Ein Tag im Karneval: "Kölsche Mädsche bütze joot"

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Nieselregen, 2,5 Grad Celsius, laute Karnevalsmusik und 7000 jugendliche Jecke - was braucht man mehr? Unsere elf Karnevalisten sind am ersten Etappenziel angekommen. SPIEGEL ONLINE begleitet die Gruppe auf ihrem Weg durch einen sehr, sehr langen Feier-Tag.

Siegburg - Seit zwei, drei Jahren, sagt die Polizeibeamtin in der mobilen Wache am unteren Ende des Siegburger Marktplatzes, kommen die Jugendlichen per Zug aus Köln und Bonn, um hier Altweiber zu feiern. Geplant hat das keiner, es hat sich so ergeben. Angefangen hat es, als die Schüler der Siegburger Gymnasien damit begannen, sich oberhalb der traditionellen Bierwagen zu versammeln. Eine Bühne, eine kleine Feier hatte es hier immer gegeben. Und dann wurden es irgendwann immer mehr.

Was heute passiert, kann man nicht mehr klein nennen. Der Platz ist weiträumig abgesperrt, um Glas draußen zu halten. 7000 jugendliche Jecke erwartet die Polizei. Mehr wäre eine Überraschung, viel weniger aber auch.

Das ist so im Karneval. Er geht durch Phasen, in denen bestimmte Orte an bestimmten Tagen sehr angesagt sein können. Vor einem Jahrzehnt war das zu Altweiber der Chlodwigsplatz in Köln, wo sich Trommlercorps oft bis tief in die Nacht hinein heiße Samba-Duelle lieferten. Das hatte mehr mit Karneval in Rio als in Köln gemein, erstickte aber irgendwann an der eigenen, zu großen Popularität. Als es aufhörte, ein Insidertipp zu sein, ging es in der Masse unter.

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Ein Tag im Karneval: "Kölsche Mädsche bütze joot"
Der junge Karneval ging daraufhin nach Beuel, inzwischen nach Siegburg. Für unsere elfköpfige Feiergruppe ist das eine uralte Tradition, für sie gehörte es immer dazu. Jetzt sind sie Anfang Zwanzig, sie werden jedes Jahr zu Altweiber hierherkommen und sich immer am gleichen Punkt in der Menge treffen, halbrechts vor der Bühne, bis sie Mitte, Ende Zwanzig sein werden. Dann werden die ersten fehlen, weil Studium und Beruf sie irgendwohin geweht haben.

Heute fehlt keiner, im Gegenteil. Immer wieder fallen sich die Mädchen laut kreischend in die Arme, wenn sie alte Freunde, ehemalige Mitschüler entdecken, die für den Tag hierher zurückgekommen sind. Es ist kurz nach 12 Uhr, und die auf vielleicht 5000 Kopf angewachsene Menge beginnt im Takt der Musik zu wogen. "Jetzt geht's los, mit ganz großen Schritten" tönt es brüllend aus den Lautsprechern an der Bühne. "Viva Colonia" und "Kölsche Mädsche bütze joot". Die Menge tanzt.

Das alles schmeckt nicht jedem in der Stadt. Der massive Jugend-Auflauf irritiert so manchen, denn natürlich wird auch viel zu viel getrunken. Die Ordnungskräfte sind trotzdem zufrieden. Es ist zwar laut, "aber friedlich", sagt einer: "Die benehmen sich doch jot."

Überall bewegen sich Gruppen von Polizisten, die absichern, wo im Augenblick noch nichts zu sichern ist. Das muss nicht so bleiben: In Köln gab es im letzten Jahr rekordverdächtig viele Schlägereien und Verletzte. So was will man hier verhindern. Wie viele Beamte vor Ort sind, frage ich eine Beamtin des Ordnungsamts. Die Antwort: "Keine Ahnung. Ich glaub, wir sind alle hier."

Es fällt kaum auf, die Stimmung ist heiter, wenn es nun auch immer lauter wird. Was in der Region zwischen 16 und 22 Jahre jung ist und Lust hat zu feiern, ist inzwischen auf der Straße. Die nächsten Stunden werden sie im Regen tanzen.

Lesen Sie hier, wie der Tag der Karnevalsgruppe begann: Kaffee, Tee, Kölsch.

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