Familiensynode im Vatikan Kardinal Marx lobt "offene und ehrliche" Diskussion

Bischöfe aus der ganzen Welt diskutieren derzeit im Vatikan über Ehe, Familie und Sexualität. Kardinal Reinhard Marx sieht Fortschritte und lobt die offene Diskussion. Allerdings spricht er auch von Spannungen.

Kardinal Reinhard Marx zu Beginn der Familiensynode im Vatikan: Rund 200 Bischöfe beraten über Ehe, Familie und Sexualität
Getty Images

Kardinal Reinhard Marx zu Beginn der Familiensynode im Vatikan: Rund 200 Bischöfe beraten über Ehe, Familie und Sexualität


Rom - Seit mehr als einer Woche beraten rund 200 Bischöfe aus aller Welt im Vatikan über Ehe, Familie und Sexualmoral. Und das offenbar mit Erfolg: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sieht die Gespräche auf gutem Weg.

"Wir haben bisher eine offene und ehrliche und in den Themen breitgefächerte Diskussion erlebt", erklärte der Münchner Erzbischof laut einer Mitteilung am Dienstag. Papst Franziskus habe die Teilnehmer zu Beginn ermutigt, offen zu sprechen und zuzuhören. "Das ist gelungen", betonte Marx. Allerdings liege vor den Bischöfen bis zum Abschluss der Synode am kommenden Wochenende noch ein ganzes Stück Arbeit.

Konkret geht es um Fragen wie Scheidung, Verhütung oder die Homo-Ehe. Bereits am Montag hatte sich der Vatikan einem Zwischenbericht ungewohnt offen über die gleichgeschlechtliche liebe geäußert. Homosexuelle könnten die christliche Gemeinschaft bereichern, heißt es in dem Dokument. Erstmals wird darin die Frage aufgeworfen, ob die Kirche diese Menschen willkommen heiße und ihnen einen "brüderlichen Platz" in den Gemeinden anbieten könne, ohne die katholischen Vorstellungen von Ehe und Familie zu verletzen. Über den Bericht wird in dieser Woche weiter beraten.

Marx sieht auch Spannungen

Die römisch-katholische Kirche verurteilt homosexuelle Handlungen und lehnt die gleichgeschlechtliche Ehe ab. In dem Bericht gibt es zwar keine Hinweise, dass sie von dieser Haltung abrückt. Doch die Formulierungen heben sich deutlich von früheren Erklärungen ab, die unter den Vorgängern von Papst Franziskus veröffentlicht wurden.

Marx bewertet das vorläufige Papier als wichtige Etappe. Er spüre durchaus die Spannung "zwischen denen, die die Lehre ins Zentrum stellen, und denen, die vom Leben der Menschen ausgehen", erklärte der Kardinal. Die Synode endet am Sonntag mit der Seligsprechung von Papst Paul VI., das abschließende Dokument des zweiwöchigen Treffens soll am Samstag veröffentlicht werden. Es dürfte als Basis für die Synode im Jahr 2015 dienen, die vom 4. bis 25. Oktober stattfinden wird.

