Extremwetter in USA Millionen Amerikaner leiden unter Hitze und Stürmen

Hitzewelle, Gewitterstürme, Stromausfälle, Waldbrände: Durch extremes Wetter sind im Osten der USA mindestens 13 Menschen gestorben, Millionen Menschen haben keinen Strom. Vielerorts wurde der Notstand ausgerufen.


Washington - Heftige Stürme und eine andauernde Hitzewelle setzen dem Osten der USA schwer zu. Bei einem massiven Unwetter sind nach einem Medienbericht vom Samstag mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen. In Virginia wurden mindestens sechs Menschen getötet, darunter eine 90-jährige Frau, die in ihrem Bett erschlagen wurde, als ein Baum auf ihr Haus stürzte, wie die Polizei im Bezirk Fairfax am Samstag mitteilte. Ein weiteres Opfer wurde demnach in einem Auto von einem Baum getroffen. In New Jersey starben zwei junge Camper, als ein Baum auf ihr Zelt fiel.

Die Gewitterstürme haben Medienberichten zufolge außerdem rund drei Millionen Amerikaner von der Stromversorgung abgeschnitten, weil in einem breiten Band zwischen Indiana und New Jersey Strommasten wie Streichhölzer umknickten.

Allein im Großraum Washington, wo die Unwetter in der Nacht zum Samstag am heftigsten wüteten, waren mehr als eine Million Menschen ohne Strom. Bewohner sprachen von einem der schwersten Unwetter seit Jahren. Die Stürme erreichten Spitzengeschwindigkeiten von fast 150 Stundenkilometern.

Gleichzeitig herrschen weiterhin Temperaturen von bis zu 41 Grad Celsius, die viele Menschen nun ohne Klimaanlage und Kühlschrank überstehen müssen. Am Freitag war das Thermometer in Washington auf 40 Grad gestiegen und hatte damit den bisherigen Hitzerekord von 38 Grad aus dem Jahr 1934 gebrochen. In der Hauptstadt sowie den Bundesstaaten Maryland, Virginia, West Virginia und Ohio wurde am Samstag der Notstand ausgerufen. Bis die meisten Betroffenen wieder Strom haben, dürften Tage vergehen.

Massive Waldbrände in Colorado

Der amtliche Wetterdienst warnte vor anhaltender extremer Hitze und weiteren Gewittern im Bundesstaat Ohio und anderen Nordstaaten entlang des Atlantiks. In einigen Gebieten könnte es bis zu eine Woche dauern, bis die Haushalte wieder am Stromnetz angeschlossen sind. Präsident Barack Obama ermächtigte den Katastrophenschutz des Bundes, die Hilfsaktionen in Ohio zu koordinieren.

Die Behörden rieten geschwächten und anfälligen Personen, sich bei der extremen Hitze nicht im Freien aufzuhalten. So starben in Tennessee zwei drei und fünf Jahre alte Brüder, die bei 41 Grad draußen gespielt haben sollen. In New Jersey wurden zwei Cousins im Alter von zwei und sieben Jahren von einem umstürzenden Baum erschlagen.

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Extremwetter in den USA: 13 Tote durch Hitzewelle und Stürme

Wärmer und trockener werdendes Wetter bereitete auch den Einsatzkräften im US-Staat Colorado Sorgen, wo die Feuerwehren im Kampf gegen den größten Waldbrand in der Geschichte des Staates aber weitere Erfolge erzielen konnten. Unterdessen konnten im waldbrandgeplagten Colorado am Samstag weiterhin rund 10.000 Menschen nicht in ihre Häuser zurückkehren. Für einige Gebiete wurden die Evakuierungsbefehle aber bereits wieder aufgehoben. Den 1200 Einsatzkräften gelang es mit Hilfe von sechs Hubschraubern, rund 45 Prozent des Feuers unter Kontrolle zu bekommen.

Allerdings drohte das Wetter die Erfolge wieder zunichtezumachen. "Das Wetter macht Fortschritte in die falsche Richtung. Heißer, trockener, mit der Möglichkeit von Gewittern am Nachmittag", sagte Einsatzleiter Rich Harvey. Allerdings gaben sich die Behörden optimistisch, den Brand weiter eindämmen zu können.

"Amerika steht zusammen"

In den ersten Tagen hatten sich die Flammen explosionsartig auf eine Fläche von 65 Quadratkilometern ausgebreitet und mit Colorado Springs die zweitgrößte Stadt des Landes bedroht. Mehr als 350 Häuser wurden durch das Feuer zerstört. Feuerwehrleute fanden bei der Durchsuchung von Ruinen eine zweite Leiche. Sie wurde auf demselben Anwesen entdeckt, auf dem die Rettungskräfte am Donnerstag einen ersten Toten ausgemacht hatten. Mit weiteren Toten rechne die Polizei nicht, erklärte der Polizeichef von Colorado Springs, Pete Carey.

