Weihnachten im Kölner Dom: Femen-Aktivistin springt vor Kardinal Meisner nackt auf Altar

Schockierender Moment für Kölns Kardinal: Ausgerechnet an dessen Geburtstag sprang vor seinen Augen während des Weihnachtsgottesdienstes eine nackte Femen-Aktivistin auf den Altar. Ihr Protest richtete sich nach eigener Aussage direkt gegen Joachim Meisner. Der schloss sie ins Gebet ein.

Femen-Frauen am Fest: Weihnachten fällt aus! Fotos
DPA/ Elke Lehrenkrauss

Köln - Kurz nach Beginn der morgendlichen Weihnachtsmesse im Kölner Dom stürmte die 20-jährige Femen-Aktivistin Josephine Witt aus der ersten Reihe nach vorne und sprang nur mit einem Slip bekleidet auf den Altar. Sie hatte sich die Worte "I am God" ("Ich bin Gott") auf den Oberkörper gemalt. Vor den Augen von Erzbischof Joachim Kardinal Meisner wurde die Frau von den Sicherheitskräften im Dom abgeführt.

Witt, die sich selbst auch Markmann nennt, wurde durch verschiedene Femen-Protestaktionen, unter anderem gegen Wladimir Putin, bekannt. Ende Mai gehörte sie zu den Femen-Aktivistinnen, die nach einem Nacktprotest in Tunesien verhaftet und zu vier Monaten Gefängnis verurteilt wurden. Die Frauen kamen mit diplomatischer Hilfe im Juni 2013 wieder frei.

Bis zum Beginn des katholischen Gottesdienstes saß Witt nach Polizeiangaben mit einem Ledermantel, einem Kleid und Kopftuch bekleidet in der ersten Reihe. Gegen 10.05 Uhr riss sie sich die Kleidung herunter und stürmte auf den Altar.

Witt wurde umgehend von den sogenannten Domschweizern, der Domwache, ergriffen und abgeführt. Die Polizei setzte die Frau bis zum Ende des Gottesdienstes fest und erstattete Anzeige wegen Störung der Religionsausübung und Hausfriedensbruchs.

"Es war ein geplanter Monoprotest, es passte so einfacher besser, als wenn mehrere Frauen eingebunden gewesen wären", sagte Witt der Nachrichtenagentur dpa. Mit der Aktion wolle Femen International gegen das Machtmonopol der katholischen Kirche protestieren.

Der ganze Vorgang dauerte offenbar nur wenige Minuten. Einem Bericht des "Kölner Stadtanzeiger" zufolge segnete Meisner den Altar nach dem Vorfall mit einem kurzen Ritual neu ein und führte den Gottesdienst fort. Man wolle Weihnachten feiern und sich die Stimmung nicht vermiesen lassen. Am Ende des Gottesdienstes schloss er die Aktivistin in sein Gebet mit ein.

Meisner, der noch in der ersten Jahreshälfte 2014 von seinem Amt zurücktreten wird, gilt als einer der konservativsten Kardinäle der Kurie. Der oft als Hardliner kritisierte ranghöchste deutsche Kardinal hatte zuletzt von sich reden gemacht, als er öffentlich klarmachte, dass er keinerlei Reformbedarf innerhalb der katholischen Kirche erkennen könne. Meisner wurde am ersten Weihnachtstag 80 Jahre alt.

pat/dpa

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