Alfons Rebane Umstrittene Gedenktafel für SS-Veteran in Estland enthüllt

In einer estnischen Kleinstadt hat ein Veteranenverein eine Gedenkplatte für den früheren SS-Mann Alfons Rebane enthüllt. Die Regierung distanzierte sich.


In Estland ist ein umstrittenes Denkmal für einen ehemaligen Legionär der Waffen-SS enthüllt worden. Anlässlich des 110. Geburtstags von Alfons Rebane (1908-1976) hat ein Veteranenverein an der Außenwand eines Privathauses in der Kleinstadt Mustla eine Gedenktafel angebracht. Darauf ist Rebane in SS-Uniform mit dem estnischen Wappen auf dem Ärmel abgebildet, wie die estnische Regionalzeitung "Sakala" am Samstag auf ihrer Webseite berichtete.

In Estland haben - wie auch im benachbarten Lettland - Zehntausende Einheimische als Teil der Waffen-SS teils zwangsweise, teils freiwillig für Hitler-Deutschland gegen die Sowjetunion gekämpft. Viele sehen die Veteranen als Freiheitskämpfer, die ihre Heimat gegen die Besetzung durch die Rote Armee verteidigt haben.

Die estnische Regierung distanzierte sich von der Gedenktafel. "Dies ist eine private Initiative, an der der Staat nicht beteiligt ist", teilte die Staatskanzlei in Tallinn mit. Der Vorsitzende der Gemeindeverwaltung dagegen begrüßte dem Zeitungsbericht zufolge das Denkmal.

Rebane hatte sich im Zweiten Weltkrieg freiwillig der Wehrmacht angeschlossen und übernahm später im Kampf gegen die Rote Armee das Kommando einer estnischen Einheit der Waffen-SS. Nach Kriegsende wurde er vom britischen Geheimdienst angeworben. 1961 siedelte er nach Westdeutschland über und lebte bis zu seinem Tod in Augsburg. 1999 wurden seine sterblichen Überreste nach Estland überführt und auf einem Friedhof in Tallinn beigesetzt.

Estland wurde im Zweiten Weltkrieg abwechselnd von der Sowjetunion und dem deutschen Nazi-Regime besetzt. Nach Kriegsende war der Baltenstaat bis 1991 unfreiwillig Teil der Sowjetunion. Seit 2004 gehört Estland der EU und der Nato an.

hut/dpa/AFP



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