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Familienhelfer im Auftrag des Jugendamtes: "Ich will kein Detektiv sein"

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Jessica, Kevin, Chantal - wenn ein Kind stirbt, steht das Jugendamt am Pranger. Zu Recht? Zwei Familienhelfer, die im Auftrag der Behörden Eltern und Kinder betreuen, berichten von ihren Erfahrungen und der Illusion, alles verhindern zu können.

Kind in Wohnsiedlung (Symbolfoto): Schwierige Arbeit für das Jugendamt Zur Großansicht
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Kind in Wohnsiedlung (Symbolfoto): Schwierige Arbeit für das Jugendamt

In Leipzig stirbt ein zweijähriger Junge neben der Leiche seiner drogensüchtigen Mutter. Im baden-württembergischen Aldingen verdurstet ein Kleinkind in einer verwahrlosten Wohnung. In Hamburg kommt die elfjährige Chantal durch eine Überdosis Methadon in einer Pflegefamilie ums Leben.

Drei Fälle, alle aus dem Jahr 2012. Bei jedem stellt sich die Frage nach einem Versagen der Behörden. Alle Familien waren dem Jugendamt bekannt, teilweise seit Jahren. Besonders bei Chantal rückte die Rolle der freien Träger in den Fokus. Mitarbeiter eines solchen externen, vom Jugendamt beauftragten Anbieters hatten die Familie betreut.

Das war keine Ausnahme. Freie Träger haben laut der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik (akjstat) an der TU Dortmund in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe übernommen. Anfang 2011 arbeiteten von den etwa 730.000 Personen in diesem Bereich rund 495.000 bei freien Trägern.

Wenn die Behörden das Wohl eines Kindes als gefährdet ansehen, können sie Minderjährige aus den Familien nehmen. Das ist allerdings eine große Ausnahme, 2010 gab es laut akjstat in Deutschland knapp 36.500-mal solche Fälle. In rund drei Vierteln der Fälle wegen Gefährdungen der Kinder und Jugendlichen, beim Rest auf Wunsch der Minderjährigen.

Viel häufiger kümmern sich Jugendämter und Mitarbeiter freier Träger um weniger dramatische Themen. Sie erledigen mit Klienten Behördengänge, helfen Familien, den Tagesablauf zu strukturieren, ordnen Finanzen, gehen mit den Kindern zum Arzt, helfen bei der Planung des täglichen Einkaufs.

Ist die Kritik an Jugendämtern berechtigt? Lassen sich Fälle wie in Aldingen oder Leipzig verhindern? SPIEGEL ONLINE hat mit zwei Familienhelfern gesprochen, die im Auftrag des Jugendamtes Eltern und Kinder betreuen.

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