Als Pate helfen "Natürlich gibt es Konflikte"

In vielen Städten unterstützen Ehrenamtliche als Paten Flüchtlinge und sozial benachteiligte Menschen. Wer macht mit? Und wie gut klappt das? Eine Projektleiterin aus Köln berichtet.

Ein Interview von

Wohngruppe für minderjährige Flüchtlinge in Nürnberg: "Wir erwarten Flexibilität"
DPA

Wohngruppe für minderjährige Flüchtlinge in Nürnberg: "Wir erwarten Flexibilität"


Familienministerin Manuela Schwesig will unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen die Integration erleichtern: Bundesweit sollen in diesem Jahr 25.000 Paten gefunden werden, die ihnen helfen. Dieses Ziel hat das Bundesfamilienministerium in dieser Woche bekannt gegeben.

Die Idee der Partnerschaften ist nicht neu. In zahlreichen Städten engagieren sich Ehrenamtliche auf diese Weise für Flüchtlinge, aber auch für sozial benachteiligte Kinder. So bringt beispielsweise das Projekt "Stuttgarter Paten für Bildung und Zukunft" jedes Jahr 100 Grundschüler und Paten zusammen.

Die Kölner Freiwilligen Agentur organisiert seit 2013 ein Projekt, in dem zwei Mal pro Jahr 30 Paten ein halbes Jahr lang neu zugewiesene Flüchtlingsfamilien unterstützen. Sie begleiten die Familien zu Behörden, Anwälten und Ärzten, unternehmen aber auch Freizeitaktivitäten wie zum Beispiel Zoobesuche. SPIEGEL ONLINE hat mit der Projektleiterin Gabi Klein gesprochen.

Zur Person
  • Privat
    Gabi Klein arbeitet bei der Kölner Freiwilligen Agentur als Projektleiterin. Die Agentur sammelt und organisiert Initiativen, in denen sich Ehrenamtliche engagieren können, und bringt Interessierte mit den Projekten zusammen.
SPIEGEL ONLINE: Ihr Projekt ist im dritten Jahr. Haben Sie noch genügend Freiwillige?

Klein: In der letzten Zeit haben die Nachfragen etwas nachgelassen, aber nach wie vor finden wir genügend Freiwillige. Ob der Rückgang mit der Silvesternacht zu tun hat? Ich glaube nicht. Im vergangenen Sommer hatten wir ein Hoch, aber es haben sich in den vergangenen zwei Jahren zahlreiche Willkommensinitiativen gegründet, in denen sich die Menschen wohnortnah engagieren können, das ist für viele sehr interessant. Nach meinem Gefühl ist das Engagement in Köln insgesamt nicht weniger geworden.

SPIEGEL ONLINE: Wer macht bei Ihrem Projekt mit?

Klein: Die Paten kommen aus der ganzen Gesellschaft. Viele sind Akademiker, insgesamt etwas mehr Frauen als Männer. Und was auffällt: Viele Paten haben selbst einen Migrationshintergrund oder sind sogar selbst nach Deutschland geflüchtet. Viele Kölner suchen einen persönlichen Kontakt zu geflüchteten Menschen und wollen sich vor ihrer Haustür einbringen.

SPIEGEL ONLINE: Können sich die Paten die Familie aussuchen?

Klein: Vor Beginn des Projekts können sich Freiwillige und Flüchtlingsfamilien bewerben. Anhand von Steckbriefen einigen sich die Paten dann untereinander, wer welche Familie übernimmt. Wir erwarten aber Flexibilität. Wünsche, zum Beispiel nach Herkunftsländern oder einer guten Bleibeperspektive, können wir nicht erfüllen, da wir die Familien nicht nach diesen Kriterien auswählen.

SPIEGEL ONLINE: Welche Anforderungen stellen Sie an die Paten?

Klein: Zuallererst müssen sie Zeit mitbringen: ein halbes Jahr lang etwa drei bis fünf Stunden pro Woche; am Anfang etwas mehr, am Ende meist etwas weniger. Dazu kommen andere Fähigkeiten wie Geduld, den Willen sich selbst zu reflektieren, sich für Menschen unterschiedlicher Milieus und Werte zu öffnen und mit Konflikten umgehen zu können.

