Internet-Pranger: Sportlerin Friedrich verteidigt Outing eines Stalkers

Leichtathletik-Ass Ariane Friedrich hat die Nase voll von Stalkern. Ein Unbekannter schickte ihr eine anzügliche E-Mail plus Foto seines Genitals - sie veröffentlichte daraufhin seinen Namen bei Facebook. Jetzt streiten ihre Fans: Darf eine Prominente sich auf diese Art wehren?

Belästigung per E-Mail: Ariane Friedrich wehrt sich Fotos
Getty Images

Frankfurt/Main - Auf ihrer Facebook-Seite redet Ariane Friedrich Tacheles: "Es ist Zeit zu handeln, es ist Zeit, mich zu wehren. Und das tue ich. Nicht mehr und nicht weniger."

Am 16. April hatte die Hochsprung-Rekordhalterin über das soziale Netzwerk Namen und Wohnort eines Mannes veröffentlicht, der ihr eine anzügliche E-Mail mit angehängtem Foto seiner Genitalien geschickt hatte.

Zwar sei sie schon in der Vergangenheit beleidigt, sexuell belästigt und verfolgt worden, schrieb die 28-Jährige am Samstag in einem weiteren Kommentar. Selbstverständlich habe sie parallel auch Anzeige gegen den Mann erstattet: "Ich bin allerdings nicht mehr bereit, mich doppelt zum Opfer zu machen und stets zu schweigen - ich bin es schlicht leid", fügte Friedrich wütend hinzu. "Es gibt einfach einen Punkt, an dem Schluss ist."

Weit über 700 Facebook-User begrüßten die Aktion der Sportlerin bis zum Mittag per "Gefällt mir"-Button, es entbrannte eine hitzige Diskussion um das Für und Wider des Outings von Stalkern. Neben Kommentaren wie "Danke für die Courage!" und "Meinen allerhöchsten Respekt" gab es auch kritische Stimmen, die einem solchen "Internet-Pranger" eine klare Absage erteilten. "Die Leute, die hier ihren Respekt zum Ausdruck bringen, sind des gleichen Geistes Kinder wie jene, die den 17-Jährigen in Emden aufknüpfen wollten, der sich hinterher als unschuldig erwies", bemerkt ein Facebook-User. "Wer Hürden jenseits der zwei Meter mit bloßer Körperkraft überwinden kann, der sollte über solche Dinge nur lachen können", mahnt ein anderer.

Mit Blick auf den bürgerlichen Beruf der Hochspringerin schreibt ein anderer Diskussionsteilnehmer: "Mich würde ja mal die Reaktion von Frau Friedrich interessieren, wenn man das gleiche mit Polizeibeamten macht, die gegen Gesetze verstoßen."

Bei Facebook hatte die Polizeikommissarin Vornamen, Nachnamen und den Wohnort des Mannes veröffentlicht. Dieses "Herausnehmen aus der Anonymität ist meines Erachtens ein Mittel, um zu verdeutlichen, dass ich bereit bin, aktiv zu handeln". Es sei ein großer Schritt, "solch eine unverschämte E-Mail öffentlich zu machen".

Trainer sorgt sich um Auswirkungen für Olympia-Vorbereitung

Friedrichs Manager und Trainer Günter Eisinger versuchte, die Wogen zu glätten: "Das Thema hat nichts mit der Öffentlichkeit zu tun", betonte er. Eisinger befürchtet, dass sich der Vorfall störend auf die Olympia-Vorbereitung seiner Athletin auswirkt.

Zuletzt war das Erfolgsduo 17 Tage lang im Trainingslager in Pretoria/Südafrika. "Das Training läuft wunderbar, aber Ariane muss das erst wieder umsetzen und den Kopf frei haben", so Eisinger. "Wir können keine Stressfaktoren gebrauchen."

Friedrich ist mit 2,06 Metern deutsche Rekordhalterin im Hochsprung. Im Dezember 2010 riss ihre Achillessehne am linken Fuß. Erst 13 Monate später trat sie zum Comeback an und landete beim Internationalen Meeting im tschechischen Hustopece auf dem letzten Platz.

2009 kamen Gerüchte um eine angebliche Magersucht auf, die Friedrich vehement bestritt: "Ich finde diese Andeutungen wirklich bescheuert. Ich bin eine Springerin, die viel von der Kraft lebt. Jeder weiß doch, wie schwach und elend er sich fühlt, wenn er sich mal übergeben musste", sagte sie dem "Tagesspiegel".

Friedrich polarisiert in der Szene, für einige ist sie einfach ein Charakter, der dem Sport gut zu Gesicht steht, andere empfinden sie als arrogant. "Das ist mein Los, ich kann's leider nicht ändern. Ich bin einfach fokussiert auf mein Ziel: hoch springen. Und das geht im Wettkampf nicht, wenn ich jedem die Hand schüttele und Tänzchen aufführe", so die Sportlerin.

ala/bka/dpa

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insgesamt 605 Beiträge
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1.
klauslynx 22.04.2012
Hier wehrt sich eben ein Opfer in möglicherweise nicht üblichem Rahmen. Wenn es tatsächlicher der Stalker war, dann ist es richtig.Prinzip Opferschutz, nicht krankhafter Ferkelschutz.
2. Bewertungsportal
Fritz Motzki 22.04.2012
Zitat von sysopLeichtathletik-Ass Ariane Friedrich hat die Nase voll von Stalkern. Ein Unbekannter schickte ihr eine anzügliche E-Mail plus Foto seines Genitals - sie veröffentlichte daraufhin seinen Namen bei Facebook. Jetzt streiten ihre Fans: Darf eine Prominente sich auf diese Art wehren? Internet-Pranger: Sportlerin Friedrich verteidigt Outing eines Stalkers - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,829002,00.html)
Bewertungsportal für Stalker. Die Verfolgten können aufatmen.
3. Der kerl soll froh sein...
vhe 22.04.2012
...dass sie das mitgeschickte Foto nicht auch veröffentlicht hat.
4. Der
legus 22.04.2012
Zitat von vhe...dass sie das mitgeschickte Foto nicht auch veröffentlicht hat.
Ja genau !
5.
FightHopelessness 22.04.2012
[QUOTE=sysop;10061110]Leichtathletik-Ass Ariane Friedrich hat die Nase voll von Stalkern. Ein Unbekannter schickte ihr eine anzügliche E-Mail plus Foto seines Genitals - sie veröffentlichte daraufhin seinen Namen bei Facebook. Jetzt streiten ihre Fans: Darf eine Prominente sich auf diese Art wehren? [Es wäre eher gut, wenn unsere schon Vorhandenen Gesetzesrichtlinien intensiver verwendet werden würden, damit Reaktionen wie die von Frau Friedrich nicht mehr gebraucht werden. Früher war der Pranger überall, abgelöst von eigentlich durchdachten Gestzen, jetzt geht es wohl wieder in die andere Richtung...
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