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) und Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe wird es immer enger: Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl, sprach sich im "Handelsblatt" für einen Rücktritt der Verantwortlichen aus. Zuvor hatte sich schon Unions-Innenexperte Wolfgang Bosbach entsprechend geäußert. Uhl sagte, "politische und persönliche Konsequenzen" nach der Katastrophe von Duisburg seien unausweichlich. Die Verantwortlichen müssten dafür geradestehen, dass die Sicherheitsstandards für die Loveparade sträflich unterlaufen worden seien, sagte der Abgeordnete.

Auch der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, hat Oberbürgermeister Sauerland zum Rücktritt aufgefordert. Es sei "völlig unerheblich", ob Sauerland persönlich an der Planung der Veranstaltung beteiligt war, sagte Wendt "Handelsblatt Online". Ihm persönlich tue das zwar "ausgesprochen leid, denn ich kenne Adolf Sauerland seit vielen Jahren persönlich und schätze ihn sehr", fügte Wendt hinzu. Er finde es aber "unerträglich, wenn die Verantwortlichen sich jetzt monatelang hinter der Staatsanwaltschaft verstecken wollen und glauben, durch ihr Schweigen dieses schreckliche Ereignis aussitzen zu können".

Die Chefin der nordrhein-westfälischen Grünen, Monika Düker, hatte am Montagabend als erste Politikerin den Rücktritt des Oberbürgermeisters gefordert. Sie sagte SPIEGEL ONLINE: "Sauerland hätte so viel Gespür aufbringen sollen, dass er zurücktritt." Er trage als Chef der "Genehmigungsbehörde die politische Verantwortung für ein Konzept, das nicht aufgegangen ist". (ore/AFP)

[10.44 Uhr] Traumatherapeutin kritisiert die Stadt Duisburg

Die Psychologin Sybille Jatzko sagte im Deutschlandradio Kultur, die Menschen bräuchten jemanden, der Verantwortung übernehme. Die Vertreter der Stadt hätten jedoch jede Schuld von sich gewiesen. "Für die Hinterbliebenen ist das natürlich so, als würden Sie sie mit der Faust ins Gesicht schlagen. "

Jatzko zeigte sich überzeugt, dass Sauerland und Rabe mit ihrem unbeteiligten Verhalten Wut und Aggressionen provozieren. "Das ist ein sehr, sehr ignorantes und nicht einfühlsames Verhalten, das wohl im Vorfeld bei der Planung schon eine Rolle spielte. Jetzt kann man es erkennen bei dem Umgang mit der Katastrophe." (AFP)

[9.45 Uhr] Massenpanik soll Bundestag beschäftigen

Die Katastrophe bei der Love Parade in Duisburg soll Thema im Innenausschuss des Bundestages werden. Der Vorsitzende des Gremiums, Wolfgang Bosbach (CDU), sagte am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin", der Ausschuss sollte sich damit beschäftigen, wenn die Sicherheitsbehörden, insbesondere Polizei und Staatsanwaltschaft, die Aufklärungsarbeit geleistet hätten. Zum einen seien auch Bundeskräfte beteiligt gewesen.

Zum anderen müsse die Frage gestellt werden, was die Ereignisse für weitere Großveranstaltungen bedeuteten und ob nicht die Sicherheitskonzepte nach den "bitteren Erfahrungen" von Duisburg überprüft werden müssten. Man habe in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit großen, freien Flächen für Massenveranstaltung gemacht, sagte er dem Sender n-tv. "Wieso man dieses Gelände in Duisburg abgezäunt hat, können viele nicht verstehen, dazu gehöre auch ich", sagte Bosbach.

Bosbach zeigte sich im "Handelsblatt" verärgert darüber, dass die Veranstalter bisher kaum zur Aufklärung der Tragödie beigetragen hätten. "Es ist mehr als überraschend, dass die Verantwortlichen nicht einmal naheliegende Fragen beantwortet haben", sagte der Unionspolitiker. Offenbar versuche jeder, "anderen den Schwarzen Peter zuzuschieben". Die Stadt Duisburg dürfe aber auf keinen Fall den Eindruck erwecken, man beteilige sich nicht mit voller Kraft an der Aufklärung der Ereignisse.

