Von Hasnain Kazim, Islamabad
Das Thema Vergewaltigung und sexuelle Gewalt bleibt in Indien in den Schlagzeilen. Nach der Vergewaltigung einer Studentin im Dezember in Neu-Delhi in einem Bus hat es angeblich einen ähnlichen Fall von Gewalt gegen eine Frau gegeben. Eine 29-Jährige aus dem nordindischen Bundesstaat Punjab wirft einer Gruppe von sieben Männern vor, sie in einem Bus vergewaltigt zu haben.
Die Frau, Mutter von zwei Kindern, erstattete am Wochenende Anzeige gegen einen Busfahrer, einen Schaffner und fünf weitere Männer. Ihren Aussagen zufolge sei sie am Freitag in dem Bus auf dem Weg vom Dorf ihrer Eltern unterwegs in ihr Heimatdorf gewesen, als der Fahrer sich weigerte, an der Haltestelle ihres Zielortes zu stoppen. Sie habe sich daraufhin beim Schaffner beschwert, aber der ignorierte sie.
Stattdessen seien die beiden in ein anderes Dorf, Gurdaspur, gefahren und haben sie schließlich per Motorrad in ein Haus gebracht, wo fünf weitere Männer hinzugekommen sein und sie vergewaltigt haben sollen, sagte der Polizist Raj Jeet Singh indischen Medien. Sie hätten sie die ganze Nacht misshandelt und erst am Samstagmorgen in ihr Dorf gebracht. Die Frau sei erst nach Hause gegangen und anschließend zur Polizei. Nach Angaben der Polizei sei sie in einem "psychisch instabilen" Zustand.
"Komplett unsensible Polizei" gibt Identität des Opfers preis
Fünf der sieben Männer wurden noch am Samstag festgenommen, zwei weitere werden derzeit gesucht. "Wir haben ein Spezialteam gebildet, das nach ihnen sucht", teilten die Sicherheitskräfte mit. Nach Angaben der Polizei soll ein medizinischer Test nun Klarheit über die Vorwürfe bringen. Bei ersten Befragungen der Beschuldigten habe einer die Tat schon gestanden.
Für Empörung sorgte, dass die Polizei die Identität der Frau preisgaben. Die "komplett unsensible Polizei von Punjab" habe den Namen während einer Pressekonferenz mitgeteilt, kritisierte die Tageszeitung "Times of India". Für Frauen in Südasien ist das ein Problem, da sie oft nicht als Opfer angesehen werden, sondern als Mittäter, die den sexuellen Akt ja herausgefordert hätten und sich nur stärker hätten wehren müssen. Viele Familien fühlen sich nach der Vergewaltigung eines Familienmitglieds in ihrer Ehre verletzt und fügen dem Opfer weiteres Leid zu.
Erst im Dezember hatte eine Gruppe von sechs Männern eine 23-jährige Frau in einem Bus vergewaltigt und sie und ihren Freund aus dem Bus geworfen. Die Frau erlag ihren Verletzungen zwei Wochen später in einem Krankenhaus in Singapur. Der Fall sorgte international für Aufmerksamkeit und für wochenlange Proteste in Indien.
Mutter von Vergewaltigungsopfer fordert Todesstrafe
Die Mutter der Toten fordert jetzt in der "Times of India" die Todesstrafe für alle sechs mutmaßlichen Täter - auch für jenen, der unter 18 Jahre als ist und daher nach Jugendstrafrecht verurteilt werden soll. Gerade der habe ihre Tochter "mit einer Eisenstange geschlagen und sie dann in ihren Körper gerammt. Als sie ihn anflehte, aufzuhören, schrie er: 'Stirb, du Hündin!' Und jetzt sieht das Recht in ihm einen Jugendlichen?"
Auch an diesem Wochenende protestieren Tausende Menschen in ganz Indien für einen besseren Schutz von Frauen. In der südindischen Metropole Bangalore kamen junge Männer in Röcken zusammen. Die Aktion kam spontan über das Internet zustande. In Mumbai demonstrierten Menschen, weil kürzlich ein 32-Jähriger ein erst sieben Jahre altes Mädchen vergewaltigt hatte. "Mädchen sind keine leblosen Puppen zum Spielen", stand auf den Transparenten.
Ein Vorwurf der Demonstranten richtet sich gegen die Polizei in Indien, die Vergewaltigungsvorwürfe von Frauen oft nicht ernst nimmt und die Frauen mit ihren Beschwerden abweist. Nicht selten kommt es sogar dazu, dass die Polizisten selbst die Opfer missbrauchen. Aus Angst werden viele Vergewaltigungen in Indien erst gar nicht zur Anzeige gebracht.
In Neu-Delhi, Hauptstadt Indiens und berüchtigt für die besonders hohe Zahl von Fällen sexueller Gewalt, soll als Reaktion nun der Anteil von Frauen in der Polizei erhöht werden. Auch die Sicherheitskräfte in der U-Bahn sollen in Zukunft zu 25 Prozent Frauen sein. Sheila Dikshit, Regierungschefin der Hauptstadt, nannte die anhaltenden Proteste einen "Weckruf" für die Politik. "Das macht mir Sorgen, ja. Es macht mir Sorgen, dass die Polizeikräfte nicht so sensibel und so reaktionsfähig sind, wie sie es sein sollten", sagte sie dem Fernsehsender CBS-IBN. "Und dass sie sich nicht so benehmen, wie sie es sollten."
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