Umstrittener Beschluss Essener Tafel hält vorerst an Aufnahmestopp für Ausländer fest

Die Tafel in Essen bevorzugt bei der Essensausgabe Neumitglieder mit deutschem Pass und dabei soll es erst mal bleiben. Das hat der Verein nach einer Krisensitzung entschieden - trotz Kritik von Kanzlerin Merkel.

Essener Tafel
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Die Essener Tafel zur Verteilung von Lebensmittelspenden an Bedürftige hält trotz heftiger bundesweiter Kritik an ihrem Aufnahmestopp für Ausländer fest. Es werde innerhalb der nächsten zwei Wochen ein Runder Tisch gegründet, um über die künftige Lebensmittelverteilung nachzudenken, teilte der Vorstand des Vereins nach einer außerordentlichen Sitzung mit. Eine Sprecherin der Stadt Essen sagte, dass bei dem Runden Tisch eine Neuregelung gefunden werden solle.

Es bestehe aber weiter Einigkeit, dass Alleinerziehende, Senioren und Familien mit minderjährigen Kindern im Mittelpunkt stehen sollten, hieß es in der Mitteilung der Tafel weiter.

Der Verein in Essen, der Lebensmittelspenden kostenlos an registrierte Empfänger von Sozialleistungen verteilt, vergibt neue Berechtigungskarten seit dem 10. Januar vorübergehend nur noch an Bürger mit deutschem Ausweis. Die Tafel wurde dafür heftig kritisiert - unter anderem vom nordrhein-westfälischen FDP-Integrationsminister Joachim Stamp und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Bundesweit entbrannte eine Debatte über die Entscheidung. Der Vorsitzende der Tafeln in Deutschland, Jochen Brühl, sprach von einer unglücklichen Entscheidung - und forderte einen stärkeren Einsatz der Politik gegen Armut. Unbekannte hatten am Wochenende Türen und Lastwagen der Essener Einrichtung mit Parolen wie "Nazis" beschmiert.

Die Essener Tafel begründete den Aufnahmestopp mit einem großen Anteil an Ausländern, nämlich rund drei Viertel. Gerade ältere Nutzerinnen sowie alleinerziehende Mütter hätten sich von den vielen fremdsprachigen jungen Männern in der Warteschlange abgeschreckt gefühlt, hatte der Vereinsvorsitzende Jörg Sartor gesagt.

Bei diesen Männern habe er teilweise auch "mangelnden Respekt gegenüber Frauen" beobachtet. Auch fehle manchem die hierzulande übliche "Anstellkultur" in der Schlange - sprich: es wurde sich vorgedrängelt. Laut Sartor war der Aufnahmestopp von vorneherein als befristete Maßnahme geplant.

Die Essener Tafel verteilt jede Woche in 13 Verteilstellen Lebensmittel an rund 6000 Menschen. Darüber hinaus beliefert die Tafel eigenen Angaben zufolge knapp 110 soziale und karitative Einrichtungen wie Mittagstische in sozialen Brennpunkten oder Anlaufstellen für Obdachlose mit weiteren rund 10.000 Menschen. Bundesweit verteilen die Tafeln regelmäßig Lebensmittel an bis zu 1,5 Millionen Bedürftige.


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apr/dpa

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Textformer 27.02.2018
1. Richtig so
Ich finde es gut, dass die Tafel Essen das so durchzieht. Kann das gleiche Problem hier bei uns in der Stadt beobachten, wo halbstarke, junge Südländer die wirklich Bedürftigen verdrängen. Und dazu legen dieses Menschen ein Benehmen an den Tag, dass einem nur schlecht werden kann.
Manitou-01@gmx.de 27.02.2018
2.
Ein Aufnahmestopp für Ausländer ist unmöglich für eine soziale Einrichtung. Denkbar wäre jedoch, die Aufnahmeanträge von Rentnern, Behinderten und Familen mit Kindern (unabhängig von der Nationalität) bvorzugt zu behandeln. Man kann auch getrennte Ausgabezeiten für unterschiedliche Kundengruppen einführen bzw. Mengenbeschränkungen der abzugebenden Waren bzw. eine maximale Anzahl von Ausgaben je Kunde festlegen.
Pars pro toto 27.02.2018
3. Ich kann die Tafel in Essen verstehen.
Leider haben auch wir in unserer Stadt sehr schlechte Erfahrungen machen müssen. Viele alte Leute trauen sich nicht mehr zur Tafel zu gehen weil sie von neu dazu gekommenen massiv bedrängt worden sind. Ich helfe ab und an mal auf der Tafel und musste schon oft dazwischen gehen um eine Eskalation zu vermeiden. Wir haben auch schon Flüchtlinge des Hauses verwiesen, weil sie keinerlei Respekt vor den alten Herrschaften hatten. Es kann doch ehrlich gesagt nicht angehen, dass wir über solche Zustände hinwegsehen. Diese alten haben ihr ganzes Leben hart gearbeitet, Deutschland wieder aufgebaut und leider nicht sehr viel "geklebt" in die Rentenkassen. Deswegen müssen sie zur Tafel und es ist unsere Pflicht, sie dabei zu begleiten und zu unterstützen. Wenn man schon Gast in einem Land ist, sollte man sich auch so verhalten.
naschauenwirmal73 27.02.2018
4. Akt der Hilflosigkeit- generell gehören Tafeln verboten!
Aus diesen Gründen: 1. Wenn die Sozialleistungen nicht reichen - müssen sie angepasst werden - der Staat darf sich nicht auf Private Vereine verlassen. Niemand darf in Deutschland hungern. 2. Die Spender sind nicht alle Wohltäter ! Viele Spender geben nicht genießbare Ware ab - erhalten dafür eine Spendenquittung für das Finanzamt und sparen sich die Entsorgungskosten ( in Berlin jährlich mehrere 10.000€) 3: Die Geschäfte haben bis 21:00 oder gar 22:00 geöffnet. Als Konsument darf ich nicht erwarten, dass bis dann die Frischwaren alle so verfügbar sind wie um 14:00. Ich sehe den guten Willen vieler Helfer - aber die Tafeln helfen vielleicht im Moment - ändern aber nichts am System
Raisti 27.02.2018
5.
Wäre ja dafür das das Geld das unsere Regierung gerade an die Zeitungsverlage verschenkt (Arbeitgeberanteil an der Rente von Zeitungsboten von 15% runter auf 5% ohne jedwigen anlass Quelle: https://www.stern.de/politik/deutschland/groko--stern-verhindert-renten-einbussen-fuer-zeitungsboten-7875384.html) dazu genommen wird die Tafeln zu unterstützen.
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