Der CDU-Politiker sagte im ZDF, es gebe auch eine Verantwortung jenseits der strafrechtlichen Verantwortung. Möglicherweise denke der eine oder andere, "ich halte an meinem Amt fest, weil ein Rücktritt ein Schuldeingeständnis wäre". Dass sich Städte für die Ausrichtung der Loveparade bewerben, weil sie weltoffen und tolerant sein wollten, könne man noch nachvollziehen, fügte er hinzu. Jedoch müsse auch hier gelten, dass die Sicherheit an erster Stelle stehe. Wenn die Risiken zu hoch seien, müsse auf ein solches Event verzichtet werden. (ddp/apn)

[8.41 Uhr] Genehmigung lag Polizei erst nach der Veranstaltung vor

Nach der Love-Parade-Katastrophe mit 20 Toten tauchen immer neue Ungereimtheiten auf. Die offizielle Genehmigung der Bauaufsicht der Stadt Duisburg für die Mega-Veranstaltung lag der Polizei nach Informationen der FDP in Nordrhein-Westfalen erst am Tag nach dem Unglück vor, wie Radio Erft (Köln) am Dienstag den innenpolitischen Sprecher der FDP-Fraktion, Horst Engel, zitierte. Engel habe demnach diese Information von Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) erhalten. "Die Genehmigung der Bauaufsicht, der Bauverordnung, der Bauverwaltung der Stadt Duisburg ist vom 21. Juli. Und die hat erst die Polizei erreicht am Sonntag, also (...) direkt nach der Veranstaltung." (dpa)

[Dienstag, 3.10 Uhr] Sauerland will nichts von Warnungen gewusst haben

Duisburgs Oberbürgermeister hat Warnungen von Polizei und Feuerwehr entweder nicht gekannt oder schlichtweg ignoriert: Sauerland sagte der "Rheinischen Post", er habe nichts von Sicherheitsbedenken vor Beginn der Love Parade gewusst. Es gebe bei der Planung solcher Veranstaltungen immer kritische Stimmen, die man auch immer sehr ernst nehme. Aufgabe der Stadt sei es zu prüfen, ob beantragte Veranstaltungen durchgeführt werden könnten, sagte der CDU-Politiker. "Und genau das haben wir auch in diesem Fall gewissenhaft getan." (dpa)

[Montag, 20.30 Uhr] Zahl der Opfer steigt auf 20 - Kraft fordert Konsequenzen

Bei der Love-Parade-Massenpanik hat es nach Angaben der nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ein 20. Todesopfer gegeben. Die Duisburger Polizei bestätigte dies. Demnach erlag die 21-jährige Frau aus Deutschland in einem Krankenhaus ihren Verletzungen.

Kraft forderte Konsequenzen aus der Katastrophe. Es sei klar erkennbar, dass das Sicherheitskonzept für die Mammutveranstaltung nicht gut gewesen sei, sagte die SPD-Politikerin. Nun gelte es, rasch zu klären, wo die Verantwortlichkeiten lägen, und dann Konsequenzen zu ziehen. Die Regierungschefin machte deutlich, dass sie die Verantwortung auf dem Gelände bei den Veranstaltern und für die Planung bei der Stadt Duisburg sieht. (dpa)

[19.45 Uhr] Veranstalter greift Polizei an

Die Katastrophe bei der Duisburger Love Parade könnte nach Angaben des Veranstalters Rainer Schaller durch eine verhängnisvolle Anweisung der Polizei ausgelöst worden sein. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa äußerte sich der 41-Jährige erstmals ausführlich zu dem Unglück. "Die Einsatzleitung der Polizei hat die Anweisung gegeben, alle Schleusen vor dem westlichen Tunneleingang an der Düsseldorfer Straße zu öffnen", sagte er. Warum, wisse er nicht.

