US-Sportgala "Man kann die Starken nicht ewig zum Schweigen bringen"

Mehr als 140 Frauen auf einer Bühne - allesamt Sportlerinnen, alle Missbrauchsopfer eines Mannes: Bei der Sportgala ESPY Awards wurden sie für ihren Mut ausgezeichnet. Es war nicht der einzige emotionale Moment.

AFP

Das beste Team, der beste Moment, das beste Spiel: Bei der Vergabe des Preises ESPY geht es normalerweise um Sport. Bei der jüngsten Auflage in Los Angeles gab es zwar auch Ehrungen für herausragende sportliche Erfolge. Aber auch zwei Preisvergaben, deren Bedeutung weit über Leistungen auf dem Platz, im Becken oder auf der Piste hinausgeht.

Als der Preis in der Kategorie "Mut" vergeben wurde, standen mehr als 140 Frauen auf der Bühne, hielten sich an den Händen. Sie wurden ausgezeichnet, weil sie den Missbrauch durch Larry Nassar öffentlich gemacht hatten. Der Sportarzt von der Michigan State University hat sich an mehr als 300 Sportlerinnen, vor allem Turnerinnen, vergangen. Nassar wurde zu so langen Haftstrafen verurteilt, dass er nie wieder freikommen wird.

Stellvertretend für die Gruppe sprachen die Turnerinnen Aly Raisman und Sarah Klein sowie Softballspielerin Tiffany Thomas Lopez. Klein kritisierte das Olympische Komitee der USA, den US-Turnverband und die Universität dafür, Geld und Medaillen über die Sicherheit junger Athletinnen gestellt zu haben.

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ESPY Awards: Ehrung für Missbrauchsopfer

"Uns muss die Sicherheit von Kindern wichtiger sein als der Ruf von Erwachsenen", sagte Klein. "Wenn wir nur einer Person den Mut geben können, ihre Stimme zu nutzen, ist es das wert."

Raisman wiederholte die Jahre, in denen sich Mädchen und Frauen über Nassar beschwert hatten, während er Teamarzt des US-Turnverbandes und an der Michigan State University war. "1997. 1998. 1999. 2000. 2004. 2011. 2013. 2014. 2015. In all diesen Jahren wurde uns gesagt: 'Ihr liegt falsch, ihr habt etwas falsch verstanden'", sagte Raisman. "Zu lange wurden wir ignoriert. Es hätte vermieden werden können. Wir hätten nur einen Erwachsenen gebraucht, der die Integrität hat, zwischen uns und Larry Nassar zu stehen."

Lopez sagte, sie ermutige alle, die unter Missbrauch leiden, den Glauben nicht zu verlieren und die Wahrheit zu sagen. "Man kann die Starken nicht ewig zum Schweigen bringen." Raisman hat den US-Turnverband und das Nationale Olympische Komitee verklagt.

Das Publikum applaudierte den Geehrten im Stehen. Snowboarderin Chloe Kim, die unter anderem als beste weibliche Athletin ausgezeichnet wurde, hatte Tränen in den Augen, als sie Raisman, Klein und Lopez zuhörte.

"Scott, Aaron und Chris waren Helden und sie waren Trainer"

Kaum weniger emotional war die Auszeichnung in der Kategorie "Bester Trainer". Sie wurde postum an Aaron Feis, Scott Beigel und Chris Hixon verliehen, drei Trainer an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida. Die Männer waren bei dem Amoklauf an der Schule erschossen worden, als sie versuchten, Schüler zu beschützen.

"Scott, Aaron und Chris waren Helden und sie waren Trainer. Aber sie waren auch Ehemänner, Väter und Söhne", sagte Elliott Bonner, ein Trainer an der Schule. Schusswaffengewalt und der Amoklauf seien keine politische Frage, sondern eine menschliche. Es seien Leben beendet worden, die nicht beendet hätten werden müssen.

ulz/AP



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