Umstrittene "Dr Pepper"-Werbung: Menschwerdung durch Blubberbrause

Glaubt man der unbescheidenen Werbung eines US-Konzerns, so wird der Affe erst durch den Genuss des koffeinhaltigen Erfrischungsgetränks "Dr Pepper" zum Homo sapiens. Ein Affront, befanden US-Kreationisten und traten eine Debatte im Internet los.

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"Dr Pepper"-Werbung: Ein Lob an die "Evolution des Geschmacks"

Houston - Auf seiner "Dr Pepper"-Facebook-Seite (mehr als 12.700.806 Fans) hatte das produzierende Unternehmen die Brause mit einer ganz in Rot-Weiß gehaltenen Grafik beworben. Darauf werden drei Stadien "einer Evolution des Geschmacks" aufgezeigt: Am Anfang steht der Affe - das ist der "Prä-Pepper"-Zustand. Darauf folgt der historische Moment der "Pepper-Entdeckung" - das Tier beginnt sich aufzurichten. Phase drei schließlich bezeichnet die "Post-Pepper"-Phase - die Kreatur ist zum Mensch geworden.

Selbst bei Atheisten könnte die übertriebene Selbstbeweihräucherung einen schalen Nachgeschmack hinterlassen. Bei den Gegnern der Darwinschen Evolutionstheorie löste sie Empörung aus. Kreationisten beklagten die Gottlosigkeit der Marke: "Ich bin kein verdammter Schimpanse", schrieb ein verärgerter Softdrink-Konsument auf Facebook. "In meinem Haushalt wird es keinen Dr Pepper mehr geben. Gott segne Euch." Der Softdrink sei schlicht ein Synonym für "Gotteslästerung und vergammelte Zähne", ätzte eine Frau.

"Dr Pepper" ist ein kohlensäurehaltiges Getränk, das der Pharmazeut Charles Alderton bereits 1885 erfand - also noch vor Coca Cola und Pepsi. Es ist koffeinhaltig, enthält unter anderem jede Menge Zucker, einen Farbstoff sowie den Konservierungsstoff Natriumbenzoat. In Deutschland wird die Brause seit 2006 von der Krombacher Brauerei vertrieben.

Nach dem Aufschrei unter Kreationisten formierte sich im Internet schnell auch eine Unterstützertruppe: "Ich glaube, Dr Pepper ist göttlich", schwärmte eine Userin. "Der Tag, an dem dein Glaube von einer "Dr Pepper"-Werbung erschüttert wird, ist der Tag, an dem du deinen Glauben überdenken solltest", resümierte ein anderer. Ansonsten tummelten sich am Montag auf der Facebook-Seite wie sonst Liebhaber des Getränks, Ex-"Abhängige" ebenso wie solche, die sich regelmäßig Überdosen in der Größenordnung von 100 Dosen in vier Tagen gönnen.

Unbestritten ist, dass die Kreationisten mit ihrer Empörung ordentlich Quote gemacht und die Marke in aller Munde gebracht haben - eine "süße, süße Ironie", wie es ein aufmerksamer Facebook-User auf den Punkt brachte.

ala

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