Die Veranstalter hätten eigentlich 10 der 16 Schleusen geschlossen gehalten, weil eine Überfüllung des Tunnels drohte. Wegen der Polizeianweisung sei der Hauptstrom der Besucher dann unkontrolliert in den Tunnel gekommen.

Schaller ist Gründer der Fitness-Kette McFit, einem Hauptsponsor der Love Parade. Er wies zurück, aus Profitgier Sicherheitsbedenken hinten angestellt zu haben: "Wir haben nie Druck auf eine Herabsetzung der Sicherheit ausgeübt. Nach derzeitigem Stand haben wir sämtliche Auflagen erfüllt. Das gesamte Konzept war in jedem Punkt in wöchentlichen Sitzungen mit Polizei, Feuerwehr und Stadt abgestimmt." Man habe "niemals an der Love Parade Geld verdient - das war auch nicht unser Ziel." Die Einzäunung des Geländes sei von den Behörden aus Sicherheitsgründen verlangt worden, nicht etwa um den Getränkeverkauf in eigener Hand zu behalten: "Wir haben ungern eingezäunt." Alle Einzelheiten seien "von den Behörden abgenickt oder vorgegeben worden".

Auf die Frage, ob der Tunnel als einziger Zugang nicht ungeeignet war, sagte der Unternehmer: "Alle Behörden haben die Eingangssituation abgenickt, sonst hätten wir das nicht gemacht." Der Tunnel sei als einziger Zugang "extrem intensiv geprüft und die Genehmigung erteilt worden". Warum sich ein Stau gebildet habe, wisse er noch nicht. Die Auswertung des Videomaterials und die Rücksprache mit den 2000 Mitarbeitern der Großveranstaltung laufe auf Hochtouren. Von einer Warnung des Dusiburger Panikforschers Michael Schreckenberg habe er persönlich nichts erfahren, sagte Schaller.

An einer Überfüllung des Geländes habe das Problem jedenfalls nicht gelegen, das lasse sich beweisen: "Das Gelände war zu dem Zeitpunkt zu 75 Prozent ausgelastet. Es waren etwa 187.000 auf dem Gelände", sagte er. Die Polizei nannte dagegen andere Zahlen (siehe unten), Schaller selbst hatte während der Veranstaltung ebenfalls deutlich höhere Angaben machen lassen. (dpa)

[19.30 Uhr] Bericht: Genehmigung für Love Parade erst in letzter Minute

Die Stadt Duisburg hat die Love Parade nach einem Bericht der "Kölnischen Rundschau" erst kurz vor Beginn genehmigt und nicht wie üblich lange vorher. Mit Verweis auf Polizeinsider schreibt die Zeitung, Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) habe die ordnungsbehördliche Erlaubnis erst am Samstagmorgen um neun Uhr erteilt. Noch am Freitag sei das Sicherheitskonzept in verschiedenen Sitzungen debattiert worden. Dabei hätten Duisburger Berufsfeuerwehr und Polizisten nochmals deutlich gemacht, dass die Großveranstaltung so nicht stattfinden könne. SPIEGEL ONLINE hatte schon am Sonntag berichtet, dass Polizei und Feuerwehr mit einem Gegen-Sicherheitskonzept an der Stadt gescheitert waren.

Am Freitag sei sie noch nicht abgesegnet worden, am Samstag habe dann eine Entscheidung gefällt werden müssen, zitierte die Zeitung ihre Informanten. Es sei den Verantwortlichen kaum eine Wahl geblieben, als ihr Einverständnis zu geben. Schließlich seien schon Tausende auf der Anreise gewesen.