SPIEGEL ONLINE: Es läuft also nicht alles rund?

Klein: Natürlich gibt es Konflikte. Manchmal haben die Paten eine Vorstellungen davon, was die Flüchtlinge machen sollen. Dies stimmt nicht immer mit dem Bedarf der Flüchtlinge überein. Da hat ein Pate das Gefühl, alles auf einem Silbertablett zu servieren, und ist enttäuscht, wenn die Flüchtlinge das nicht annehmen.

Ein Beispiel: Ein Pate organisiert die Teilnahme an einem Sprachkurs, der Familienvater kommt aber nicht. Das führt zu Unverständnis beim Paten - bis man erfährt, dass der Vater in seiner Heimat selbstständiger Unternehmer war und sich deshalb schwertut, nach so vielen Jahren wieder die Schulbank zu drücken.

Wir helfen da, versuchen gemeinsam herauszufinden, warum das Angebot nicht nachgefragt wird und ob es überhaupt das richtige Angebot ist.

Es müssen auch nicht zwangsläufig Konflikte zwischen Flüchtlingsfamilie und Pate sein. Immer wieder sind die Paten beispielsweise frustriert, weil sie bei Ämtern nicht weiter kommen. Die Paten haben aber die ganze Zeit einen Ansprechpartner bei uns, treffen sich regelmäßig mit anderen Paten und werden vor Beginn des Projekts auch gezielt geschult.

SPIEGEL ONLINE: Wie sind Ihre Erfahrungen nach mehreren Jahren?

Klein: Die Rückmeldungen der Freiwilligen und der Flüchtlinge sind insgesamt sehr positiv. Viele treffen sich auch nach Ende des Projekts weiter, oft wird die Familie und der Freundeskreis des Freiwilligen einbezogen und teilweise entwickeln sich sogar Freundschaften. In drei Kölner Flüchtlingsheimen haben ehemalige Paten mittlerweile eigene Programme initiiert.

