[Donnerstag, 0 Uhr] Kraft: Sauerland wird sich Verantwortung stellen müssen
Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat dem Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland indirekt den Rücktritt nahe gelegt. "Der Duisburger Oberbürgermeister und die Verantwortlichen in der Stadtspitze werden sich letztendlich der politischen Verantwortung stellen müssen", sagte Kraft der "Rheinischen Post" (Donnerstagausgabe). Sie habe den Eindruck, dass Sauerland glaube, er würde Schuld eingestehen, wenn er die politische Verantwortung übernähme. "Diesen Zusammenhang gibt es aber nicht", sagte die Landeschefin. Sein Fehlen bei der Trauerfeier hält sie indessen für nachvollziehbar.
Der Oberbürgermeister und seine Familie seien bedroht worden. "Wir sollten in Ruhe und Würde die Trauerfeier für die jungen Menschen begehen", sagte Kraft. Zugleich präzisierte die NRW-Ministerpräsidentin ihr künftiges Vorgehen bei Veranstaltungen dieser Größenordnung. "Wir werden den Städten intensive Beratung und Unterstützung in Sicherheitsfragen geben müssen, die wenig Erfahrungen mit sehr großen Veranstaltungen haben." Um bundeseinheitliche Regeln zu gewährleisten, werde die Landesregierung ein neues Sicherheitskonzept in die Innenministerkonferenz einbringen. (ddp)
[Mittwoch, abends] Trauermarsch durch Duisburger Tunnel
Mehrere hundert Fußballfans sind in Duisburg zu einem Trauermarsch von der Unglücksstelle zum Stadion des MSV Duisburg gestartet. An der Spitze des Trauerzugs trugen Teilnehmer ein großes Transparent mit den Worten "Wir MSV-Fans trauern um 21 Menschen, die nur feiern wollten".
8 der 21 Todesopfer im Alter zwischen 20 und 40 Jahren stammten aus Australien, den Niederlanden, Italien, Bosnien-Herzegowina und Spanien. Ihnen zu Ehren trugen Teilnehmer des Trauermarsches die Fahnen ihrer Nationen.
Auch die Mannschaften des MSV und die des VfL Bochum gedachten vor ihrem Freundschaftsspiel der Opfern. "Wir sind tief traurig, unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Toten, denen wir unser Beileid und Mitgefühl aussprechen", sagte MSV-Kapitän Ivica Grlic vor dem Spiel. Das Match wurde in aller Stille ausgetragen. Auf ein Rahmenprogramm, Musik und die Durchsage der Torschützen wurde verzichtet. Die Teams liefen mit Trauerflor auf.
In Münster haben Familie und Freunde in aller Stille Abschied von drei getöteten Studentinnen genommen. Sie gedachten am Mittwoch der spanischen Austausch-Studentinnen Marta (21) und Clara (22) sowie der 23 Jahre alte Gelsenkirchenerin Fenja. Alle drei hatten in Münster studiert. An diesem Freitag soll es zudem in Greven einen Gedenkgottesdienst für die 20-jährige Vanessa aus dem Ort geben. Die offizielle Gedenkfeier für die Opfer der Tragödie mit 21 Toten und mehr als 500 Verletzten ist für Samstag in Duisburg geplant. (dpa)
[15.00 Uhr] Minister greift Stadt und Organisatoren der Love Parade an - Polizei legt Fehlerbericht über den Veranstalter vor
Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat auf einer Pressekonferenz zur Love-Parade-Katastrophe die Stadt Duisburg und den Veranstalter Lopavent kritisiert. Er verwahrte sich dagegen, dass diese der Polizei die Schuld an dem Desaster gegeben haben (siehe Meldungen unten) - und verwies darauf, dass der Veranstalter dafür verantwortlich sei, was auf dem Festivalgelände passiere, also auch auf der Rampe, wo die Vorgänge eskalierten. Nur für die Vorgänge außerhalb sei die Polizei zuständig. Erst als die Situation "außer Kontrolle" geraten sei, habe Lopavent die Polizei in Duisburg um Hilfe gebeten. Was die Rolle der Stadtverwaltung betrifft, sagte Jäger, das Sicherheitskonzept sei erst am Samstagmorgen der Polizei vorgelegt worden. Die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Verwaltung stelle er sich anders vor.