Stadt erwartete eine Million Besucher +++ Angeblich nur 400.000

[18.07 Uhr] Stadt rechnete mit rund einer Million Besucher

Ordnungsamt und Kulturausschuss der Stadt Duisburg sind bei der Planung der Love Parade zeitweilig von einer Million Besuchern ausgegangen. Das Ordnungsamt informierte den Kulturausschuss am 15. Dezember 2009 über die Prognose, wie aus dem im Internet veröffentlichten Protokoll hervorgeht. Eine Mitarbeiterin zeigte den Politikern demnach eine Power-Point-Präsentation. Erste Gespräche mit dem Veranstalter Lopavent, der Bahn, den Verkehrsbetrieben, Polizei und Bezirksregierung seien bereits geführt worden, hieß es. Ein CDU-Abgeordneter bezeichnete die Love Parade demnach als "ein Highlight für die Stadt". Man habe die Chance, das "neue Duisburg" vorzustellen. (ore/apn)

[17.21 Uhr] Polizei zählt nur 400.000 Besucher

Jetzt sollen es nur noch 0,4 Millionen gewesen sein: Die vom Love-Parade-Veranstalter am Samstag genannte Teilnehmerzahl von 1,4 Millionen ist aus Sicht der Polizei schon "rechnerisch unmöglich". So viele Menschen hätten weder mit den bestehenden Verkehrsmitteln in der zur Verfügung stehenden Zeit anreisen können, noch hätten sie auf dem Veranstaltungsgelände überhaupt Platz gefunden, sagte am Montag der Duisburger Polizeisprecher Ramon van der Maat.

Das zeige schon ein Vergleich mit der A40-Sperrung am Wochenende zuvor. Dabei hätten die drei Millionen Besucher über 60 Kilometer eine vier- bis sechsspurige Autobahn dicht gefüllt. Das Duisburger Gelände umfasse dagegen gerade 230.000 Quadratmeter, von denen die Hälfte wegen Bebauung oder Sicherheitsvorkehrungen nicht nutzbar gewesen sei.

Über den ganzen Tag verteilt seien auf dem Veranstaltungsgelände und auf dem Weg dorthin zusammen höchstens 300.000 bis 400.000 Menschen gewesen, sagte der Sprecher. Der Weg zur Bühne sei absichtlich lang gewählt und mit weiteren Bühnen ausgestattet worden, um die Besuchermenge auseinanderzuziehen. Veranstalter zögen die Teilnehmerzahlen von Veranstaltungen gern aus Werbegründen hoch, so der Sprecher.

Demnach wäre die Love Parade in Duisburg deutlich kleiner ausgefallen als in den Jahren zuvor. In Essen waren 2007 rund 1,2 Millionen Besucher gezählt worden, in Dortmund 2008 sogar 1,6 Millionen. (ore/dpa)

[16.34 Uhr] Oberbürgermeister bleibt vorerst im Amt

Der stark in die Kritik geratene Oberbürgermeister von Duisburg, Adolf Sauerland (CDU), hat am Montagnachmittag eine persönliche Erklärung abgegeben. Zuvor waren Forderungen nach seinem Rücktritt laut geworden, unter anderem von den Grünen und der Linken. Sauerland sicherte den Ermittlern die volle Unterstützung der Stadt zu. Hinsichtlich seiner persönlichen Verantwortung heißt es in der schriftlichen Stellungnahme: "Gestern und auch heute ist die Frage nach Verantwortung gestellt worden, auch nach meiner persönlichen. Ich werde mich dieser Frage stellen."

In den nächsten Tagen müsse es aber darum gehen, "die schrecklichen Ereignisse aufzuarbeiten und die vielen Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammenzufügen". "Wenn sich die Stadt etwas vorzuwerfen hat, dann werden wir Verantwortung übernehmen." Den Angehörigen der Verstorbenen drückte er sein Beileid aus. "Ich weiß, dass Sie von mir Antworten erwarten. Ich kann Ihnen diese heute nicht geben. Aber ich werde Ihnen diese geben, sobald sie vorliegen. Die Stadt trauert mit Ihnen, auch ich ganz persönlich." (ore)

[15.04 Uhr] Strafrechtler rechnet allenfalls mit Bewährungsstrafen

Nach Einschätzung des Tübinger Strafrechtlers Jörg Kinzig drohen den Verantwortlichen allenfalls Bewährungsstrafen. "Ich rechne nicht damit, dass jemand deswegen in Haft kommt", sagte Kinzig. Bei den Ermittlungen komme hier wohl letztlich nur der Straftatbestand der fahrlässigen Tötung in Betracht, bei dem maximal eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren oder eine Geldstrafe drohe. Voraussetzung dafür sei unter anderem "eine Sorgfaltspflichtverletzung, die ursächlich für den Tod von Menschen geworden ist".