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insgesamt 1418 Beiträge
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Seite 1
Ingmar E. 07.07.2010
1.
1.Wird Kindern aus bildungsfernen Haushalten nicht geholfen die Sprache schon vor der Grundschule zu erlernen. Ein 3-4jähriger ist sicher nicht schuld, wenn er die deutsche Sprache nicht lernt. Und man kann ihn kaum für die Fehler der Eltern sein Leben lang verantwortlich machen. Man muss den Kindern unabhängig vom Elternhaus helfen. Verpflichtende Vorschule für alle Kinder vom 4.ten LJ an, Einschulung mit 5 bis 7 je nach Fähigkeitsstand. 2. In der Grundschule werden Arbeiterkinder und Migranten benachteiligt, gegenüber Akademikern und indigenen Deutschen, weil sie bei gleichen Noten seltener eine Gym-Empfehlung bekommen. http://de.wikipedia.org/wiki/IGLU-Studie#Soziale_Selektion ---Zitat--- Es wurde deutlich, dass selbst bei gleichen kognitiven Grundfähigkeiten und der Lesekompetenz für Kinder aus den beiden oberen Schichten die Odds Ratios, eine Gymnasialempfehlung zu erhalten 2,63 mal so hoch waren wie für ein Kind aus einem Haushalt aus unteren Schichten. _Auch Kinder, deren beide Eltern in Deutschland geboren waren, wurden von den Lehrkräften bei gleicher Lesekompetenz bevorzugt (Odds Ratios: 2,11)._ Zu ähnlichen Ergebnissen kamen auch die LAU-Studie, die PISA-Studie und die AWO-Studie. ---Zitatende--- Und ein Einzelbeispiel dazu: http://www.politblogger.eu/du-kommst-hier-nicht-rein/ 3.Wenn die Migranten es dann geschafft haben und einen akademischen Abschluss erwarben, reicht es der indigenen Bevölkerung immer noch nicht: er "bleibt der Türke" http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,554163,00.html Man stellt also große Forderungen, behindert aber aktiv auf dem Weg, und wenn die Migranten den Forderungen nachkommen, trotz Steinen im Weg, sagt man am Ende: tja, Pech gehabt, wir akzeptieren euch trotzdem nicht.
dongiovanni25 07.07.2010
2. Privilegierte Migranten-Kicker
es ist genau das, diese Verallgemeinerung, und dass jeder quasi für sein Glück verantwortlich sein soll - dabei spielen andere Dinge eine große Rolle. Natürlich sind die Karrieren aller Profis mit Migrations-Hintergrund ein tolles Beispiel, aber doch nicht repräsentativ... was wäre sonst aus ihnen geworden, hätten sie nicht das Talent? Fakt ist auch, man macht der muslimischen Bevölkerung, bzw. der türkischen Bevölkerungsgruppe zu viele Zugeständnisse, und dass immer noch in der 3. und 4. Generation hier: die Beherrschung der Deutschen Sprache ist einfach ein MUSS - nur so kann man richtig teilhaben hier, Verstehen- natürlich muss man auch die türkischen Wurzeln beibehalten, auch die Sprache pflegen. Aber nicht bewusst abkapseln, immer noch türkische Dolmetscher an Schulen kommen lassen, etc. ich denke, die meisten Türken (kurioserweise auch verstärkt Süditaliener) kapseln sich gern ab, hören und gucken daheim via Satellit nur ihre nationalen Sender - geheiratet wird verstärkt nur unter Ihresgleichen. Also meine Erfahrungen und Erlebnisse an der Basis in einer Großstadt zeigen leider, dass sich Türken, Italiener, Griechen, etc. gerne abgrenzen - immer wieder wird die Aversion gegen die (vorhandene?) deutsche Liberalität artikuliert. Für meine Eltern (ein deutschsprachiger Teil) war es immer klar, Deutsch ist die Hauptsprache hier, an den Schulen, in den Ämtern, etc. dennoch wurde die Sprache meines Vaters nie vernachlässigt... Im Fußball mögen es die Kinder mit Migrationshintergrund leicht haben, im wahren Berufsleben haben sie es nicht immer. Meine Meinung!
Baikal 07.07.2010
3. Merkelmurks
Zitat von Ingmar E.1.Wird Kindern aus bildungsfernen Haushalten nicht geholfen die Sprache schon vor der Grundschule zu erlernen. Ein 3-4jähriger ist sicher nicht schuld, wenn er die deutsche Sprache nicht lernt. Und man kann ihn kaum für die Fehler der Eltern sein Leben lang verantwortlich machen. Man muss den Kindern unabhängig vom Elternhaus helfen. Verpflichtende Vorschule für alle Kinder vom 4.ten LJ an, Einschulung mit 5 bis 7 je nach Fähigkeitsstand. 2. In der Grundschule werden Arbeiterkinder und Migranten benachteiligt, gegenüber Akademikern und indigenen Deutschen, weil sie bei gleichen Noten seltener eine Gym-Empfehlung bekommen. http://de.wikipedia.org/wiki/IGLU-Studie#Soziale_Selektion Und ein Einzelbeispiel dazu: http://www.politblogger.eu/du-kommst-hier-nicht-rein/ 3.Wenn die Migranten es dann geschafft haben und einen akademischen Abschluss erwarben, reicht es der indigenen Bevölkerung immer noch nicht: er "bleibt der Türke" http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,554163,00.html Man stellt also große Forderungen, behindert aber aktiv auf dem Weg, und wenn die Migranten den Forderungen nachkommen, trotz Steinen im Weg, sagt man am Ende: tja, Pech gehabt, wir akzeptieren euch trotzdem nicht.
