Entschädigung Katholische Kirche bietet Missbrauchsopfern bis zu 5000 Euro an

Es ist die Untergrenze der in Gerichtsurteilen üblichen Summen: Die katholische Kirche verspricht Opfern sexuellen Missbrauchs bis zu 5000 Euro Entschädigung - je nach Schwere des Falls. Damit preschten die Bischöfe am Runden Tisch in Berlin vor.

Bischof Ackermann: Keine Pauschallösung für alle Opfer gewollt
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Bischof Ackermann: Keine Pauschallösung für alle Opfer gewollt


Berlin/Bonn - Nun ist es offiziell: Die katholische Kirche plant, jedem minderjährigen Opfer sexuellen Missbrauchs bis zu 5000 Euro Entschädigung zu zahlen. In besonders schweren Fällen seien auch andere oder zusätzliche Leistungen möglich. So will sie bei akutem Bedarf Kosten für eine Psychotherapie oder Paarberatung übernehmen. Dieses Angebot legte die Bischofskonferenz bei den Beratungen des Runden Tischs der Bundesregierung am Mittwoch in Berlin vor. Außerdem soll es einen Präventionsfonds geben, der mit 500.000 Euro ausgestattet wird.

Wie der SPIEGEL bereits im September vergangenen Jahres berichtete, wollte die katholische Kirche Opfer nicht mit einem pauschalen Betrag entschädigen, sondern strebte individuelle Lösungen an, die sich an der Schwere eines Falls orientieren sollten. Vertreter von Opfern sexuellen Missbrauchs hatten einen pauschalen Betrag von rund 82.000 Euro gefordert, Gerichte verhängen üblicherweise Entschädigungen von 5000 bis 10.000 Euro je Opfer.

Die katholische Kirche unterbreitete das Angebot im Alleingang - ohne Regelungen aus der Arbeit des Runden Tischs abzuwarten, da diese "noch nicht absehbar" seien. Die Kirche sehe sich in der Pflicht, eine möglichst schnelle Hilfe anzubieten. Betroffene könnten sich ab dem 10. März mit Anträgen melden.

Runder Tisch schlägt Hilfsfonds vor

Die Arbeitsgruppe Justiz des Runden Tisches beriet am Mittwoch über mögliche Hilfen für Opfer. Es sei gemeinsame Verantwortung aller Träger, Hilfe zu leisten, sagte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Die Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs, Christine Bergmann, sprach sich für ein übergreifendes Hilfsmodell aus.

Der von Bergmann favorisierte Vorschlag sieht vor, dass sich alle Verantwortungsträger an einem Fonds beteiligen, der die Prüfung und Abwicklung der Ansprüche übernimmt. Insbesondere Opfer juristisch verjährter Fälle sowie Opfer familiären Missbrauchs sollen auf diese Weise Zugang zu Therapie und Beratung erhalten.

Anträge auf Entschädigung bei der katholischen Kirche können Personen stellen, "die geltend machen, als Minderjährige Opfer sexuellen Missbrauchs durch Kleriker, Ordensangehörige und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im kirchlichen Bereich geworden zu sein". Die Richtigkeit der Angaben sei schriftlich an Eides Staat zu erklären, weitergehende Belege oder Beweise würden nicht verlangt.

Täter sollen persönlich haften

Die Hilfen hätten das Ziel, "zur Heilung der Folgen sexuellen Missbrauchs" beizutragen, erklärte die Bischofskonferenz. Alle Leistungen seien freiwillig und erfolgten ohne Anerkennung einer Rechtspflicht. Die Entschädigung in Höhe einer Einmalzahlung von bis zu 5000 Euro soll nach dem Angebot der Bischofskonferenz vom Täter persönlich übernommen werden. Wenn der Täter nicht mehr belangt werden kann oder nicht freiwillig zahlt, soll ersatzweise die betroffene kirchliche Stelle einspringen.

Die Bischöfe hätten keine Pauschallösung für alle Opfer gewollt, erläuterte der Trierer Bischof und Missbrauchsbeauftragte Stephan Ackermann. Jeder Fall werde einzeln geprüft. Die Auszahlungen sollten möglichst schnell erfolgen und noch in der ersten Jahreshälfte anlaufen. Die Prüfung der Anträge soll eine zentrale Koordinierungsstelle übernehmen.

Das Angebot zur finanziellen Entschädigung bezieht sich auf Fälle, bei denen wegen Verjährung kein durchsetzbarer rechtlicher Anspruch mehr auf Schadensersatz und Schmerzensgeld besteht. Um Opfern, bei denen die Fälle noch nicht verjährt sind, einen Rechtsweg zu ersparen, sollen außergerichtliche Einigungen angestrebt werden.

Angaben über die zu erwartende Zahl an Anträgen kann die Bischofskonferenz noch nicht machen. Gerechnet wird mit "einigen Tausend" - es gebe aber noch keine genauen Opferzahlen. Dies liegt auch daran, dass noch keine einheitlichen Daten aus den einzelnen Bistümern vorliegen. Hierfür soll ein Raster erarbeitet werden, das auch datenschutzrechtlichen Bestimmungen genügt.

Opfer kritisieren Angebot

Opfervertreter haben sich empört über das Entschädigungsangebot der katholischen Kirche geäußert. "Es ist schäbig, wie die reichste Kirche der Welt versucht, sich aus der Affäre zu ziehen", sagte der Sprecher der Opfergruppe Eckiger Tisch, Matthias Katsch, der "Frankfurter Rundschau".