Kinzig verwies darauf, dass auch bei tödlichen Autounfällen Unfallverursacher wegen fahrlässiger Tötung in der Regel höchstens zu Bewährungsstrafen verurteilt würden. (ddp)

[14.28 Uhr] Zahl der Verletzten auf über 500 gestiegen

Bei der Katastrophe während der der Love Parade sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft Duisburg deutlich mehr Menschen verletzt worden als zunächst angenommen. Die Staatsanwaltschaft bezifferte ihre Zahl am Montag auf mehr als 500. "Die letzte Zahl war 511", sagte Staatsanwalt Rolf Haferkamp. 43 Menschen befänden sich noch im Krankenhaus, ein Opfer schwebe in Lebensgefahr. Die Verletztenzahl bezieht sich auf den ganzen Tag, nicht nur die Massenpanik am Abend. Am Sonntag hatten die Behörden die Zahl der Verletzten mit 342 angegeben. Bei der Massenpanik waren 19 Menschen ums Leben gekommen. (Reuters)

[14.21 Uhr] Universität Bochum hilft bei Strafanzeigen

Nach der Love-Parade-Katastrophe will die Universität Bochum Hinterbliebene und Verletzte bei Strafanzeigen gegen die Verantwortlichen unterstützen. Der Jurist und Pädagoge Thomas Feltes vom Lehrstuhl für Kriminologie und Polizeiwissenschaft wolle Betroffene beraten und auch im weiteren Verfahren kostenlos unterstützen, teilte die Hochschule mit. Betroffene sollten vor allem nicht allein gegen die Verantwortlichen vorgehen, riet Feltes. (dpa)

[14.17 Uhr] Schäden bei der Love Parade mit bis zu 7,5 Millionen Euro versichert

Der Veranstalter der Duisburger Love Parade hatte bei der deutschen Tochter des französischen Versicherungskonzerns Axa eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Das berichtet die "Financial Times Deutschland". Die Firma Lovapent sei "mit einer Gesamtdeckungssumme von 7,5 Millionen Euro bei der Axa versichert", bestätigte ein Sprecher des Versicherers der Zeitung. Sollten Ansprüche über diese Deckungssumme hinaus entstehen, werde der Veranstalter, Rainer Schaller, dafür privat haften müssen.

Zu Einzelheiten über Haftungsfragen oder zur Entschädigung für die Opfer wollte sich der Versicherer nicht äußern. "Wir sind in der Kette der ermittelnden Organe ganz hinten", sagte der Axa-Sprecher. Erst müssten sich die Mitarbeiter des Versicherers ein Bild von der Lage machen. Bis sämtliche Haftungsfragen geklärt sind, könnten viele Jahre vergehen. Stehe aber schon im Vorfeld fest, dass der Versicherer haftet, könne er vorläufig zahlen, müsse dies aber nicht. Der Sprecher wollte keine Stellung dazu nehmen, wie sich die Axa verhalten werde. (ore)

[13.36 Uhr] Union fordert unabhängige Untersuchung

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat zur Aufklärung der Katastrophe eine unabhängige Untersuchungskommission verlangt. Sie sollte sich aus Fachleuten von Sicherheitsbehörden und Rettungsdiensten zusammensetzen, die nicht aus dem Duisburger Umfeld stammen, so der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl. Nur so könne unvoreingenommen geklärt werden, wie es zu der Tragödie kommen konnte. Auf Basis des Kommissionsberichts könnten allgemeingültige Sicherheitsstandards für derartige Großveranstaltungen entwickelt werden. (dpa)

