Explosion in Düngemittelfabrik: "Es braucht nur einen Funken"

Die Opfer der Explosion in einer Düngemittelfabrik in Texas sind identifiziert - die Unglücksursache allerdings noch immer unbekannt. Anwohner fürchteten seit Jahren die verheerende Sprengkraft des in der Fabrik gelagerten Ammoniumnitrats. Satellitenbilder zeigen nun das Ausmaß der Zerstörung.

West - Noch immer ist nicht klar, was die Ursache für die heftige Explosion war, die am 18. April die Düngemittelfabrik in West, Texas, zerstörte. So heftig war die Detonation, dass sie als kleines Erdbeben registriert wurde.

Daniel McGruder plauschte am Mittwoch gerade mit seinem Nachbarn, als sie von den Stühlen gestoßen wurden. Das ganze Haus bebte, der Fernseher wurde aus der Wand gerissen. McGruder rannte vor die Tür und sah eine "gigantische schwarze Pilzwolke". Weil sein Bruder bei der freiwilligen Feuerwehr war, fuhr er aus Sorge sofort zur Unglücksstelle. Doch dort lag schon alles in Schutt und Asche. "Da waren Leute, die noch in ihren Betten lagen. Ich sah viele Kopfverletzungen. Überall war Blut. Es war wie in einem Horrorfilm", sagte er dem "Daily Beast".



Mindestens 14 Menschen starben, 200 wurden verletzt, Dutzende Häuser komplett zerstört, darunter Schulen und eine Klinik. Allein die Feuerwehr der Stadt verlor zehn Mitarbeiter bei den äußerst schwierigen Löscharbeiten. An ihren selbstlosen Einsatz soll mit einer großen Feier am 25. April an der Baylor Universität von Waco erinnert werden.

Unter den Toten, deren Namen jetzt auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben wurden, waren auch die Brüder Doug und Robert Snokhous, die ihre Familie als "lebenslang beste Freunde" erinnert. "Sie waren immer zusammen und es hat uns getröstet, dass das auch am Ende so war."

Seit Samstag ist es den Bewohnern beschädigter Häuser gestattet, nach dem rechten zu sehen und die Schäden unter die Lupe zu nehmen. Die Wasserversorgung funktioniert aber immer noch nicht.

Was bleibt ist ein riesiger Krater. Sprengstoffexperten sollen in den kommenden Tagen hinabsteigen und anfangen nach Hinweisen zu suchen. Inzwischen sind alle Brände gelöscht, der Leiter der Feuerwehr Kelly Kistner erklärte, die verbliebenen Düngemittelcontainer der West Fertilizer Co. stellten keine Gefahr mehr dar.

Das sehen die Anwohner gleichwohl anders. "Jeder hat jahrelang darüber nachgedacht", sagte Gray Horton dem "Daily Beast". Er selbst verlor sein Haus durch das Unglück. "Das war immer eine Möglichkeit. Wir haben darüber geredet, dass Leute Bomben basteln in Oklahoma City, aber die große Bombe war direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite. Es braucht nicht mehr als einen Funken."

Die West Fertilizer Co. and Adair Grain soll mindestens 245 Tonnen Ammoniumnitrat gelagert haben, das zur Herstellung sowohl von Düngemitteln als auch Sprengstoffen verwendet wird. In der Vergangenheit kam es zu mehreren tödlichen Explosionskatastrophen durch Ammoniumnitrat, so 1947 in Texas City, wo zwei mit der Substanz beladene Frachter in Flammen aufgingen. Damals starben mehr als 500 Menschen, Tausende wurden verletzt.

Viele Bewohner von West finden Trost im Glauben. In der Stadt werden T-Shirts verkauft mit der Aufschrift: "Betet für West". Die örtlichen Geistlichen versuchen, den Zusammenhalt zu stärken: "West ist eine starke Stadt. Wir werden diese Tragödie definitiv überwinden", sagte Vater Boniface Onjefu, der der Gemeinde St. Mary's vorsteht, der viele Opfer angehörten.

ala

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