Flugzeugabsturz in Äthiopien Wie zwei Minuten Verspätung einem Passagier das Leben retteten

Antonis Mavropoulos erreichte seine Maschine in Addis Abeba knapp zu spät, durfte nicht mehr an Bord und war wütend. Wenig später stürzte das Flugzeug ab. Auf Facebook teilt er seine Gefühle.

Rettungskräfte an der Absturzstelle des Fluges 302 der Ethiopian Airlines
DPA

Rettungskräfte an der Absturzstelle des Fluges 302 der Ethiopian Airlines


157 Menschen kamen ums Leben, als eine Boeing auf dem Weg von Äthiopien nach Kenia abstürzte. Auch Antonis Mavropoulos hätte an Bord der Maschine sein sollen - er hatte den Platz 2L in der Business Class gebucht.

Doch weil er zwei Minuten zu spät am Flughafen von Addis Abeba eintraf, durfte er nicht mehr zusteigen. "Ich war noch wütend, weil mir niemand geholfen hatte, rechtzeitig in den Flieger zu kommen", schreibt Mavropoulos auf seinem Facebook-Profil. Nur kurze Zeit später wurde ihm klar, welches Glück ihm widerfahren war.

Der Pilot hatte kurz nach dem Start technische Probleme gemeldet und darum gebeten, zum Flughafen in Addis Abeba zurückkehren zu dürfen. Nur sechs Minuten nach dem Abheben stürzte die Boeing 737 Max 8 um 8.44 Uhr Ortszeit ab.

Von der Polizei befragt

Als Mavropoulos drei Stunden später seinen Ersatzflug nach Nairobi nehmen wollte, wurde er von der Polizei daran gehindert. "Der Beamte sagte mir, ich solle aufhören zu protestieren und stattdessen lieber Gott danken, denn ich sei der einzige Passagier, der nicht an Bord gegangen sei." Man habe ihn befragt, warum er den Flug verpasst habe.

Er habe den Boden unter den Füßen verloren, als er erfahren habe, dass die Maschine abgestürzt sei. Dann habe er umgehend seine Familie informiert, dass er am Leben sei.

Auf Facebook teilte Mavropoulos das Foto seiner Bordkarte und schrieb: "Es gibt Millionen von kleinen Fäden, die wir fast nie wahrnehmen - aber wenn einer reißt, reicht es, um das gesamte Gewebe zu zerstören." Er sei dankbar, dass er noch lebe und von seinen Freunden so viel Liebe und Unterstützung erfahren zu haben. "Und ich entschuldige mich bei meiner Familie für den Schock, den sie erlitten hat."

Wie viele weitere Passagiere wollte Mavropoulos in Nairobi an der Jahresversammlung des Uno-Umweltprogramms teilnehmen. Er ist Vorsitzender der Non-Profit-Organisation International Solid Waste Association.

Bei dem Flugzeugabsturz in Äthiopien starben auch fünf Deutsche. In Äthiopien begannen Experten am Montag mit der Identifizierung der Opfer und der Klärung der Unglücksursache. Am Sonntag war dafür eine Sonderkommission von Experten der Flugsicherung, Verkehrsministerium und Fluggesellschaft gebildet worden.

Nach dem Unglück steht der relativ neue Flugzeugtyp Boeing 737 Max 8 in der Kritik. Flugzeuge dieses Typs mussten wegen Sicherheitsbedenken in mehreren Ländern zunächst am Boden bleiben. China, Indonesien und Äthiopien erklärten ein Startverbot für alle baugleichen Maschinen. Betroffen sind mindestens 110 Flugzeuge.

Bereits im Oktober waren beim Absturz einer Boeing 737 Max 8 der Fluglinie Lion Air in Indonesien 189 Menschen ums Leben gekommen.

Am Unglücksort unweit von Addis Abeba wurden nach "mühsamer Suche" die sogenannten Blackboxes gefunden, die den Sprechfunk im Cockpit und alle Flugdaten aufzeichnen, wie Ethiopian Airlines mitteilte. Diese sind für die Ermittler sehr wichtig bei der Klärung der Unfallursache. Die Blackboxes sind so robust gebaut, dass sie normalerweise auch ein Unglück überstehen sollten.

Der Hersteller Boeing äußerte sich zunächst nicht näher zu dem Unglück. In einer Mitteilung sprach das Unternehmen den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und kündigte die Entsendung von Experten nach Äthiopien an. Diese sollten bei der Untersuchung der Unglücksursache helfen.

Flugzeugabsturz in Äthiopien: China verbietet Flüge mit der Boeing 737 Max 8

An der Börse lösten die Nachrichten einen Kursrutsch bei Boeing aus. Im Frankfurter Xetra Handel verlor die Boeing-Aktie bis zum Mittag fast neun Prozent an Wert, nachdem sie zuvor seit Jahresbeginn fast um ein Drittel zugelegt hatte.

ala/dpa



insgesamt 12 Beiträge
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xcountzerox 11.03.2019
1. Ist bei mir ähnlich...
Ich sollte an Bord der Lufthansamaschine nach Warschau 1993 am Platz des verunglückten Passagiers sitzen. Knapp dem Tod (nicht das erste Mal) entkommen...
yogtze 11.03.2019
2.
Ich hatte heute morgen schon den Eintrag in den sozialen Medien dazu gelesen, das ging in Griechenland wie ein Lauffeuer herum. Der Mann hat wirklich ein unfassbares Glück gehabt, toll für ihn und seine Angehörigen!
wassolldasdenn52 12.03.2019
3. Etwas passt nicht ganz?
Wenn da im sw-Foto steht, "Wie Boeing über die Jahre sein Erfolgsmodell verschlimmbesserte", dann muss da doch bekannt sein, dass etwa gravierende Mängel vorhanden sein müssen. Sind es nur Vermutungen oder möchte man ohne klare Aussage nur verhindern, dass die Kundschaft verstärkt auf Airbus-Modelle setzen könnte, um ja nicht zu manipulieren, bzw. um den Linienverkehr der Fluggesellschaften nicht zu beeinflussen? Ein wenig seltsam erscheint diese Bildinschrift schon und regt zu Spekulationen an. Wie dem auch sei, mein tiefes Mitgefühl gilt allen Insassen und deren Angehörige und Freunde. Auch der Fluggesellschaft, die jetzt unmittelbar darunter zu leiden hat. Hoffentlich lässt sich die genaue Ursache eruieren, um eventuelle weitere Unglücke für die Zukunft zu vermeiden.
v8triebwerk 12.03.2019
4. Auf zu Airbus...
bis da etwas passiert. Dann wieder zu Boing, bis da etwas passiert. Dann wieder zu...
flaps25 12.03.2019
5. Das Thema ist nicht neu
Als Airbus Mitte der 1980er Jahre im neu erschienenen A320 erstmals im zivilen Bereich eine Fly-by-wire-Steuerung umsetzte, waren die Diskussionen in der Fachwelt groß: wer hat die letzte Kontrolle über ein Flugzeug, eine ausgiebig getestete Software, die theoretisch immer fehlerfrei arbeiten sollte, oder ein Mensch, der denken und flexibel entscheiden kann, aber fehlerbehaftet ist? Airbus setzte klar auf Software, Boeing auf Piloten als „Last line of defence“. Das scheint bei der aktuellen B737 MAX nicht mehr zu gelten. Oder anders ausgedrückt, Airbus hat nach zahlreichen Abstürzen mit hunderten Toten gelernt,wo der richtige Mittelweg ist.
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