Britischer Supreme Court Eine unglückliche Ehe ist kein Grund für eine Scheidung

Nach 40 Jahren Ehe will sich eine Frau von ihrem Mann trennen. Vor Großbritanniens Oberstem Gericht ist sie damit gescheitert: Sie muss noch bis zum Jahr 2020 verheiratet bleiben.

Supreme Court in London (Archivfoto)
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Supreme Court in London (Archivfoto)


Der Oberste Gerichtshof in Großbritannien hat entschieden, dass sich eine 68-Jährige nicht scheiden lassen darf. Die Frau wollte sich von ihrem Partner trennen, weil sie unglücklich sei, berichtet "BBC". Das Gericht wies das als Scheidungsgrund zurück.

In England und Wales dürfen Ehen nur geschieden werden, wenn beide Partner zustimmen. Das trifft bei der Klägerin nicht zu: Ihr Mann will mit ihr zusammenbleiben.

In solchen Fällen dürfen Ehen laut "BBC" nur unter bestimmten Gründen geschieden werden, dazu gehören Seitensprünge oder unangemessenes Verhalten, wie es in dem Bericht heißt.

Außerdem kann die Scheidung vollzogen werden, wenn das Paar seit mindestens fünf Jahren getrennt lebt. Die Klägerin muss der "BBC" zufolge also bis 2020 mit ihrem Mann zusammen bleiben, da sie das gemeinsame Heim im Februar 2015 verlassen hat.

Der Fall hat die Debatte um eine Gesetzesreform angeheizt. Das aktuelle System führe zu unnötiger Feindschaft in einer ohnehin schwierigen Situation, teilte das Justizministerium mit. Man prüfe Änderungen.

"Sehr quälender Fall"

"BBC" zitiert eine Anwältin mit den Worten: "England und Wales liegen im Vergleich zu anderen Ländern weit zurück." Es gebe einen starken Drang nach Reformen. Eine an der Entscheidung beteiligte Richterin sprach von einem "sehr quälenden Fall". Doch es sei nicht die Aufgabe des Gerichts, Gesetze zu ändern.

Das Paar heiratete laut "Guardian" im Jahr 1978, hat zwei Kinder und lebt in Worcestershire, England. Die Klägerin sprach erstmals im Jahr 2012 mit Anwälten über eine Scheidung. Sie argumentierte vor Gericht, dass für ihren Mann die Arbeit wichtiger sei als die Beziehung, außerdem behandle er sie nicht mit der nötigen Liebe.

Ihr Mann wies das zurück. Obwohl die Beziehung "emotional nicht intensiv" sei, habe man gelernt, miteinander auszukommen.

jpz

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
cs01 26.07.2018
1.
In Deutschland wären es im gleichen Fall immerhim 3 Jahre. Auch in D müssen beide Partner zustimmen, dann kann nach 1 Jahr Trennung eine Scheidung vollzogen werden. Ansonsten braucht man auch eine außergewöhnliche Härte, sprich einen besonderen Scheidungsgrund.
womo88 26.07.2018
2. Als ob es bei uns viel besser wäre ...
Ich habe den Spaß schon mehrfach hinter mir. 1 Jahr warten ist normal, aber dann dauert es immer noch, weil sich das Familiengericht dann erst mit der Scheidung beschäftigt. Damals ging es dann schnell, weil die Antragsgegnerin schwanger geworden war. Beim 2. Mal hat es dann 3 Jahre gedauert. Deutsche Familiengerichte haben es nicht so eilig.
touri 26.07.2018
3.
Ihre Kritik wendet sich an dem falschen. Wie in dem Artikel schon steht muss das Gericht sein Urteil auf Grundlage der bestehenden Gesetze treffen. Und wenn diese keinen Spielraum bieten, dann hat das Gericht auch keinen. Sie müßten sich da eher in Richtung britisches Parlament wenden.
irgendwas 26.07.2018
4. Überraschung!
Wie der erste Kommentator bereits feststellte, ist dies in Deutschland nicht anders (nur ein wenig kürzer). Und wer jetzt erstaunt ist oder böse schimpfen möchte, der sollte sich vor der Ehe eben mal den Vertrag (= das Gesetz) durchlesen. Ich finde es richtig, dass der Gesetzgeber die Eheleute zwingt sich erst einmal wieder zusammen zu raufen. Andererseits frage ich mich auch, weshalb einem erst nach langer Ehe im alter von 68 Jahren einfällt, dass man plötzlich total Unglücklich in der Ehe ist und die sofortige Scheidung möchte. Das hätte der Dame ja auch 5 Jahre früher einfallen können. Übrigens sind Eheleute nicht verpflichtet zusammen zu wohnen. Wo ist also das Problem? Ich denke es geht hier eher entweder ums Geld oder um einen neuen Partner.
vitalik 26.07.2018
5.
Aha, woher kommt Ihre Erkenntnis? In der Natur gibt es mehrere Vogel und Tierarten, die eine lebenslange Partnerschaft eingehen. Manche Vogelarten gehen sogar soweit, dass falls der eine Partner stirbt, der verbleibende Partner für immer allein bleibt. Weiterhin gibt es die Eheähnlichen Partnerschaften bei Menschen schon seit Tausenden von Jahren. Wie man da von "gegen die Natur" sprechen kann, ist für mich nicht nachvollziehbar. Man könnte trotzdem über eine Trennung zwischen Sex und Partnerschaft diskutieren. Es gibt durchaus Beziehungen in denen wechselnde Sexpartner nicht das Aus der Ehe bedeuten. Dies wird aber auch nicht in dem Gesetzt gefordert oder?
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