Florida Sechsjähriger stirbt nach Fledermaus-Kratzer an Tollwut

Seine Neugier ist einem Erstklässler aus dem US-Bundesstaat Florida zum Verhängnis geworden: Er berührte eine Fledermaus und wurde von ihr gekratzt. Kurz darauf starb er an Tollwut.

Fledermaus der Art Großes Mausohr (Myotis myotis)
DPA

Fledermaus der Art Großes Mausohr (Myotis myotis)


Der sechsjährige Ryker Roque aus Eustis im US-Bundesstaat Florida liebte Tiere. Seine Eltern berichteten dem "Orlando Sentinel", ihr Sohn sei für sein Leben gern durch die Wälder gestreift und regelmäßig mit einem Käfer oder eine Eidechse in der Hand zurückgekehrt.

Vor knapp zwei Wochen brachte Henry Roque eine kranke Fledermaus mit nach Hause, die er gefunden hatte. "Ich habe sie in einen kleinen Eimer gesetzt, auf die Veranda gestellt und meinem Sohn gesagt, er solle sie auf keinen Fall anfassen", sagte der Vater dem Sender NBC News. Doch der kleine Ryker habe offenbar die Hand nach dem Tier ausgestreckt. "Es hat mich nur gekratzt", soll der Sechsjährige hinterher gesagt haben. Die Folgen waren fatal.

Nach etwa einer Woche wurde die Fingerspitzen des Kindes taub, es klagte über Kopfschmerzen und fing an zu halluzinieren. Die erschrockenen Eltern vermuteten, er habe sich beim Spielen verletzt und brachten ihn ins Krankenhaus. Als die behandelnden Ärzte von dem Fledermaus-Kratzer hörten, waren sie alarmiert: Vermutlich hatte der Junge sich mit Tollwut infiziert.

Eine Woche lang kämpften die Ärzte in der Arnold-Palmer-Klinik in Orlando um das Leben des kleinen Jungen. Sie wandten das sogenannte "Milwaukee-Protokoll" an, eine Behandlungsform, die von Rodney Willoughby vom Kinderkrankenhaus in Wisconsin entwickelt wurde. Dabei wird der Patient in ein künstliches Koma versetzt und bekommt gleichzeitig antivirale Medikamente. Doch der Erfolg blieb aus: Am Sonntag starb der Sechsjährige an den Folgen der Infektion.

"Wir sind so traurig, dass Ryker seinen Kampf verloren hat", schrieben die Eltern im Internet. "Aber in unseren Herzen ist er ein Gewinner. Unser kleines Baby ist jetzt ein Engel." Der Vater sagte, er habe nach dem mutmaßlichen Kratzer noch gegoogelt, was zu tun sei, und gelesen, man solle sich die Hände fünf Minuten lang mit Seife und heißem Wasser waschen.

Sehr schnell wurde in den sozialen Netzwerken Kritik an den Eltern laut. Ersten Berichten zufolge wird es aber in dem Todesfall keine polizeilichen Ermittlungen geben. "Das Ganze ist auch so schon schlimm genug", sagte der Sheriff von Lake County, Chris DeLibro, dem Sender ABC News.

Die Eltern wussten laut eigener Aussage nicht, dass Fledermäuse Tollwut übertragen können. Jetzt ist die Trauer so groß, dass sie wegziehen wollen. "Wir können hier nicht mehr leben", sagte Michelle Roque dem "Orlando Sentinel". "Der Schmerz ist zu groß."

Tollwut wird durch Bisse oder Kratzer übertragen, der Kontakt menschlicher Schleimhaut mit dem Speichel eines infizierten Tieres kann zur Erkrankung führen.

In den USA gab es in den vergangenen zehn Jahren weniger als ein Dutzend Todesfälle durch Tollwut, 2017 war es landesweit einer. Das Gesundheitsamt in Lake County warnte davor, freilebende Tiere mit nach Hause zu nehmen und forderte dazu auf, Tollwutimpfungen regelmäßig aufzufrischen.

"Es ist sehr wichtig, den direkten Kontakt zu wilden Tieren zu vermeiden", hieß es in einer Verlautbarung der Behörde. "Sollten Sie Kontakt gehabt haben, müssen Sie sich sofort in ärztliche Behandlung begeben."

In Deutschland sind nur einige der 25 Fledermausarten von Tollwut betroffen, laut Friedrich Löffler-Institut (FLI) vor allem Breitflügel- und Isabellfledermäuse, bei denen das European bat lyssavirus 1 (EBLV-1) nachgewiesen wurde. Es gibt verschiedene Tollwutviren, darunter das erst im Jahr 2009 im Körper einer Fransenfledermaus entdeckte Bokeloh Bat Lyssavirus (BBLV) aus dem niedersächsischen Wunstorf-Bokeloh. Rund 90 Prozent der bei uns erkrankten Tiere stammen aus der norddeutschen Tiefebene.

Fledermäuse sind in der Regel nicht aggressiv und meiden den Kontakt mit Menschen. Daher ist eine Ansteckung sehr unwahrscheinlich, wenn man die Tiere nicht berührt.

ala



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