Flüchtlingshilfe THW beklagt rechte Pöbeleien gegen Mitarbeiter

"Wir kriegen euch noch": Jeden Tag arbeiten die Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) daran, die Situation von Flüchtlingen in Deutschland zu verbessern. Der Chef der Katastrophenschützer berichtet von Anfeindungen von Rechten.

THW-Mitarbeiter bauen an Flüchtlingsnotunterkunft bei Celle: "Wir kriegen euch"
DPA

THW-Mitarbeiter bauen an Flüchtlingsnotunterkunft bei Celle: "Wir kriegen euch"


Albrecht Broemme kam zum Technischen Hilfswerk als er 17 Jahre alt war. Seit beinahe zehn Jahren ist er nun Chef der Katastrophenschützer. Die aktuelle Flüchtlingswelle in Deutschland verschafft seiner Organisation eine ihrer größten Herausforderungen der vergangenen Jahre. "Ich träume manchmal, dass ich selbst auf der Flucht bin. Die ganze Sache beschäftigt mich sehr", sagt Broemme in einem Interview mit der Zeitung "Die Welt".

Broemmes Leute sehen sich allerdings immer wieder von Rechten angefeindet, die ein Problem mit ihrer Arbeit für Flüchtlinge haben. "Wenn die THW-Helfer zum Beispiel nach getaner Arbeit aus der Flüchtlingsunterkunft kommen, werden sie von rechten Pöblern fotografiert und bekommen zu hören: Wir kriegen euch noch", beschreibt der Behördenchef im Interview. Die Drohungen beträfen auch die Familie oder das private Umfeld der Helfer. "Da fragen sich manche schon, ob sie ihre Aufgabe beim THW noch wahrnehmen können, das geht den THW-Helfern sehr nahe."

Bisher handle es sich bei solchen Problemen um Einzelfälle. Darüber spreche man im THW "untereinander, mit der Presse, aber auch mit unserem Dienstherrn, dem Bundesinnenministerium", so Broemme. "Das hilft." So könnten sich die Helfer sicher sein, dass ihr Schicksal für Politik und Öffentlichkeit nicht egal sei. In dieser Richtung muss wohl auch das Interview des THW-Chef verstanden werden.

"Zu wenig Polizei vor Ort"

Das THW ist an den Wochenenden verstärkt im Einsatz. Dann arbeiten nach Angaben der Behörde bundesweit rund 1200 ehrenamtliche Helfer. Werktags seien es um die 800 THWler. Dazu kommen noch viele Hauptamtliche, die koordinierten und steuerten. Insgesamt seien so im zurückliegenden Jahr etwa 12.000 THWler in der Flüchtlingshilfe im Einsatz gewesen.

Zum Vergleich: Das letzte Hochwasser 2013 habe 16.000 Einsatzkräfte des THW beschäftigt, sei aber nach ein paar Wochen vorbei gewesen.

Für weitere Einsätze in der Flüchtlingshilfe hofft THW-Chef Broemme "in einigen Fällen" auf eine stärkere Begleitung durch die Polizei, wie er der "Welt" sagte. "Künftig muss die Polizeipräsenz vor den Unterkünften so stark sein, dass die THW- und Rotkreuzhelfer in Ruhe und Sicherheit arbeiten können." Man könne nur in sicherer Umgebung helfen. "In Sachsen konnte es nur zu den Attacken aus dem rechten Milieu kommen, weil sich nach und nach untereinander gut vernetzte Störer zusammenrotten konnten und weil zu wenig Polizei vor Ort war."

Unterstützung bekommen die Forderungen der Helfer unter anderem vom Zentralrat der Juden in Deutschland. Dessen Chef Josef Schuster forderte in der "Mitteldeutschen Zeitung", die Bekämpfung des wachsenden Rechtsextremismus müsse bei Politik und Sicherheitsbehörden oberste Priorität haben. "Den Rechtsextremisten darf es nicht gelingen, die Menschen so sehr einzuschüchtern, dass bürgerschaftliches Engagement dadurch zum Erliegen kommt."

Es sei nötig, BKA und Polizei personell aufzustocken, sagte Schuster. Deutschland müsse in der Lage sein, sowohl die Asylbewerber als auch die ehrenamtlichen Helfer zu schützen.

chs



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