Ein Tag im Karneval: Bütze, fiere, danze

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Vier, fünf Stunden tanzen - kein Problem, außer es ist eiskalt und regnet. Wahre Narren kann das nicht schrecken. Die Gruppe, die SPIEGEL ONLINE durch den Karneval begleitete, freut sich trotzdem auf eine Pause. Und danach auf die "Disse".

Ein Tag im Karneval: Wenn nichts mehr geht, ist Halbzeit Fotos
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Siegburg - Katie weint, als ich sie wiederfinde. "Irgend so ein Besoffener hat mir was Hochprozentiges ins Auge geschüttet." Jetzt hat sie zwar was im Auge, nicht aber im übertragenen Sinn: Sie hat die letzten Stunden tanzend überstanden, ohne dem Alkohol zu sehr zuzusprechen. Entgegen gängiger Vorurteile stehen alle unsere Kids noch senkrecht.

Viele sehen Karneval als reines Sauf-Event, und ganz falsch ist das natürlich nicht: Es wird viel, von manchen sogar viel zu viel getrunken. Das gilt gerade bei den Straßen-Events wie im heutigen Weiberkarneval, wo man Getränke mitbringen kann - in den Clubs und Kneipen wird es später richtig teuer, das bremst. Draußen treffen Menschenmassen und tanzbare Musik auf Witterungsverhältnisse, die einem schottischen Extrem-Sportevent würdig wären. Wer nach den letzten vier, fünf Stunden noch dabei ist auf Siegburgs Markt, ist eiskalt durchgefroren und patschnass, wie man so sagt. Und viele sind schicker - also mehr oder minder deutlich angetrunken. Unter dem Strich aber hält sich das in Grenzen.

Es sind noch ein paar Tausend, obwohl sich der Platz nun an den Rändern zu leeren beginnt. Die Ordnungskräfte sind noch immer ganz relaxed, alles ist sehr fröhlich und friedlich über die Bühne gegangen. Größere Ausfälle gab es offenbar nicht, sobald bisher bekannt ist. Ein Aufreger ist so ein Jugend-Event im Karneval natürlich trotzdem. Man kann weder die Schnapsleichen wegreden, noch den Müll, den so etwas hinterlässt. Aber das gilt natürlich auch - und teils in weit höherem Maß - für all die "erwachsenen" Events, die das Rheinland in diesen Tagen erlebt.

Für heute hat die Stadt es überstanden. Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei: Bald wird es dunkel, bald hört die Musik von der Bühne auf. Schnell verläuft sich die Masse, geht essen, sich aufwärmen - bevor es weiter geht.

Auch unsere Gruppe zeigt Auflösungserscheinungen. Einige sind nicht wieder zu finden in der Menge, die Kerngruppe um die drei Leopardinnen lässt aber nicht locker: Sie tanzen mittendrin, fünfzehn Meter vor der Bühne. Nicht im dicksten Getümmel, aber da, wo es noch richtig lebendig ist. Klatschnass sind sie alle, der Lack ist ab, könnte man sagen. Und eigentlich wollen sie inzwischen weg, es reicht ihnen - fürs Erste: "Wir gehen bald".

Und zwar zu Marco, weil der nahe der Stadtmitte wohnt, um zu trocknen und zu chillen. Vorbei ist dieser Karnevalstag damit aber noch lange nicht, im Gegenteil. Schon ab 16, 17 Uhr haben die Nachtclubs heute auf, die Party wird sich dorthin verlegen. Unsere Gruppe wird nicht beim ersten Schwung dabei sein. Ist ja nichts Schlechtes, wenn man erst kommt, wenn die Jüngsten gehen. Wie lange es dann noch geht, hängt davon ab, wie sich die Stimmung entwickelt.

Der Feier-Marathon hat nun offiziell begonnen. Wir halten da nicht mehr mit.

Lesen Sie in Teil I, wie der Tag der Karnevalsgruppe begann: Kaffee, Tee, Kölsch.

Lesen Sie in Teil II, was die Karnevalisten an ihrer ersten Feier-Etappe erlebten: "Kölsche Mädsche bütze joot".

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