[12.13 Uhr] Polizei muss noch 1200 Vermisstenfälle klären

Am Montagmittag war nach Polizeiangaben der Verbleib von 1138 Menschen offiziell noch ungeklärt. Sie seien nach der Katastrophe zumeist von Angehörigen als vermisst gemeldet worden. Das bedeutet allerdings nicht, dass so viele tatsächlich noch verschwunden seien. Laut Polizei versäumen es viele Angehörige zu melden, dass Vermisste wieder aufgetaucht sind. Dazu stehen die Telefonnummern 0203-280-4125, - 4128 oder -4526 bereit. Nach der Panik waren bei der Duisburger Polizei anfangs 2367 Vermisstenmeldungen eingegangen. (apn)

[12.10 Uhr] Duisburger Polizei soll "Ross und Reiter" nennen

Der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Frank Richter, hält es für offen, ob die Duisburger Polizeiführung mit Sicherheitsbedenken gegen die Loveparade genügend Druck gemacht hat. Richter sage, die Polizei habe in NRW jedenfalls "genügend Möglichkeiten", ihre Einwände durchzusetzen. Eine davon sei, sich an das Innenministerium in Düsseldorf zu wenden. Wenn die Duisburger Polizei heute sage, sie habe vor dem Event "große Kritik" geäußert, müssten - so Richter - nunmehr auch "Ross und Reiter" genannt werden. (ddp)

[12.04 Uhr] Gelsenkirchen begrüßt Absage der Love Parade

Die Stadt Gelsenkirchen hat das Aus für die Love Parade begrüßt. Dort sollte das Großereignis ursprünglich 2011 gefeiert werden. "Es ist definitiv richtig, dass die Love Parade nach der Katastrophe von Duisburg nicht mehr stattfindet. Sie wäre in Zukunft immer von diesem Unglück belastet gewesen", sagte Stadt-Sprecher Martin Schulmann. Die Veranstalter hatten am Sonntag angekündigt, dass es nie mehr eine Love Parade geben werde.

Konkrete Planungen habe es noch keine gegeben, sagte Schulmann. "Wir wollten erst die Erfahrungen in Duisburg abwarten." Deshalb sei seitens der Stadt auch noch kein Geld investiert worden. Wo genau die Raver feiern sollten, sei ebenfalls noch nicht entschieden gewesen. Die angedachten Flächen in Gelsenkirchen seien aber um ein Vielfaches größer als die in Duisburg. (dpa)

[11.27 Uhr] Staatsanwalt erwartet wochenlange Ermittlungen

Die Ermittlungsbehörden erwarten keine rasche Aufklärung der Ursache. "Das wird Wochen, wenn nicht Monate dauern", sagte Staatsanwalt Rolf Haferkamp am Montag. Es müssten viele Zeugen befragt werden, die auch erst ausfindig gemacht werden müssten. "Wir werten auch Fotos und Videos aus." Zudem würden zahlreiche Unterlagen überprüft. Die Staatsanwaltschaft hatte am Sonntag das Sicherheitskonzept der Veranstalter und der Stadt beschlagnahmt. (Reuters)

[10.37 Uhr] Duisburgs Oberbürgermeister schließt Rücktritt nicht aus

Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) schließt seinen Rücktritt nicht mehr aus. "Gestern und auch heute ist die Frage nach Verantwortung gestellt worden, auch nach meiner persönlichen. Ich werde mich dieser Frage stellen, das steht außer Frage", sagte Sauerland am Montag dem Radiosender WDR2. Doch zunächst müsse es darum gehen, die schrecklichen Ereignisse vom Samstag aufzuarbeiten. "Und wenn wir wissen, was da passiert ist, dann werden wir auch diese Frage beantworten. Das verspreche ich", sagte Sauerland zu den an ihn gerichteten Rücktrittsforderungen.

Der Oberbürgermeister kündigte an, dass noch im Laufe des Montags ein Kondolenzbuch ausgelegt werden soll. Außerdem stehe die Stadt in Verbindung zu den Duisburger Kirchen, um eine Trauerfeier vorzubereiten. (AFP)

[10.34 Uhr] Lieberberg gibt inkompetenten Organisatoren die Schuld

Für den Konzertveranstalter Marek Lieberberg haben Profilierungssucht der Stadt Duisburg und eine amateurhafte Organisation die Loveparade-Katastrophe mit 19 Toten ausgelöst. Das "war keine höhere Gewalt wie ein Treppeneinsturz oder ein Unwetter, sondern das Ergebnis eines verhängnisvollen Zusammenwirkens von völlig überforderten Behörden und inkompetenten Organisatoren, die weder mit derartigen Großveranstaltungen vertraut noch in der Lage waren, auf Notsituationen zu reagieren."

