Fall Marwa Familie protestiert gegen Einstellung der Ermittlungen gegen Justizbeamte

Im letzten Juli wurde die Ägypterin Marwa al-Schirbini in einem Dresdner Gericht erstochen. Ein Polizist feuerte daraufhin nicht auf den Täter, sondern auf den Ehemann. Gegen ihn, den Richter und den Landgerichtspräsidenten wurden nun alle Ermittlungen eingestellt, die Familie Marwas ist empört.


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Berlin - Nach der Einstellung aller Ermittlungen im Zusammenhang mit der Ermordung der Ägypterin Marwa al-Schirbini ist der Fall für die Familie noch nicht abgeschlossen. Familienanwalt Khaled Abou Bakrothman sagte der "Bild"-Zeitung, für die Familie sei dies "ein Schock, eine Enttäuschung". Der Ehemann der im Dresdner Landgericht erstochenen Ägypterin, Elwy Okas, sei "sehr wütend" und könne die Entscheidung der sächsischen Justiz nicht verstehen.

Die Staatsanwaltschaft Dresden hatte zuvor Ermittlungen gegen den damaligen Richter und den Präsidenten des Dresdner Landgerichts sowie gegen einen Bundespolizisten, der fälschlicherweise auf Elwy Okas geschossen hatte, eingestellt. "Wir werden diese Entscheidung bis in die höchste Instanz anfechten. Zur Not gehen wir vor den Europäischen Gerichtshof", kündigte der Familienanwalt an.

Die Ägypterin war im vergangenen Juli aus ausländerfeindlichen Motiven während einer Gerichtsverhandlung im Dresdner Landgericht erstochen worden. Ihr Ehemann wurde von dem inzwischen zu lebenslanger Haft verurteilten Angreifer und durch den Schuss eines herbeigeeilten Bundespolizisten, der ihn irrtümlich für den Täter gehalten hatte, schwer verletzt.

pat/ AFP



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mm01 02.01.2010
1. Empörung
Zitat von sysopIm letzten Juli wurde die Ägypterin Marwa El-Sherbini in einem Dresdner Gericht erstochen. Ein Polizist feuerte daraufhin nicht auf den Täter, sondern auf den Ehemann. Gegen ihn, den Richter und den Landgerichtspräsidenten wurden nun alle Ermittlungen eingestellt, die Familie Marwa ist empört. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,669817,00.html
Ich bin auch empört. Allerdings wegen des Ansinnens der Familie Marwa.
Pacolito, 02.01.2010
2. Nunja...
Zitat von mm01Ich bin auch empört. Allerdings wegen des Ansinnens der Familie Marwa.
Nunja... Dass die Familie den Polizisten, der den Ehemann fast erschossen hätte, anstatt den Täter davon abzuhalten, Frau Marwa El-Sherbini zu ermorden, gerne vor einem Gericht sehen würde, ist sicher nachzuvollziehen, meinen Sie nicht? Zudem bin ich mir fast sicher: Hätte ein herbeieilender Gerichtsreporter oder Zeuge eines anderen Falles eingegriffen und in ähnlicher Falscheinschätzung der Lage dem Ehemann mit einem Stuhlbein eins über den Schädel gezogen, so würde dieser sicherlich in den Genuß umfangreicher Kenntnisse der Mühlen der deutschen Justiz kommen. Mit Sicherheit würde da ein Verfahren eröffnet werden. Aber in diesem Fall trifft es eben mal wieder einen Polizisten und Angehörige der Justiz selber. Natürlich wird da nichts verhandelt. Diesbezügliche Fälle häufen sich. Man könnte meinen, dass das Methode hat.
Brand-Redner 02.01.2010
3. Zustimmung
Zitat von PacolitoNunja... Dass die Familie den Polizisten, der den Ehemann fast erschossen hätte, anstatt den Täter davon abzuhalten, Frau Marwa El-Sherbini zu ermorden, gerne vor einem Gericht sehen würde, ist sicher nachzuvollziehen, meinen Sie nicht? Zudem bin ich mir fast sicher: Hätte ein herbeieilender Gerichtsreporter oder Zeuge eines anderen Falles eingegriffen und in ähnlicher Falscheinschätzung der Lage dem Ehemann mit einem Stuhlbein eins über den Schädel gezogen, so würde dieser sicherlich in den Genuß umfangreicher Kenntnisse der Mühlen der deutschen Justiz kommen. Mit Sicherheit würde da ein Verfahren eröffnet werden. Aber in diesem Fall trifft es eben mal wieder einen Polizisten und Angehörige der Justiz selber. Natürlich wird da nichts verhandelt. Diesbezügliche Fälle häufen sich. Man könnte meinen, dass das Methode hat.
mr_supersonic 02.01.2010
4. Super, erst tausend Fehler machen und sich jetzt davonschleichen....
Zitat von sysopIm letzten Juli wurde die Ägypterin Marwa El-Sherbini in einem Dresdner Gericht erstochen. Ein Polizist feuerte daraufhin nicht auf den Täter, sondern auf den Ehemann. Gegen ihn, den Richter und den Landgerichtspräsidenten wurden nun alle Ermittlungen eingestellt, die Familie Marwa ist empört. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,669817,00.html
Ja super, erst wird die Frau seelenruhig von einem Rassisten im Gericht erstochen, der Mann von einem Polizisten niedergeschossen und jetzt stellt man die Untersuchungen ein. Ist ja normal dass man als Polizist einfach mal jemanden anschießt.... Ich wünsche der Familie durchhaltevermögen, ich hoffe dass dieser Fall umfassend geklärt wird!!
Brand-Redner 02.01.2010
5. techn. Korrektur
Zitat von PacolitoNunja... Dass die Familie den Polizisten, der den Ehemann fast erschossen hätte, anstatt den Täter davon abzuhalten, Frau Marwa El-Sherbini zu ermorden, gerne vor einem Gericht sehen würde, ist sicher nachzuvollziehen, meinen Sie nicht? Zudem bin ich mir fast sicher: Hätte ein herbeieilender Gerichtsreporter oder Zeuge eines anderen Falles eingegriffen und in ähnlicher Falscheinschätzung der Lage dem Ehemann mit einem Stuhlbein eins über den Schädel gezogen, so würde dieser sicherlich in den Genuß umfangreicher Kenntnisse der Mühlen der deutschen Justiz kommen. Mit Sicherheit würde da ein Verfahren eröffnet werden. Aber in diesem Fall trifft es eben mal wieder einen Polizisten und Angehörige der Justiz selber. Natürlich wird da nichts verhandelt. Diesbezügliche Fälle häufen sich. Man könnte meinen, dass das Methode hat.
Ihrer Argumentation kann ich mich in allen Punkten anschließen. Aber der eigentliche Justizskandal steht uns möglicherweise noch bevor. Juristen aus meinem Bekanntenkreis diskutieren bereits offen darüber, dass der Revisionsantrag - im Unterschied zum hier diskutierten Ansinnen der Opferfamilie - mal wieder Erfolg haben dürfte und höchstwahrscheinlich zu einem verminderten Strafmaß führen wird. Aus formalen Gründen, versteht sich.
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