Armutsdebatte Essener Tafel nimmt wieder Ausländer auf

Die Tafel in Essen lehnt derzeit Bedürftige ohne deutschen Pass ab - und steht damit im Mittelpunkt einer Debatte über Armut und Diskriminierung. Nun hat der Verein eine neue Entscheidung getroffen.

Warteschlange vor der Essener Tafel
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Warteschlange vor der Essener Tafel


Die Essener Tafel nimmt künftig wieder Ausländer als Neukunden auf. Der Vorstand des Trägervereins hat einstimmig beschlossen, einen zuletzt geltenden Aufnahmestopp für Bedürftige ohne deutschen Ausweis aufzuheben. Die jetzt beschlossene neue Regelung trete am Mittwochnachmittag in Kraft, sagte der Vereinsvorsitzende Jörg Sartor.

Zuvor sollen alle elf Außenstellen des Vereins über die Details der Entscheidung informiert werden. Weil die Ausgabe neuer Tafelausweise nur einmal wöchentlich am Mittwochmorgen stattfindet, wird der Beschluss damit erst in der kommenden Woche am 11. April zum ersten Mal wirksam.

Anfang März hatte die Essener Tafel angekündigt, den Aufnahmestopp für nichtdeutsche Kunden binnen weniger Wochen aufzuheben. Die Tafel hatte die ursprüngliche Entscheidung mit einem Ausländeranteil von etwa 75 Prozent unter ihren Kunden begründet. Der Ausländeranteil sei mittlerweile deutlich gesunken, sagte Sartor nun. Der 61-Jährige schätzte ihn auf derzeit etwa 45 Prozent.

Die Stadt Essen, die örtliche Tafel, Wohlfahrtsverbände sowie der Verbund Essener Migrantenselbstorganisationen hatten sich Anfang März zu einer Art Krisensitzung getroffen. "Im Verlauf des Gesprächs haben sich alle beteiligten Organisationen und Verbände darauf verständigt, die derzeitigen vorübergehend eingeführten Beschränkungen schnellstmöglich aufzuheben", hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung.

Im Video: Streit über die Essener Tafel (aus dem Archiv)

"Sollte es zukünftig erneut zu Kapazitätsengpässen bei der Aufnahme von Neukarteninhaberinnen und -inhabern kommen, werden besonders Alleinerziehende, Familien mit minderjährigen Kindern sowie Seniorinnen und Senioren - egal welcher Herkunft - bevorzugt aufgenommen", hieß es in dem Statement. Darüber hinaus werde die Essener Tafel ihre Kernzielgruppe um die Gruppe "der über 50-jährigen Essenerinnen und Essener im Transferleistungsbezug" erweitern.

Seit dem 10. Januar nimmt die Essener Tafel keine Ausländer mehr als Neukunden an. Sie begründete den Schritt damit, dass sich ältere Menschen und alleinerziehende Mütter von den vielen fremdsprachigen jungen Männern abgeschreckt fühlten (mehr darüber erfahren Sie hier).

Die Entscheidung, bedürftigen Ausländern neue Bezugskarten für Lebensmittel vorerst zu verwehren, löste bundesweit heftige Debatten aus. Der Bundesverband der Tafeln wandte sich mit einer Reihe von Forderungen an die Bundesregierung: "Die letzten Wochen haben gezeigt, wohin es führt, wenn der Staat ehrenamtliche Hilfsorganisationen wie die Tafeln mit Aufgaben alleinlässt, die größer sind als sie selbst", sagte Bundesverbandschef Jochen Brühl. Die Zahl der Armen in Deutschland müsse nachhaltig gesenkt werden.

mxw/dpa



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