Finanzen des Bistums Limburg "Nur ein paar Millionen"

31 Millionen Euro wird die Limburger Bischofsresidenz mindestens kosten, bezahlt aus Kirchensteuergeldern und vor allem aus Mitteln des Bischöflichen Stuhls. Wie groß dieses Vermögen ist, hält die Kirche geheim - dabei wäre Transparenz angebracht.

Limburger Dom: Teure Baustelle nebenan
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Limburger Dom: Teure Baustelle nebenan

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Die Kostenexplosion beim Bau der Limburger Bischofsresidenz wirft ein Schlaglicht auf die Finanzen des Bistums, insbesondere die des Bischöflichen Stuhls. Der Prunkbau auf dem historischen Hügel der Stadt verträgt sich nicht mit der Bescheidenheitsbotschaft von Papst Franziskus. Und er kommt schlecht an in einem Bistum, das seinen Gemeinden vor wenigen Jahren ein Sparprogramm auferlegte, um 32 Millionen Euro einzusparen. Das ist zufällig fast genau so viel, wie nun die Bischofsresidenz kosten soll: 31 Millionen, ein Zigfaches der ursprünglich veranschlagten Summe.

Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sieht sich deswegen mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Die dürften noch lauter werden, weil die Staatsanwaltschaft Hamburg gegen ihn einen Strafbefehl wegen falscher eidesstattlicher Erklärungen beantragt hat.

Tebartz-van Elsts undurchsichtiges finanzielles Gebaren passt zur katholischen Kirche. Als der SPIEGEL 2010 alle 27 deutschen Bistümer um Auskunft über ihren Vermögenshaushalt bat, verweigerten 25 die Auskunft. So führen die Bistümer eine Art Doppelhaushalt: Auf der einen Seite ihr geheimes Vermögen, auf der anderen der laufende Haushalt, größtenteils gespeist aus Kirchensteuereinnahmen.

Das Bistum Limburg etwa verfügte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr über ein Budget von 200,2 Millionen Euro. Der größte Teil von 167,1 Millionen stammt aus der Kirchensteuer. Mit 93,2 Millionen wurde mehr als die Hälfte davon für "Seelsorge" ausgegeben. Darunter fallen Zuschüsse für Pfarrbüros, Mitarbeiter, Tageseinrichtungen für Kinder und zum Unterhalt von Gebäuden.

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Tebartz-van Elst: Bilder aus dem Limburger Skandalbau

"Das sind nur ein paar Millionen, das spielt keine große Rolle"

All das wird veröffentlicht - nicht aber das Vermögen des Bischöflichen Stuhls. Diesen Topf kennen nur der Bischof und wenige Eingeweihte. So bleibt der Kassensturz in Limburg wie anderswo unvollständig.

Dabei wäre mehr Transparenz geboten. Im Jahr 2008 wurde der Leiter einer kirchlichen Finanzverwaltung im Bistum Limburg zu über sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Der Mann, der auch Geschäftsführer der katholischen Gemeinde in Limburg war, hatte ungehinderten Zugriff auf Kirchengelder und knapp fünf Millionen Euro veruntreut. Das Bistum musste Fehler bei der Finanzkontrolle eingestehen.

Wer wissen will, woher das Vermögen des Bischöflichen Stuhls stammt, muss knapp 200 Jahre zurückschauen. Das Bistum Limburg wurde 1827 gegründet. Wilhelm, Herzog von Nassau, spendierte ein Vermögen, das es dem Bischof ermöglichen sollte, seinen Unterhalt zu bestreiten und seine Aufgaben zu erfüllen.

Das Bistum schweigt sich dazu aus, wie groß das Vermögen inzwischen geworden ist. Schätzungen gehen von einem mindestens hohen zweistelligen Millionenbetrag aus. In einem Buch über die Finanzpolitik der katholischen Kirche aus dem Jahr 2006 wird allerdings der damalige Pressesprecher des Limburger Bistums zum Vermögen des Bischöflichen Stuhls zitiert: "Das veröffentlichen wir nicht, obwohl das völliger Unsinn ist, denn das sind nur ein paar Millionen, das spielt keine große Rolle."

Aktuell heißt es auf der Website lediglich, der Bischöfliche Stuhl sei durch den Herzog "mit Vermögenswerten ausgestattet" worden. Diese sollten "erhalten bleiben", weswegen das Geld so angelegt werden müsse, um die Verpflichtungen des Bischöflichen Stuhls aus den laufenden Einnahmen bezahlen zu können.

2,5 Millionen Euro Kirchensteuern wurden für den Bau der Bischofsresidenz abgestellt. Der zweite - wie inzwischen bekannt ist, weitaus größere Teil - stammt aus dem Vermögen des Bischöflichen Stuhls. Prinzipiell ist daran nichts auszusetzen. Das Vermögen darf für verschiedene Aufgaben eingesetzt werden. Dazu gehört auch die "Bereitstellung von Wohn- und Arbeitsräumen für den Bischof von Limburg", wie das Bistum betont.

