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Protestanten in Deutschland: Studie konstatiert wachsende Polarisierung

EKD-Ratsvorsitzender Schneider: "Teilweise ermutigende Ergebnisse" Zur Großansicht
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EKD-Ratsvorsitzender Schneider: "Teilweise ermutigende Ergebnisse"

Was erwarten Deutschlands Protestanten von ihrer Glaubensgemeinschaft? Die Evangelische Kirche in Deutschland hat ihre Mitglieder befragt, wie sie es mit der Religion halten. Das Fazit: Es gibt einen wachsenden Kern von Überzeugten, aber auch mehr Gleichgültige.

Berlin - Unter den evangelischen Christen in Deutschland zeichnet sich eine wachsende Kluft im Verhältnis zu Kirche und Religion ab. Immer mehr Protestanten gehen auf Distanz zu ihrer Kirche - zugleich steigt aber auch der Anteil derjenigen mit enger kirchlicher Bindung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Der Anteil einer mittleren Gruppe, die sich der Kirche "zumindest etwas verbunden" fühlt und ab und zu in den Gottesdienst geht, sinkt. Mit 25 Prozent hat sie den niedrigsten Stand seit 1992 (33 Prozent) erreicht. "Es gibt eine Tendenz zur stärkeren Polarisierung, die Mitte schmilzt ab", sagte Oberkirchenrat Konrad Merzyn, der die Studie betreut hat.

Seit 1973 befragt die EKD etwa alle zehn Jahre ihre Mitglieder. Für die fünfte Erhebung zur Kirchenmitgliedschaft waren zwischen Oktober und Dezember 2012 rund 3000 Menschen kontaktiert worden. Anders als die jüngste Umfrage der katholischen Kirche, die vor allem die Haltung zur kirchlichen Lehre thematisierte, wollte die EKD mehr über das Kirchenbild ihrer Mitglieder und ihr Verhältnis zu den Geistlichen wissen.

"Ich brauche keine Religion fürs Leben"

Das Fazit der Studie unter dem Titel "Engagement und Indifferenz": Die meisten von Deutschlands rund 23,6 Millionen evangelischen Christen halten ihren Kirchen die Treue. Insgesamt fühlten sich 43 Prozent der Kirche sehr oder ziemlich verbunden, vor 20 Jahren waren es 40 Prozent. Kaum oder überhaupt nicht verbunden sehen sich 32 Prozent - fünf Prozentpunkte mehr als 1992.

Die Vermittlung von Religion werde zunehmend schwerer, heißt es in der Studie. Vor allem immer mehr Jüngere erklärten, nicht religiös erzogen zu sein. Auch die Zahl der Konfessionslosen nehme zu.

Diese Gleichgültigkeit gegenüber Religion spiegelt sich auch beim Kirchenaustritt wieder. Vor zehn Jahren wurde der Schritt meistens mit der Kirchensteuer begründet. Heute dominieren Haltungen wie "die Kirche ist unglaubwürdig" oder "Ich brauche keine Religion fürs Leben". Für die meisten Kirchenmitglieder kommt ein Austritt indes nicht in Frage. Das sagen fast drei Viertel der Befragten.

Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider sprach von teilweise ermutigenden Ergebnissen. Eine große Stärke der Landeskirchen sei es, dass auch Menschen ohne Zugang zu religiöser Praxis respektiert würden und einen eigenen Weg gehen könnten.