Würde dafür gesorgt nicht unbedingt Deutschland erst zur Weltschule aller Analphabeten zu machen, würde für eine vernünftige Auswahl von Immigranten gesorgt (etwa nach einem Punktsystem wie es Kanada, die USA, Australien etc) schon lange machen, müßte nicht ständig nach Integration gejault werden. Wieso stellt sich denn etwa die türkische Gemeinde gegen jede Neuregelung des sogenannten Familiennachzuges - wenn sie denn nicht einer ungehinderten Zuwanderung aller türkischen Benachteiligten und Beladenen das Wort reden möchten? Die Hälfte der in Berlin lebenden Türken hat weder eine Ausbildung noch Arbeit - das reicht doch schließlich.
Schlüssel, 07.07.2010
4. Die Integrationspolitik ist in Ordnung!
Zitat von sysopDeutschland jubelt über seine Multikulti-Mannschaft - aber viele Migranten brechen die Schule ab, brauchen ewig um einen Job zu finden und leiden unter Krankheiten. Der Regierungsbericht zur "Lage von Ausländern" offenbart die Mängel der Integrationspolitik. Was läuft falsch in der deutschen Integrationspolitik?
Die Integrationspolitik ist in Ordnung! Das Problem ist ein anders. Es sind die Massen mit dem wir es hier zu tun haben. Die Deutschen selbst - ziehen sich zurück, weil sie sich durch die Massen an Ausländern bedrängt fühlen. Wenn in einer Klasse mit 20 Kindern mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen aus dem Ausland stammen und dazu noch aus den unterschiedlichsten Ländern, dann gibt das Spannungen unter den Kindern. Die deutschen Kinder ziehen sich zurück und bleiben weitestgehend unter sich. In einer Klasse in der mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen Deutsche sind und maximal ein Viertel der Kinder ausländischer Herkunft da läßt sich das gut steuern. Je mehr es aber werden desto größer ist das Aufbegehren der zu Integrierenden. Denn sie wollen sich dann nicht mehr integrieren lassen und statt dessen ihr eigenes Süppchen kochen. Die meisten Deutschen ziehen sich vor den Ausländern zurück. Die wollen nichts damit zu tun haben. Aber leider wird das von der Politik nicht gesehen bzw. die Politik will das nicht sehen. Man kann niemandem etwas aufzwingen was er nicht will. Es wird sich rächen. Wann? Wissen wir noch nicht.
hardnoxanddurtysox 07.07.2010
5.
Zitat von dongiovanni25es ist genau das, diese Verallgemeinerung, und dass jeder quasi für sein Glück verantwortlich sein soll - dabei spielen andere Dinge eine große Rolle. Natürlich sind die Karrieren aller Profis mit Migrations-Hintergrund ein tolles Beispiel, aber doch nicht repräsentativ... was wäre sonst aus ihnen geworden, hätten sie nicht das Talent? Fakt ist auch, man macht der muslimischen Bevölkerung, bzw. der türkischen Bevölkerungsgruppe zu viele Zugeständnisse, und dass immer noch in der 3. und 4. Generation hier: die Beherrschung der Deutschen Sprache ist einfach ein MUSS - nur so kann man richtig teilhaben hier, Verstehen- natürlich muss man auch die türkischen Wurzeln beibehalten, auch die Sprache pflegen. Aber nicht bewusst abkapseln, immer noch türkische Dolmetscher an Schulen kommen lassen, etc. ich denke, die meisten Türken (kurioserweise auch verstärkt Süditaliener) kapseln sich gern ab, hören und gucken daheim via Satellit nur ihre nationalen Sender - geheiratet wird verstärkt nur unter Ihresgleichen. Also meine Erfahrungen und Erlebnisse an der Basis in einer Großstadt zeigen leider, dass sich Türken, Italiener, Griechen, etc. gerne abgrenzen - immer wieder wird die Aversion gegen die (vorhandene?) deutsche Liberalität artikuliert. Für meine Eltern (ein deutschsprachiger Teil) war es immer klar, Deutsch ist die Hauptsprache hier, an den Schulen, in den Ämtern, etc. dennoch wurde die Sprache meines Vaters nie vernachlässigt... Im Fußball mögen es die Kinder mit Migrationshintergrund leicht haben, im wahren Berufsleben haben sie es nicht immer. Meine Meinung!
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