Die genannte Summe von bis zu 5000 Euro sei eine "Unverschämtheit". Es gehe offenbar nicht um die Frage, was für die Tat angemessen sei, sondern was sich die Kirche leisten wolle. "Die Täterorganisation legt selbst fest, was ihr die Angelegenheit wert ist."

wit/dpa/dapd



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insgesamt 88 Beiträge
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Gebetsmühle 02.03.2011
1. schämen
Zitat von sysopEs ist die Untergrenze der*in Gerichtsurteilen üblichen Summe: Die katholische Kirche*verspricht*Opfern sexuellen Missbrauchs*bis zu 5000 Euro Entschädigung*- je nach Schwere des Falls. Damit preschten die Bischöfe am Runden Tisch in Berlin vor. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,748671,00.html
ach? man geht in der frage der entschädigung für erlittenes leid maximal bis zur geringst möglichen untergrenze? meine güte, wie "christlich". schämen muss man sich für diese kirche.
obreot 02.03.2011
2. Schande
Eine zerbrochene Kinderseele kostet also 5000 Euro...bin einfach nur noch sprachlos....
dsch10 02.03.2011
3. 5000 Euro sind ein erneuter Missbrauch!!!
Über das Ausmaß der Kaltschnäuzigkeit bin ich doch immer wieder erstaunt. 5000,00 Euro für die Zerstörung eines Lebens! Und das im Namen der Religion der Liebe! Es ist eine Verhöhnung der Opfer und ein erneuter Missbrauch, dieses Mal durch Schreibtischtäter. Unter 150.000 Euro pro Opfer ist alles eine Unverschämtheit. sollen sie halt ein paar Brundstücke verkaufen, um die Entschädigungen zahlen zu können, sie haben ja genug davon. Der positive Aspekt: Die Priesterkaste schafft sich langsam aber sicher selbst ab. Dagmar Schön
nicfontaine 02.03.2011
4. Nächstenliebe
Bis zu 5000,00 € Entschädigung. Wahrlich ein Ausdruck der Nächstenliebe. Wann werden endlich die staatliche Privilegien für die Kirche abgeschafft? Die Kirche hat dies nicht verdient. Anspruch und Wirklichkeit fallen hier mal wieder weit auseinander. 5000,00 € bei möglicher lebenlanger Traumatisierung ist eine Beleidigung für die Opfer.
kwaj 02.03.2011
5. bescheidene frage
Zitat von nicfontaineBis zu 5000,00 € Entschädigung. Wahrlich ein Ausdruck der Nächstenliebe. Wann werden endlich die staatliche Privilegien für die Kirche abgeschafft? Die Kirche hat dies nicht verdient. Anspruch und Wirklichkeit fallen hier mal wieder weit auseinander. 5000,00 € bei möglicher lebenlanger Traumatisierung ist eine Beleidigung für die Opfer.
well, eine bescheidene frage..... was hat die politic in deutschland mit der gerechten entschaedigung fuer die opfer zu tun?..... hier in den staten ist das gericht dafuer zustaendig, und entscheidet angemessene zahlungen an die opfer der pfaffen.... ich weiss auch das viele taeter auch im knast sitzen, und mindestens schon 3 da (leider) umgebracht wurden. hier sind ein paar beispiele wie das hier geht.... http://www.americancatholic.org/news/clergysexabuse/ katolische kirche in Los Angeles musste 600 Millionen fuer 500 opfer bezaheln. http://www.mostholyfamilymonastery.com/22_SScandal.pdf und hier sind noch ein paar andere settlements fuer die opfer.... ABC NEWS, Sept. 9— The Boston Archdiocese and lawyers for victims of sex abuse by priests announced today that they reached a settlement of $85 million, the largest known payout in the child molestation scandal that has rocked the Roman Catholic Church. (ABCNews.com, Sept. 9, 2003) June 28, 2003 – “In one of the largest out-of-court settlements to abuse victims in the Catholic sex scandal, the Louisville Archdiocese in Kentucky announced that it will pay nearly $25.7 million to people who said they were sexually molested by priests and other employees of the church… William McMurry, who represented many of the plaintiffs, said that the archdiocese is using more than half of its liquid assets to pay the settlement.”3 On July 6, 2004, “Facing dozens of pending lawsuits accusing clergy of sexual abuse, the Archdiocese of Portland, Ore., files for bankruptcy. The Portland church has already paid more than $53 million to settle more than 130 abuse claims, and the archbishop says, ‘The pot of gold is pretty much empty right now.’”4 On Sept. 20, 2004, “The Roman Catholic Diocese of Tucson, Ariz., becomes the second in the nation to seek bankruptcy protection, in the wake of extensive and continuing legal action stemming from sexual abuse of children by parish priests.”5 On Sept. 24, 2004, “Bishop Thomas Dupre is indicted on child rape charges, becoming the first bishop to face charges in the church sex abuse scandal. Dupre was the head of the Springfield, Mass. diocese, but resigned in February after the allegations came to light.”6 On Dec. 2, 2004, “The Orange County diocese reaches a settlement with 87 victims of clergy abuse. Terms of the agreement are not disclosed, but a source tells the Associated Press the payout will be bigger than the record $85 million agreement with the Boston Archdiocese. The lawsuits allege sexual misconduct by 30 priests, 11 lay personnel and two nuns.” 7 The Diocese of Spokane, WA “filed for Chapter 11 bankruptcy protection in December 2004, listing more than $81 million in claims. The diocese sought bankruptcy protection in advance of court trials over claims of clergy sexual abuse.”8 In 2006, the Diocese of Spokane auctioned off its chancery to pay off sex abuse claims.9
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