Minusgrade Bereits mehr als 45 Kältetote in Europa

Europaweit hat der Frost seine Opfer gefordert. Vor allem Obdachlose sind der Gefahr des Erfrierens besonders ausgesetzt. In Deutschland starben zwei Menschen, nachdem sie in vereiste Gewässer eingebrochen waren.

Pier am Genfer See in der Schweiz
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Pier am Genfer See in der Schweiz


Die sibirische Kälte lässt Europa noch nicht los: In vielen Ländern bleiben die Schulen geschlossen, Schnee und Eis sorgen weiter für Verkehrschaos. Die Zahl der Kältetoten seit Freitag stieg auf mehr als 45 - allein in Polen gab es 18 Tote.

In Tschechien gab es bislang sechs Tote, in Litauen fünf, in Frankreich und der Slowakei jeweils vier. Italien, Serbien und Rumänien meldeten jeweils zwei Todesopfer.

In vielen Teilen Europas fiel das Thermometer auf minus 20 Grad. Belgien und die Schweizregistrierten die kälteste Nacht in diesem Winter. Die Wetterdienste gaben erst für Donnerstag Entwarnung.

Menschen durch Eisdecke gebrochen

In Deutschland starben zwei Menschen, als sie in vereiste Gewässer gerieten. Ein Großvater in Baden-Württemberg ist bei dem Versuch der Rettung seines Enkels auf einem zugefrorenen See selbst eingebrochen und ums Leben gekommen. Der achtjährige Junge war beim Schlittschuhfahren durchs Eis gekracht, gelangte aber durch die Hilfe des Großvaters wieder an Land. Der 79-Jährige konnte sich aus eigener Kraft aber nicht mehr aus dem Wasser hieven. Trotz sofortiger Reanimationsmaßnahmen nach der Bergung starb der Mann noch an der Unglücksstelle. Wie die Polizei weiter berichtete, soll der Großvater am See selbst geprüft haben, ob die Eisdecke dick genug sei, bevor er seinem Enkel erlaubte sich auf das Eis zu bewegen.

Im niedersächsischen Winsen entdeckte ein Spaziergänger die Leiche eines 38-jährigen Manns, der offenbar nachts in einen vereisten Fluss eingebrochen und danach bei der schneidenden Kälte erfroren war. Nach einer ersten Auswertung der Spuren war der Mann zunächst offenbar über einen zugefrorenen Teich gelaufen und in den Fluss Luhe eingebrochen, als er ihn überqueren wollte. Er schaffte es demnach aber nicht mehr, eine Böschung hinauf zu klettern.

Auch in den Niederlanden starb ein Schlittschuhläufer, als die Eisschicht unter ihm nachgab.

Frost vor allem für Obdachlose gefährlich

Die meisten Opfer sind aber Obdachlose. Städte in ganz Europa versuchten deshalb, so rasch wie möglich weitere Notunterkünfte zu öffnen. In Paris wollten rund 50 Kommunalpolitiker zudem die Nacht zum Donnerstag auf der Straße verbringen, um gegen die "Verweigerung der Würde" obdachloser Menschen zu protestieren.

Notpläne der Behörden in Calais stellen Unterkünfte auch für Migranten bereit, die unter freiem Himmel ausharrten, um am nächsten Morgen verborgen in einem Lastwagen nach Großbritannien zu gelangen.

In Belgien wiesen mehrere Kommunen unterdessen Obdachlose zwangsweise in Unterkünfte ein.

Schwerer Sturm in Irland

In Irland sorgte der angekündigte Sturm "Emma", der am Donnerstag zu den heftigsten Schneefällen in dem Land seit 1982 führen dürfte, für leere Regale. Viele Einwohner richteten sich mit Hamsterkäufen auf einen Tag zu Hause ein. Die Billigfluggesellschaft Ryanair strich alle Flüge von und nach Dublin.

Das Auswärtige Amt in Berlin warnte in einem aktuellen Hinweis, vor allem an der Ostküste Irlands sei mit erheblichen Schneefällen und Verwehungen zu rechnen. "Der irische Wetterdienst rät, Häuser und Wohnungen nicht zu verlassen und Fahrten nur zu unternehmen, wenn diese absolut notwendig sind."

Deutschland hat derweil den Höhepunkt der Kältewelle hinter sich. Zwar herrschte in der Nacht zum Mittwoch vor allem in Bayern und an der Ostsee noch sehr strenger Frost - doch mit dem Beginn des meteorologischen Frühlings geht es aufwärts: Am Donnerstag werden "wieder zarte Plusgrade tagsüber erwartet", wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. Am Wochenende ist es sogar fast überall mit dem Dauerfrost vorbei. Am Oberrhein und im Alpenvorland können sogar Spitzenwerte von 12 Grad erreicht werden.

cop/AFP/dpa



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