TV-Interview Dylan Farrow bekräftigt Vorwürfe gegen Woody Allen 

In einem Interview hat Dylan Farrow ihre Anschuldigungen gegen Woody Allen wiederholt. Die Missbrauchsvorwürfe stehen schon mehr als zwei Jahrzehnte im Raum - der Regisseur bestreitet sie weiterhin.

Dylan Farrow während eines Interviews für die amerikanische Fernsehsendung "CBS This Morning".
DPA/ CBS

Dylan Farrow während eines Interviews für die amerikanische Fernsehsendung "CBS This Morning".


"Woody Allen führte mich auf einen Dachboden, weg von den Babysittern, denen gesagt worden war, mich niemals mit ihm allein zu lassen. Dann missbrauchte er mich." Diese Worte schrieb Dylan Farrow vor rund einem Monat in der "Los Angeles Times". In einem Interview in der amerikanischen Fernsehsendung "CBS This Morning"hat Farrow, 32, ihre Vorwürfe nun bekräftigt.

Sieben Jahre sei sie alt gewesen, als ihr Adoptivvater sie an ihren Schamlippen und der Vulva berührt habe, so Farrow. Zuvor habe er sie angewiesen, sich auf den Bauch zu legen und mit der Spielzeugbahn ihres Bruders zu spielen. Grundsätzlich sei Allens Verhalten ihr gegenüber unangebracht gewesen. Er habe sie als Kind häufig angefasst, sei in Unterwäsche mit ihr ins Bett gestiegen. Wegen dieses Benehmens soll sich Allen während der Zeit des angeblichen Missbrauchs in Therapie befunden haben.

Die Vorwürfe stehen bereits seit den Neunzigerjahren im Raum: Damals hatte Dylan Farrows Adoptivmutter und Ex-Freundin von Woody Allen, Mia Farrow, die Anschuldigungen erhoben. Untersuchungen der New Yorker Kinderfürsorge und des Yale New Haven Hospital Reports kamen aber zu dem Ergebnis, dass kein Kindesmissbrauch stattgefunden habe. Ein Staatsanwalt stellte die Ergebnisse jedoch infrage, wollte der damals Siebenjährigen aber laut CBS keinen anstrengenden Prozess zumuten. 1992 verlor Allen in einem Prozess das Sorgerecht für seine Tochter.

Anfang der Neunziger erklärte Woody Allen in einem öffentlichen Statement, dass er in eine andere, erwachsene Adoptivtochter von Mia Farrow, Soon-Yi Farrow Previn, heute Previn, verliebt sei. Die damals beinahe 20 Jahre alte Previn und der 35 Jahre ältere Allen gingen eine Beziehung ein und sind bis heute verheiratet.

Die Missbrauchsvorwürfe bestritt der US-Regisseur von Anfang an und warf seiner Ex-Partnerin vor, seine Adoptivtochter Dylan und ihren Bruder Ronan Farrow, Allens leibliches Kind, gegen ihn aufzuwiegeln. Ronan Farrow, der mittlerweile als Journalist arbeitet, unterstützt die Aussagen seiner Schwester seit Jahren.

Auf Farrows Text in der "Los Angeles Times" hatte Woody Allen auch auf Nachfrage nicht reagiert. Nach dem Video-Interview sagte der Filmemacher, dass die Farrow-Familie nun die "Time's Up"-Bewegung nutze, um ihre Vorwürfe zu wiederholen. Er nannte diese Vorgehensweise "zynisch" und fügte hinzu: "Das macht es kein bisschen wahrer, als es damals war. Ich habe meine Tochter niemals missbraucht."

"Time's Up" ist eine Bewegung, die sich gegen sexuelle Belästigung und Ungleichheit am Arbeitsplatz richtet. Sie erlangte im Zuge der #MeToo-Debatte wieder Aufmerksamkeit. Die Debatte kam auf, als Missbrauchsvorwürfe gegen den Hollywoodproduzenten Harvey Weinstein laut wurden. Daraufhin wurden Anschuldigungen gegen eine Reihe von berühmten und mächtigen Männern vorgebracht.

Farrow bestreitet nicht, dass sie die Medienaufmerksamkeit auch wegen der Debatte gesucht hat. Der Titel ihres Artikel in der "Los Angeles Times" lautet: "Warum hat die #MeToo-Debatte Woody Allen verschont?"

Seit Erscheinen des Artikels haben sich mehrere bekannte Persönlichkeiten gegen eine zukünftige Zusammenarbeit mit dem Regisseur ausgesprochen. Zuletzt erklärte Colin Firth gegenüber dem "Guardian", dass er "nicht mehr mit ihm arbeiten würde".

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