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Der Veranstalter habe den Zulauf im Tunnel nicht unter Kontrolle gehabt und im Gegenteil noch erhöht. Um 17.02 Uhr seien der Polizei die ersten Opfer gemeldet worden. In dem engen Bereich an der kleinen Treppe, die an einer Seite der Rampe stand, habe sich der Druck stark erhöht. Umgestürzte Gitter seien zur Stolperfalle geworden. Den Tränen nahe, sagte Wehe, die 14 unmittelbar auf dem Festivalgelände Getöteten seien in dem Bereich gestorben. Die Menschen seien zerquetscht worden und erstickt. Im Tunnel habe es keine Toten gegeben.
[12.44 Uhr] Duisburger SPD-Stadtratsfraktion fühlte sich von OB ignoriert
Bei den Vorbereitungen zur Love Parade in Duisburg fühlte sich die SPD-Stadtratsfraktion schlecht informiert. "Es gab zum Beispiel Fragen zur Finanzierung der Veranstaltung", sagte Uwe Linsen, Geschäftsführer der SPD-Ratsfraktion, am Mittwoch. Diese seien aber ignoriert worden. "Wir mussten extra eine Sondersitzung einberufen, sonst hätten wir darauf gar keine Antwort erhalten", sagte er. So sei bei ihm der Eindruck entstanden, dass eine offene Diskussion über die Veranstaltung von Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) nicht gewünscht gewesen sei.
[12.17 Uhr] Bischof und Präses leiten Gedenkgottesdienst
Den Gedenkgottesdienst für die Toten bei der Love Parade werden der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, leiten. Das teilte das Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland am Mittwoch in Düsseldorf mit.
Der ökumenische Gottesdienst soll am Samstag um 11 Uhr in der Duisburger Salvatorkirche stattfinden. Das evangelische Gotteshaus ist die alte gotische Stadtkirche und liegt im Zentrum. An der Trauerfeier werden auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teilnehmen. Die Zeremonie soll rund eine Stunde dauern und auf Großleinwänden übertragen werden. (dpa)
[11.30 Uhr] Große Resonanz auf Kondolenzbuch an der Unglückstelle
Bislang haben sich rund 1300 Menschen in das inoffizielle Kondolenzbuch an der Unglücksstelle der Duisburger Love Parade eingetragen. Aufgrund der großen Resonanz solle das Buch noch bis Freitag ausgelegt bleiben, sagte am Mittwoch Michael Willhardt vom Verein Zukunftsstadtteil Duisburg-Hochfeld. Ursprünglich sollte das Buch in der Nacht zum Mittwoch geschlossen werden. Stattdessen musste ein zweites Exemplar ausgelegt werden, weil die Kapazität des ersten Buches nicht ausreichte.
Willhardt wünschte sich, dass ein Teil der Einträge bei der ökumenischen Gedenkfeier für die Opfer am Samstag vorgetragen werde. Das im Rathaus ausgelegte Kondolenzbuch der Stadt fand bislang eher wenig Resonanz. (ddp)
[10.19 Uhr] Weiteres Love-Parade-Opfer gestorben
Die Zahl der Todesopfer nach der Massenpanik bei der Duisburger Love Parade hat sich auf 21 erhöht. In der Nacht zum Mittwoch sei eine 25 Jahre alte Frau aus Heiligenhaus bei Essen im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen, sagte der Duisburger Staatsanwalt Rolf Haverkamp. Die Todesursache werde derzeit noch untersucht. Damit hat die Massenpanik inzwischen 13 Frauen und acht Männer das Leben gekostet. Über 500 Menschen wurden verletzt. (dpa/apn)
Hinweis der Redaktion: In einer früheren Fassung der obigen Meldung hieß es, die Frau sei in Essen verstorben. Dies ist nicht der Fall. Wir bitten um Entschuldigung.
[10.15 Uhr] Bericht des NRW-Innenministeriums wird erwartet
Vier Tage nach der Katastrophe bei der Love Parade in Duisburg wird der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) über Ermittlungsdetails berichten. Die Pressekonferenz sollte um 15 Uhr in Düsseldorf beginnen.
Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" weist die vorläufige Untersuchung des Ministeriums den Veranstaltern um Rainer Schaller große Verantwortung für das Unglück zu. Schaller ist Gründer und Geschäftsführer von Lopavent, die das Raver-Fest organisierte. Wie die "SZ" berichtet, soll sich Lopavent mehrfach über Bedenken der Behörden hinweggesetzt haben. Die Firma habe völlig falsch berechnet, wie sich die Besucherströme auf dem Gelände verteilen. (dpa)
[Mittwoch, 9.16 Uhr] Ministerium verbietet Techno-Tunnelparty in Rostock
Als Konsequenz aus dem Unglück bei der Love Parade in Duisburg ist in Rostock eine Techno-Tunnelparty verboten worden. "Wir lassen die vor einer Woche erteilte Genehmigung für die Veranstaltung im Warnowtunnel widerrufen", sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums von Mecklenburg-Vorpommern am Mittwoch. Er bestätigte damit einen Bericht der Rostocker "Ostsee-Zeitung". Sollten die Veranstalter rechtlich dagegen vorgehen, müssten sie ein neues Sicherheitskonzept vorlegen, sagte der Sprecher.
In dem rund 800 Meter langen Tunnel unter dem Fluss Warnow hatten im Vorjahr mehrere Tausend Besucher gefeiert, einige sollen statt über Fußwege auch über die Autobahn 19 zu dem Tunnel gelaufen sein. Laut Zeitungsbericht hatte die Rostocker Polizei bereits vor den Geschehnissen in Duisburg Sicherheitsbedenken geäußert. Das zuständige Straßenbauamt Schwerin hatte am 21. Juli dennoch die Genehmigung für die für September geplante Feier erteilt. (dpa)
[Dienstag, 20.45 Uhr] Oberbürgermeister will seine Unschuld beweisen
Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland denkt trotz des zunehmenden Drucks nach der Loveparade-Katastrophe nicht an Rücktritt. Wenn er für die Tragödie die Verantwortung übernähme, würde er für den Rest seines Lebens für 20 Tote verantwortlich gemacht, sagte er im Gespräch mit den Zeitungen der "WAZ"-Mediengruppe. Das wäre das quasi wie ein Eingeständnis, den Tod der 20 verursacht zu haben - aber "ich muss das durchhalten". Er werde nachweisen, keine Fehler begangen zu haben.
Sauerland machte wie vor ihm Love-Parade-Veranstalter Lopavent ein Fehlverhalten der Polizei für die Katastrophe am Tunnel verantwortlich. Veranstalter Rainer Schaller hatte am Montag gesagt, die Katastrophe bei der könnte durch eine verhängnisvolle Anweisung der Polizei ausgelöst worden sein: "Die Einsatzleitung der Polizei hat die Anweisung gegeben, alle Schleusen vor dem westlichen Tunneleingang an der Düsseldorfer Straße zu öffnen." Warum, wisse er nicht. Die Veranstalter hätten eigentlich 10 der 16 Schleusen geschlossen gehalten, weil eine Überfüllung drohte. Wegen der Polizeianweisung sei der Hauptstrom der Besucher dann unkontrolliert in den Tunnel gekommen.
[19.45 Uhr] NRW-Innenminister: Zu wenige Ordner am Tunnel
Das nordrhein-westfälische Innenministerium wirft dem Veranstalter der Loveparade vor, weniger eigene Ordnungskräfte eingesetzt zu haben als angekündigt. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (Mittwochausgabe). Demnach hat Innenminister Ralf Jäger (SPD) dem Kabinett mitgeteilt, der Veranstalter habe in seinem Sicherheitskonzept 150 Ordner für den Bereich der Rampe und der Zugangstunnel versprochen. Tatsächlich seien dann aber offenbar deutlich weniger Ordner eingesetzt worden, sagte Jäger laut "SZ". Außerdem habe der Veranstalter Vorschläge ignoriert, im Zugangsbereich eine Videoüberwachung zu installieren.
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