Essener Tafel Merkel gegen Ausschluss von Ausländern

Die Essener Tafel bevorzugt deutsche Neumitglieder - weil es Ärger mit Ausländern gegeben habe. Angela Merkel hat dazu eine klare Meinung.

Angela Merkel
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Bundeskanzlerin Angela Merkel hält nichts von der Entscheidung der Essener Tafel, bis auf Weiteres nur noch Deutsche neu in ihre Kartei mit bedürftigen Menschen aufzunehmen. "Da sollte man nicht solche Kategorisierungen vornehmen", sagte die CDU-Chefin in einem RTL-Interview. "Das ist nicht gut."

Aber die Entscheidung der Ehrenamtlichen in Essen zeige auch "den Druck, den es gibt", und wie viele Bedürftige auf Lebensmittelspenden angewiesen seien. "Deshalb hoffe ich, dass man da auch gute Lösungen findet."

Die massive Kritik am vorübergehenden Aufnahmestopp der Essener Tafel für Ausländer lässt den Vereinsvorsitzenden Jörg Sartor derweil über einen Rückzug nachdenken. Er klagte über heftige und teils pauschale Angriffe zu seiner Entscheidung. "Jetzt haut ein Haufen von Politikern auf uns ein, ohne sich zu informieren", sagte er der "Bild"-Zeitung. "Die sollen sich mal herbewegen und vor Ort mitarbeiten - danach können sie sich gerne äußern."

Türen mit Parole "Nazis" beschmiert

Der Verein in Essen, der Lebensmittelspenden kostenlos an registrierte Empfänger von Sozialleistungen verteilt, vergibt seine Berechtigungskarten seit dem 10. Januar vorübergehend nur noch an Bürger mit deutschem Ausweis. Die Tafel wurde dafür heftig kritisiert - unter anderem vom nordrhein-westfälischen FDP-Integrationsminister Joachim Stamp.

Bundesweit entbrannte eine Debatte über die Entscheidung. Der Vorsitzende der Tafeln in Deutschland, Jochen Brühl, sprach von einer unglücklichen Entscheidung - und forderte einen stärkeren Einsatz der Politik gegen Armut.

Unbekannte beschmierten nun am Wochenende Türen und Lastwagen der Einrichtung mit Parolen wie "Nazis". Die Polizei vermutet einen Zusammenhang mit der Debatte um den Aufnahmestopp. Die Ermittlungen des Staatsschutzes dauern an.

Der Verein Essener Tafel hatte den vorübergehenden Annahmestopp von Migranten auf seiner Internetseite mit den Worten begründet: "Da aufgrund der Flüchtlingszunahme in den letzten Jahren der Anteil ausländischer Mitbürger bei unseren Kunden auf 75 Prozent angestiegen ist, sehen wir uns gezwungen um eine vernünftige Integration zu gewährleisten, zurzeit nur Kunden mit deutschem Personalausweis aufzunehmen."

Schmierereien an der Essener Tafel
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Schmierereien an der Essener Tafel

Gerade ältere Nutzerinnen sowie alleinerziehende Mütter hätten sich von den vielen fremdsprachigen jungen Männern in der Warteschlange abgeschreckt gefühlt, sagte Sartor. Bei ihnen habe er teilweise auch "mangelnden Respekt gegenüber Frauen" beobachtet.

Nach der heftigen Kritik an der Entscheidung ist nun am Dienstag eine Krisensitzung des Vorstands der Essener Tafel geplant. Womöglich soll dort auch über Alternativen zum Aufnahmestopp für Ausländer diskutiert werden.


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apr/dpa/Reuters

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