Aus Sicht Lieberbergs war das Konzept eines einzigen Ein- und Ausgangs "eine Todesfalle". Sämtliche Grundlagen für Versammlungen seien missachtet worden. "Ein einziger Eingang über einen Tunnel ist nach der Gesetzeslage eigentlich überhaupt nicht zulassungsfähig. Aber offensichtlich wollten die Verantwortlichen der Stadt Duisburg die Veranstaltung um jeden Preis und haben deshalb offensichtlich über alle notwendigen Sicherheitserwägungen hinweggesehen."

Der Ordnungsdienst hätte die Besucherströme leiten müssen. "Nach meinem Eindruck hätten bei einem Event dieser Größenordnung mindestens 4000 bis 5000 Ordner im Einsatz sein müssen. Es kann sich tatsächlich nur um einen Bruchteil dieser Anzahl, vielleicht 1000, gehandelt haben." Außerdem müsse deren Professionalität entschieden angezweifelt werden. "Eher waren es wohl völlig unerfahrene Helfer, deren einzige Qualifikation im Tragen eines T-Shirts bestand."

Völlig gefehlt haben laut Lieberberg stabile Ein- und Auslassschleusen. Ein einziger Tunnel und Notausgänge über die Autobahn seien "von vorneherein ein Rezept für den Untergang" gewesen. "Bei Gefahr im Verzug muss der Veranstalter einschreiten, um auf bestimmte Situationen spontan zu reagieren. Natürlich setzt dies Kompetenz und Erfahrung voraus."

Überdies erinnerte Lieberberg daran, dass Polizisten bei Großveranstaltungen nicht als Ordner eingesetzt würden, sondern für Notfälle und die Regelung des Verkehrs bereitstünden. (dpa)

[10.31 Uhr] Trauernde attackierten Oberbürgermeister

Am Sonntag ist Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) von Trauernden körperlich angegriffen worden. Er wurde ausgebuht, beschimpft, ein Mann habe ihn mit Müll beworfen und am Jacket getroffen, berichtete die "Bild"-Zeitung am Montag. Leibwächter zogen ihn weg zu seinem Dienstwagen. Sauerland bestätigte den Angriff. "Das ist so. Das waren Menschen, die trauern, die ihren Emotionen freien Lauf gelassen haben und das verstehe ich." (dpa)

[10.13 Uhr] Noch keine Ermittlungen gegen Personen

Bislang richten sich die behördlichen Ermittlungen nicht gegen konkrete Personen. Die Staatsanwaltschaft Duisburg ermittle wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt, teilte deren Sprecher Rolf Haferkamp am Montag mit. Zunächst müssten Fotos und Videos ausgewertet sowie Zeugen gehört werden. Wann dies abgeschlossen sei, könne man derzeit noch nicht absehen. (ddp)

[10.03] Verletzte außer Lebensgefahr

Von den mehr als 340 bei dem Unglück verletzten Menschen befindet sich niemand mehr in Lebensgefahr. Dies sagte am Montag der Sprecher der Staatsanwaltschaft Duisburg, Rolf Haferkamp. Er wollte zunächst keine Angaben zu Berichten machen, wonach Unterlagen belegen sollen, dass massive Sicherheitslücken zu der Panik mit 19 Toten geführt haben. (AFP)

[9.46 Uhr] Trauerbeflaggung in NRW

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat Trauerbeflaggung für alle Dienstgebäude des Landes und der Gemeinden angeordnet. Das teilte das Innenministerium am Montag in Düsseldorf mit. Jäger betonte: "Damit geben wir unserer tiefempfundenen Trauer und Verbundenheit mit den Angehörigen und Freunden der Opfer Ausdruck." (ddp)

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