Es legt Wert darauf, dass Tebartz-van Elst keinesfalls beliebig auf das Vermögen des Bischöflichen Stuhls zurückgreifen könne. Vielmehr werde es jährlich von Wirtschaftsprüfern kontrolliert. Zudem müsse der Vermögensverwaltungsrat den Ausgaben zustimmen.

Dem 2010 gegründeten Gremium gehören Jochen Riebel, Theodor-Michael Lucas und Carl-Friedrich Leuschner an. Riebel ist ehemaliger Leiter der Hessischen Staatskanzlei, Lucas Vorstandsprecher eines großen Trägers von Sozialeinrichtungen, Leuschner Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.

Ausgerechnet dieses Gremium hat sich gegen Tebartz-van Elst gewandt. Tebartz-van Elst habe den Rat "hinter das Licht geführt", der Bischof sei "entweder ein raffinierter Betrüger oder krank", sagte Riebel. Der Bischof habe die Kostensteigerungen zum Teil selbst verursacht, etwa durch ständige Neu- und Umplanungen sowie Änderungswünsche.

Und trotz mehrfacher Aufforderung habe Tebartz-van Elst weder Haushalte des Bischöflichen Stuhls für 2012 und 2013 noch Einzelprojekte vorgelegt, wie es Pflicht gewesen wäre.

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hape72 10.10.2013
1. Verstehe gar nicht warum man sich aufregt!
Von mir aus koennten die nochmal 50 Mio verbauen! Besser, ein paar lokale Firmen verdienen kraeftig dran anstatt dass die unzaehligen Millionen auf irgendwelchen Konten gebunkert bleiben!
Volker von Alzey, 10.10.2013
2. Keine Verpflichtung zur Offenlegung
Zitat von sysopDPA31 Millionen Euro wird die Limburger Bischofsresidenz mindestens kosten, bezahlt aus Kirchensteuergeldern und vor allem aus Mitteln des Bischöflichen Stuhls. Wie groß dieses Vermögen ist, hält die Kirche geheim - dabei wäre Transparenz angebracht. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/finanzen-des-bistums-limburg-a-927168.html
Nichts wird geheim gehalten. Bitte informieren: Gemäß dem in der Weimarer Verfassung 1919 erstmals verankerten Selbstbestimmungsrecht der Kirchen sind die Bischöfe über Einkünfte und Ausgaben des "Bischöflichen Stuhls" gegenüber staatlichen Stellen nicht zur Rechenschaft verpflichtet. Warum also sollte hiervon entsprechend der Gesetzeslage abgewichen werden?
bcb86 10.10.2013
3. eben,
gebt den braven Kirchensteuerzahlern das Geld in Form von Handwerkslöhnen wieder... Nochmal abreißen und neu bauen bitte, immerhin ist's wirklich nicht schick...
Alias_aka_InCognito 10.10.2013
4. Kulturbewahrer
Zitat von hape72Von mir aus koennten die nochmal 50 Mio verbauen! Besser, ein paar lokale Firmen verdienen kraeftig dran anstatt dass die unzaehligen Millionen auf irgendwelchen Konten gebunkert bleiben!
Also ich verstehe echt die Aufregung nicht. Der Bischof ist ein Träger von spiritueller abendländlicher Kultur und will etwas nachhaltiges für sein Bistum schaffen. Für die Mitglieder seiner Gemeinde, sofern sie nicht zu den kalten, erbsenzählenden Krämerseelenfraktion angehören, ist der Bischofssitz etwas Erhabenes und Erbauendes. So kann die Kultur und Tradition in die heutige und für die Nachwelt erhalten bleiben. Er hat auch die lokale Bauwirtschaft in Schwung gebracht. Er will alte Tradition mit moderner Architektur vereinen, um der wunderschönen Stadt Limburg eine weiteren Bezugspunkt zu geben. Ich finde heutzutage sollte mehr auch nicht kommerziell und gewerblich gebaut werden, denn diese ganzen Platten- und Boxenarchitektur in den Innenstädten deutscher Städte sind einfach grausig.
sok1950 10.10.2013
5. bei einem Budget von jährlich 200,2 Millionen Euro
31 Mill. für einen Bau, welcher Wertstabil und ohne Schulden ist, auszugeben, zeugt von Weitsicht. Die Mehrheit gibt doch das zehnfache des eigenen Einkommens für Eigentumswohnung/Eigenheim aus und verschuldet sich für Jahrzehnte. Besser ausgeben und damit Unternehmen unterstützen als von Banken verzocken lassen.
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