kis/dpa/Reuters

insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
udo46 15.10.2014
1.
Na, das passt ja wunderbar. Zum krönenden Abschluss der Synode die Seligsprechung von Pillen-Paul. Da weiss man, wo`s wirklich lang geht bei der RKK.
demophon 15.10.2014
2. Sehr schwierig bis unmöglich
Zitat von udo46Na, das passt ja wunderbar. Zum krönenden Abschluss der Synode die Seligsprechung von Pillen-Paul. Da weiss man, wo`s wirklich lang geht bei der RKK.
Die Seligsprechung ist das Thema, bei dem es am einfachsten ist, bei allen anwesenden Bischöfen aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Bei den kontroversen Themen wird es sehr schwierig bis unmöglich sein, einen von allen unterstützten moderneren Kurs zu finden. Dafür sind zahlreiche Herkunftsländer noch viel zu rückständig.
udo46 15.10.2014
3.
Zitat von demophonDie Seligsprechung ist das Thema, bei dem es am einfachsten ist, bei allen anwesenden Bischöfen aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Bei den kontroversen Themen wird es sehr schwierig bis unmöglich sein, einen von allen unterstützten moderneren Kurs zu finden. Dafür sind zahlreiche Herkunftsländer noch viel zu rückständig.
Natürlich ist die Seligsprechung Papst Pauls VI. nicht kontrovers, weil die Mehrheit der Synodalen dessen Sittlichkeitsverständnis vermutlich zustimmen. Papst Paul VI. hatte in seiner letzten Enzyklika "Humanae Vitae" in Sachen Ehe, Verhütung etc. einen erzkonservativen bis reaktionären Standpunkt vertreten und für verbindlich für die Gläubigen erklärt. Und genauso tickt die aktuelle Synode (siehe den neuesten SPON-Artikel über die Reaktion von Grossinquisitor Müller und Konsorten). Auch der Papst tendiert im Zweifel eher zu den Konservativen als zu den paar liberalen deutschen Einzelkämpfern. Schon das wenige, was in dem Arbeitspapier als Bewegung in die "modernistische" Richtung gedeutet wird, wird niedergemacht, obwohl wirklich fast nichts darin von der herrschenden Sittenlehre (siehe Katechismus) abweicht. Bei Lichte betrachtet ist in dem Papier wenig neue Substanz enthalten. Darum passt die Seligsprechung gut ins Bild als zusätzliche symbolische Handlung gegen den "Zeitgeist".
HerrderRinge4711 16.10.2014
4. Seligsprechung
Ich weiß nicht, ob meine Vorredner hier im Forum überhaupt wissen, wie eine Seligsprechung, bzw. das vorangehende Verfahren in der kath. Kirche überhaupt verläuft, zumindest zeugen die Kommentare nicht von viel entsprechendem Wissen... Die Enzyklika Humanae vitae ist nur insofern relevant, als alle Schriften des Kandidaten für eine Seligsprechung geprüft werden (und dass hier häretische Gedanken geäußert würden kann man nun wirklich nicht behaupten). Ob er aber seliggesprochen werden kann oder nicht, darüber entscheidet eine Kommision und entscheidend ist ob ein Wunder (heute fast ausschließlich von Medizinern bestätigte Heilungswunder) nachgewiesen werden kann, dass nach Anrufung des Kandidaten gewirkt wurde. Das war bei Papst Paul VI. der Fall. Wieso sollte sich da Widerstand regen?
udo46 17.10.2014
5.
Zitat von HerrderRinge4711Ich weiß nicht, ob meine Vorredner hier im Forum überhaupt wissen, wie eine Seligsprechung, bzw. das vorangehende Verfahren in der kath. Kirche überhaupt verläuft, zumindest zeugen die Kommentare nicht von viel entsprechendem Wissen... Die Enzyklika Humanae vitae ist nur insofern relevant, als alle Schriften des Kandidaten für eine Seligsprechung geprüft werden (und dass hier häretische Gedanken geäußert würden kann man nun wirklich nicht behaupten). Ob er aber seliggesprochen werden kann oder nicht, darüber entscheidet eine Kommision und entscheidend ist ob ein Wunder (heute fast ausschließlich von Medizinern bestätigte Heilungswunder) nachgewiesen werden kann, dass nach Anrufung des Kandidaten gewirkt wurde. Das war bei Papst Paul VI. der Fall. Wieso sollte sich da Widerstand regen?
Sag ich doch. Alle einer Meinung im Kardinalskollegium. Deshalb wird auch alles beim Alten bleiben in Sachen Sittenkodex - kosmetische Änderungen mal aussen vor gelassen. Aber der Zeitpunkt ist schon merkwürdig und sicher kein Zufall. Ausgerechnet als Abschlusshöhepunkt einer Synode über u.a. auch Verhütung wird dieser Mann selig gesprochen. Denn ausser über seine Pillen-Enzyklika ist über diesen Mann in der Öffentlichkeit - auch in der katholischen Öffentlichkeit - wenig bekannt. Der Mann ist quasi das Synonym für das Verbot künstlicher Verhütung durch die RKK. Einen anderen Zeitpunkt zu wählen, wäre überhaupt kein Problem gewesen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.