Präsident Obama machte sich am Freitag inmitten der verkohlten Überreste eines abgebrannten Wohnviertels selbst ein Bild von den Zerstörungen. Zuvor hatte er die Feuersbrunst bereits zu einer "großen Katastrophe" erklärt und Hilfe aus Washington versprochen. "Ob Feuer in Colorado oder Überschwemmungen in den nördlichen Teilen Floridas, wenn Naturkatastrophen wie diese auftreten, steht Amerika zusammen", sagte der Präsident nach einem Rundgang in Colorado Springs. Die Brände brachen am 23. Juni aus, ihre Bekämpfung kostete bislang 8,8 Millionen Dollar (7 Millionen Euro).

Derweil drohen den mehr als acht Millionen New Yorkern Stromausfälle, weil die Tarifverhandlungen beim Energieversorger ConEd am Samstag scheiterten. Die Firmenleitung sperrte die 8500 gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten aus und kam damit einem Streik zuvor.

Ein ConEd-Sprecher warf der Gewerkschaft vor, den Antrag auf Verlängerung der Friedensfrist um zwei Wochen abgelehnt zu haben. "Wir können unsere Kunden nicht zuverlässig versorgen, wenn die Gewerkschaft jeden Moment zum Streik aufrufen kann." Ein Sprecher der Arbeitnehmerorganisation konterte, ConEd bringe New York und dem angrenzenden Bezirk Westchester in Gefahr, weil es in einer Hitzewelle zum extremen Mittel der Aussperrung greife.

hpi/rtr/dpa/dapd



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insgesamt 81 Beiträge
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Seite 1
snickerman 01.07.2012
1. Eigenartig
Vor kurzem schrieb hier noch einer der selbsternannten Forums-Experten, die Amerikaner hätte keine Probleme, wenn mal der Strom ausfällt, die würden das ganz pragmatisch sehen... Ja sicher. Erzählt das mal den alten und kranken Menschen, die bei 40 Grad Außentemperatur in ihren stromlosen Wohnungen festsitzen. Die Energieversorger gehen wie immer den billigsten Weg, anstelle die Kabel unterirdisch zu verlegen, damit sie nicht jeder Sturm davonweht. Aber das würde ja Geld kosten!
gorkamorka 01.07.2012
2.
Unsere Amerikanischen Freunde mit ihren desolaten oberirdischen Stromnetzen sehen das ganz pragmatisch: Lieber alle paar Monate Stromausfall für ein paar Tage, als teure Stromkosten. Ich wünsche den Utility Teams die jetzt ausschwärmen um die Holzmasten wieder aufzustellen viel Erfolg!!
schwarzes_lamm 01.07.2012
3.
Zitat von snickermanVor kurzem schrieb hier noch einer der selbsternannten Forums-Experten, die Amerikaner hätte keine Probleme, wenn mal der Strom ausfällt, die würden das ganz pragmatisch sehen... Ja sicher. Erzählt das mal den alten und kranken Menschen, die bei 40 Grad Außentemperatur in ihren stromlosen Wohnungen festsitzen. Die Energieversorger gehen wie immer den billigsten Weg, anstelle die Kabel unterirdisch zu verlegen, damit sie nicht jeder Sturm davonweht. Aber das würde ja Geld kosten!
Wo in Deutschland sind Überland-Stromleitungen unterirdisch verlegt? Im Dauerfrost oder Dauerschlammboden, sowie in Sumpfgebieten ist das Verlegen von unterirdischen Stromkabeln technisch so gut wie unmöglich.
gorkamorka 01.07.2012
4.
Zitat von snickermanVor kurzem schrieb hier noch einer der selbsternannten Forums-Experten, die Amerikaner hätte keine Probleme, wenn mal der Strom ausfällt, die würden das ganz pragmatisch sehen... Ja sicher. Erzählt das mal den alten und kranken Menschen, die bei 40 Grad Außentemperatur in ihren stromlosen Wohnungen festsitzen. Die Energieversorger gehen wie immer den billigsten Weg, anstelle die Kabel unterirdisch zu verlegen, damit sie nicht jeder Sturm davonweht. Aber das würde ja Geld kosten!
Die wenigsten Amerikaner haben bisher ihr Land verlassen, und kennen es einfach nicht anders.
gorkamorka 01.07.2012
5.
Zitat von schwarzes_lammWo in Deutschland sind Überland-Stromleitungen unterirdisch verlegt? Im Dauerfrost oder Dauerschlammboden, sowie in Sumpfgebieten ist das Verlegen von unterirdischen Stromkabeln technisch so gut wie unmöglich.
Die Eastcoast der USA um Washington und NY ist weder Sumpfgebiet noch Dauerfrost. Trotzdem baumeln da die Stromleitungen überall umher wie in 3. Welt Ländern. So sieht das dann aus: http://www.imagebroker.net/previews/01/21/121157.jpg
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