Debatte über Zuwanderung Einsame Krakeeler

Eine laute Minderheit, die sich für "das Volk" hält, will dem Land eine Asylkatastrophe einreden. Eine Studie zeigt, dass dies bei der Mehrheit der Menschen nicht verfängt - also zurück in die Wirklichkeit, bitte.

Kundgebung von "Pro Chemnitz" (am 7. September)
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Kundgebung von "Pro Chemnitz" (am 7. September)

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Leben Sie in panischer Angst vor der Islamisierung Ihrer Heimat? Fürchten Sie Hunderttausende Integrationsverweigerer und kriminelle Zuwanderer? Tja, dann kommt jetzt die schlechte Nachricht: Sie sind mit Ihren Sorgen relativ allein. Und haben die Mehrheit Ihrer Mitbürger gegen sich.

Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber nun einmal mehr wissenschaftlich belegt. Forscher des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration ließen Tausende Menschen befragen und werteten diese repräsentative Erhebung aus. Ergebnis: "Das Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft wird überwiegend positiv wahrgenommen."

Obwohl Trollarmeen, Fake-News-Schleudern und parlamentarische Panikmacher seit Jahren das Zerrbild des Flüchtlings als messerstechendem Invasoren verbreiten, hat sich die verbreitete Einstellung in der Asyldebatte kaum verändert: Die Mehrheit der Menschen hält Migranten nach wie vor für eine Bereicherung und befürwortet Zuwanderung. Das ist kein linksgrünversiffter Lügenpresse-Quatsch, sondern ein empirisch belegter Befund.

Wenn also Einwanderungsgegner vorgeben, für "das Volk" zu sprechen und "Mut zur Wahrheit" fordern, mögen sie sich diese Wahrheit vor Augen halten: Es gibt keine "schweigende Mehrheit". Wir leben in einer pluralistischen, komplexen Einwanderungsgesellschaft, die offenbar überfordert ist. Die tatsächliche Mehrheit im Land hat keine panische Angst vor dem Islam oder Zuwanderern, lässt sich aber von Angsthasen und Panikmachern den Diskurs diktieren.

Man könnte meinen, eine lauthals krakeelende Minderheit hätte putschartig die Kontrolle über die zentralen gesellschaftlichen Debatten übernommen. Selbstverständlich haben Pegida, die AfD oder Thilo Sarrazin das Recht, auf die Straße zu gehen, sich in Parlamente wählen zu lassen und mit populistischen Thesen Geld zu verdienen. Es ist aber keineswegs die Pflicht aller anderen, darauf jedes Mal einzugehen.

Dass es anders geht, zeigte sich jüngst im ZDF-"Sommerinterview". Moderator Thomas Walde konfrontierte AfD-Chef Alexander Gauland mit drängenden Zukunftsfragen: Klimawandel, Rente, Digitalisierung, Wohnungsnot. Solche wichtigen Themen dürfen im asylpolitischen Argumentationsnebel nicht einfach verloren gehen.

Zurück in die Wirklichkeit!

Selbstverständlich ist die Integration Hunderttausender Zuwanderer eine Herausforderung, die sehr konkrete Probleme mit sich bringt: Wer bringt den Neuankömmlingen Deutsch bei? Wie können sie im Arbeitsmarkt und an den Schulen integriert werden? Wo sollen sie wohnen?

Das sind lebensnahe Fragen, mit denen sich übrigens seit Jahren die Gemeinderäte und Stadtverwaltungen der Republik beschäftigen. Auch dazu hat die Mehrheit im Land übrigens eine ziemlich eindeutige Meinung: Mit der Arbeit der Kommunen in der lokalen Asylpolitik sind die allermeisten zufrieden.

Wer sich trotzdem weiterhin einen "Bevölkerungsaustausch" inklusive "Islamisierung" einreden möchte, darf das in einem freien Land tun. Alle anderen sollten sich von dieser Form der Realitätsverweigerung aber nicht ablenken lassen - und schleunigst dem echten Leben zuwenden.

insgesamt 253 Beiträge
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urbanism 17.09.2018
1. die breite Masse schweigt
nur mal so am Rande, die breite Masse schweigt eigentlich in Deutschland. Und dass sind die unberechenbaren Wähler. Weder die Rassisten noch die Anti Rassisten bilden das Wahlvolk ab. Deswegen geht auch jede Wahlprognose zurzeit in die Hose.
tiger-li 17.09.2018
2. Thema fertig
Richtig so! Seit Jahren wird nur noch über Ausländer diskutiert! Ich bin das echt sowas von leid! Passt uns nun über wichtigere Themen reden: Wohnungsbau, Klima, Bildung oder wegen mir auch Arbeitsplätze.... dann schauen wir mal was die Afd da für tolle Lösungen anzubieten hat!!!
treibgut 17.09.2018
3. Also,
ich weiß wirklich nicht, wo Spiegel diese Zuversicht her nimmt. Kenne jede Menge Leute, hauptsächlich bürgerliche Mittelklasse ind mittelgroßer NRW-Stadt, die das anders sehen. Sie krakeelen zwar nicht, laufen aber mit der Faust in der Tasche herum. In der Wahlkabine wird sich das dann zeigen.
blauerapfel 17.09.2018
4. Spricht mir aus dem Herzen
Der Artikel spricht mir aus dem Herzen. Ich habe Freunde, die aus allen Herren Ländern stammen, die allen möglichen Religionen (oder keiner) angehören. Das ist interessant, ein Problem war es nie. Unter meinen Freunden befinden sich allerdings keine Rechten. Da trennt uns zu viel.
christa.hans 17.09.2018
5. Zurück in die Wirklichkeit.
Wie sieht denn die Wirklichkeit aus? Mit der rosaroten Brille "Alles SUPER!" Mit der braunen Brille "Alles Schei...!" Die Wahrheit liegt in der Mitte. Viele Probleme mit denen die sich nicht integrieren wollen und denen die Kriminell sind und leider das Unvermögen der Politik diese Leute aus dem Land zu schaffen. Wie letztens im TV berichtet gut Integrierte werden abgeschoben und Gefährder können bleiben. Dieses versteht kaum einer und daher bleiben die Flüchtlinge Thema Nummer Eins.
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