wit/dpa

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Unterschiede
tatsache2011 06.03.2014
> Das ist der Unterschied: Die Bevormundung der Bürger und theologische Rechthaberei gibt es in der evangelischen Kirche nicht.
2.
Red Herring 06.03.2014
Zitat von sysopDPAWas erwarten Deutschlands Protestanten von ihrer Glaubensgemeinschaft? Die Evangelische Kirche in Deutschland hat ihre Mitglieder befragt, wie sie es mit der Religion halten. Das Fazit: Es gibt einen wachsenden Kern von Überzeugten, aber auch mehr Gleichgültige. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/ekd-studie-evangelische-christen-zunehmend-gespalten-a-957323.html
Erscheint mir logisch. Religion kann keine Selbstverständlichkeit mehr beanspruchen. Wer früher aus Opportunismus zur Kirche ging kann ihr heute ebenso opportunistisch fern bleiben - oder einfach deshalb, weil es ein sinnloser Aufwand ist. Da religiöse Lehren ohne kindliche "Früherziehung" und gesellschaftliche Förderung seltsam und unglaubwürdig erscheinen wendet man sich ab - früher war das nicht möglich, Religiosität wurde erwartet. Deshalb bricht die Mitte weg, die Mitläufer. Und wer gegen Religion ist kann das heute ganz offen leben. Interessant ist der harte Kern, der offenbar immer härter wird. Bei den Evangelen kann man das sicher nicht als "Radikalisierung" bezeichnen, aber bei anderen Glaubensrichtungen schon. Das lässt sich auch ganz allgemein bei rückwärts gewandten Ideologien feststellen, die im Widerstand gegen die Moderne und die liberale Gesellschaft enger zusammenrücken und dabei ständig lauter werden. Ach ja, die gute alte Zeit...
3. Die Zahlen
widower+2 06.03.2014
Zitat von sysopDPAWas erwarten Deutschlands Protestanten von ihrer Glaubensgemeinschaft? Die Evangelische Kirche in Deutschland hat ihre Mitglieder befragt, wie sie es mit der Religion halten. Das Fazit: Es gibt einen wachsenden Kern von Überzeugten, aber auch mehr Gleichgültige. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/ekd-studie-evangelische-christen-zunehmend-gespalten-a-957323.html
Die genannten Zahlen sind eigentlich schon eine Verdrehung der Tatsachen. In diesen 23,6 Millionen sind zum Beispiel auch alle evangelisch getauften Babys und nicht religionsmündigen Kinder enthalten. Da diese sich noch nicht dagegen wehren können, für eine Ideologie (jede Religion ist eine Ideologoie) vereinnahmt zu werden, sollte man sie eigentlich aus den genannten Zahlen rausrechnen.
4. Unglaubwürdige Institution
spiegelfrauchen 06.03.2014
Ich bin ausgetreten , weil ich unhaltbare Zustände erlebt habe. Die evangelische Kirche hat sich ja auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert , als letztes Jahr die schrecklichen Missbrauchsfälle in einer Hamburger Kita aufgedeckt wurden.
5. diese Kirchen egal ob katholisch und egal ob evangelisch
Heike111 06.03.2014
sind für mich das untreueste in Bezug auf Gott. Denn es geht ihnen nicht um Gott. Es geht ihnen, und ging ihnen zu jederzeit darum, zu behaupten man müsse zu ihnen gehören um zu Gott zu finden. Es nervt mich schon in der Vorstellung, dass eine Instutition festlegen will, wer Gottes Nähe haben soll und darf und erfahren wird. Ich finde diesen Gedanken nicht nur beinahe seltsam, sondern absolut anmassend, dass die Kirche es bestimmen will, wer überhaupt Gemeinschaft mit Gott haben wird. Es ist anmassend zu sagen, alle die in einer Kirche sind finden zu Gott. Beide Kirchen lehren so. Die Katholische seit jeher mehr, aber die evangelische nicht minder, denn sie tun so als machte es Gott selbst zur Bedingung dass Menschen in Kirchen sein müssen. Dem ist nicht so, und bevor sich beide Kirchen nicht hinstellen und zugeben, Gott selbst wählt aus wer zu ihm kommt und findet, werden die Menschen sich abwenden. Denn wir sind keine Narren und erkennen was Kirchen beabsichtigen. Sie beabsichtigen sich hinzustellen als sind sie heilig. Sind sie nicht, denn heilig ist einer, und das ist Gott selbst. Er wählt wer in seiner Nähe sein wird, und sonst gar niemand und gar keiner.
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