Florida US-Standesbeamte protestieren gegen Homo-Ehe

Sie wollen keine Schwulen und Lesben verheiraten: Aus Protest gegen die Einführung der Homo-Ehe im US-Bundesstaat Florida verweigern Standesbeamte Paaren eine feierliche Zeremonie.

Heirat für gleichgeschlechtliche Paare: Ohne Feierlichkeiten im Standesamt
AFP/ Florida Keys News Bureau

Heirat für gleichgeschlechtliche Paare: Ohne Feierlichkeiten im Standesamt


Florida - Künftig sollen in Florida auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten können, als 36. US-Bundesstaat führt Florida die Homo-Ehe ein. Dagegen protestieren die Leiter einiger Standesämter: In mindestens fünf der 67 Bezirke werden in Zukunft keine feierlichen Hochzeiten in den Verwaltungsgebäuden mehr stattfinden.

"Die Ehe ist für Männer und Frauen geschaffen. Eine Zeremonie zu leiten, die anders wäre, würde gegen meine persönliche Überzeugung verstoßen", sagte Ronnie Fussell aus dem Duval County der "Florida Times-Union" . Deshalb will der Leiter des Standesamtes künftig alle Partner nur noch formlos verheiraten. Zur Ausstellung der Heiratsurkunde zwingt ihn das Gesetz. Auf eine feierliche Zeremonie in eigens dafür eingerichteten Räumen müssen Paare aber verzichten.

Gegen die Abschaffung der Feierlichkeiten haben Schwulenverbände protestiert. Diese Räume für feierliche Zeremonien seien von Steuergeldern finanziert worden, nun habe niemand etwas davon, kommentierte eine Juristin aus Jacksonville die Entscheidung.

"Wir freuen uns auf den 6. Januar."

Im Duval County wurde das letzte Paar am Freitag feierlich getraut. Einen Tag zuvor hatte der US-Richters Robert Hinkle das Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe in Florida endgültig aufgehoben und damit seine Entscheidung aus dem August bestätigt. Die Vereinigung der Standesbeamten von Florida hatte im Sommer bekannt gegeben, dass gleichgeschlechtliche Ehen nur in einem Bezirk von Florida möglich seien - nach Hinkles jüngster Entscheidung muss das ab dem 6. Januar für Schwule und Lesben aber in allen Bezirken möglich sein.

Auch Homosexuellen-Aktivisten begrüßten das Urteil. "Wir freuen uns auf den 6. Januar. Dann können viele Paare, die auf diesen Tag gewartet haben, endlich heiraten", teilte die Homosexuellen-Initiative Equality Florida aus Tampa mit.

Bisher ist zur Homo-Ehe noch keine einheitliche Entscheidung in den USA gefallen: Im Oktober hatte das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten es abgelehnt, über die Rechtmäßigkeit in allen 50 Bundesstaaten zu befinden und eine Grundsatzentscheidung verschoben.

Auf Bundesebene hatte der Oberste Gerichtshof im Juni 2013 ein Gesetz gekippt, dass die Ehe als Zusammenschluss zwischen Mann und Frau definierte. Das sogenannte Gesetz zum Schutz der Ehe (Defense of Marriage Act) aus dem Jahr 1996 hatte festgelegt, dass nur heterosexuelle Ehepartner Vorteile bei Steuern oder Erbschaften erhalten dürfen. Vor einer Grundsatzentscheidung, die den Weg für die gleichgeschlechtliche Ehe in allen Bundesstaaten ebnen würde, scheute der Supreme Court aber auch damals zurück.

joe/Reuters



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