Elizabeth-II.-Ausstellung in London: Königin der Bilder

Von , London

Queen Elizabeth II. ist die meistporträtierte Frau der Welt, aber wer ist sie wirklich? Eine neue Ausstellung in London zeigt, wie sich ihr öffentliches Bild in ihren nun 60 Jahren auf dem Thron gewandelt hat - von der abgehobenen Monarchin hin zur Mutter der Nation.

Nicht nur die PR-Berater des Buckingham-Palasts wissen: Ein gutes Image entscheidet über Wohl und Wehe eines modernen Königshauses. Ist der Ruf erst ruiniert, etwa durch ostentativen Luxus, Ehekriege und sonstige Skandale, kommt ganz schnell die Forderung nach der Abschaffung der Monarchie auf. Queen Elizabeth II. hat es selbst erlebt: Nach dem Tod von Prinzessin Diana 1997 sank das Ansehen des Hauses Windsor auf ein bedrohliches Tief. Es dauerte Jahre, bis sich das Image der Familie wieder erholt hatte.

Zum 60-jährigen Thronjubiläum der Matriarchin beschäftigt sich nun die Ausstellung "The Queen: Art and Image" mit dem Auf und Ab in der öffentlichen Wahrnehmung der Queen. Über 60 Porträts in der National Portrait Gallery in London zeigen Elizabeth mal in vollem königlichen Ornat, mal als ganz gewöhnliche Frau. Das Gesicht, das Milliarden Menschen in aller Welt sofort erkennen, erscheint überlebensgroß auf Ölgemälden, Warhol-Drucken - und als Hologramm.

Es gehe darum zu zeigen, wie die öffentliche Person der Queen konstruiert wurde und wie dieses Bild sich verändert hat, sagt Kurator Paul Moorhouse. Er betont, dass die Ausstellung nicht vom Buckingham-Palast abgesegnet wurde, sondern einen unabhängigen Blick auf die Monarchin werfe.

Neben den hagiographischen Herrscherporträts aus den 1950ern sind denn auch mehrere subversive Arbeiten und satirische Collagen zu sehen. Schon in den 1960ern verloren die Untertanen den Respekt vor der Queen. Das Satiremagazin "Private Eye" hob Elizabeth Windsor regelmäßig auf den Titel, einmal 1969 unter der Schlagzeile: "Queen gibt Fernsehauftritte auf - Angst vor zu viel Prominenz". Und die Punkband "Sex Pistols" benutzte 1977 ein Bild der Queen auf dem Cover ihrer monarchiekritischen Single "God save the Queen" - einfach, weil es gute Werbung war.

Der Palast reagierte auf die gesellschaftlichen Umbrüche, indem er die Königin zunehmend als ganz normale Frau präsentierte. Offizielle Fotos zeigen Elizabeth als junge Mutter mit Baby Andrew auf dem Arm - oder am Frühstückstisch mit den Teenagern Charles und Anne. Im Juni 1969 ließ die Queen sogar die BBC in den Palast, um den Alltag der königlichen Familie zu filmen. Die TV-Dokumentation wurde von 70 Prozent der Briten gesehen - und änderte das öffentliche Image der Royals auf ewig. Die Queen erschien plötzlich wie ein Mensch, was zweierlei zur Folge hatte: Ihre Beliebtheitswerte schossen nach oben, gleichzeitig verlor die Monarchie weiter an Magie.

Die Anbiederung an das Volk führte zu surrealen Aufnahmen, etwa dem Besuch der Queen bei der Bürgerin Susan McCarron in einer Sozialwohnung in Glasgow. Wie ein Fremdkörper sitzt die Monarchin vor einer Tasse Tee - so, als sei sie gerade von einem fernen Planeten in das Wohnzimmer gebeamt worden. Auch ein Foto mit der Popband "Spice Girls" veranschaulicht den Kampf der Kulturen, dem die moderne Monarchin täglich ausgesetzt ist: Halbnackt stehen Ginger Spice und Mel B vor der alten Dame, die in ihrem züchtigen hochgeschlossenen Kleid wie aus einer anderen Zeit zu stammen scheint.

Im Laufe ihrer langen Amtszeit wurde die Queen von einigen der berühmtesten Fotografen und Malern der Welt porträtiert, darunter Cecil Beaton, Andy Warhol, Lucian Freud, Gerhard Richter und Annie Leibovitz. Die Ausstellung reicht von Beatons bekanntem Krönungsfoto von 1953 - die junge Queen mit Hermelin, Zepter und Krone - bis hin zum erstmals ausgestellten Doppelporträt des Seniorenpaars Elizabeth und Philip von 2011, geschossen von dem deutschen Fotografen Thomas Struth.

Es sind teilweise spektakuläre Bilder, doch die Frage, was für ein Mensch diese Frau eigentlich ist, beantworten sie nicht. "Die Queen ist die meistfotografierte Person der Welt", sagt Moorhouse. "Aber sie ist ein Rätsel geblieben. Was wissen wir über ihre Persönlichkeit und ihre Ansichten? Nicht viel".

Das Paradox der prominenten Fremden thematisieren mehrere Künstler in ihren Arbeiten. Das Gesicht der Queen erscheint als Maske oder - wie bei Gerhard Richter - bis zur Unkenntlichkeit verschwommen.

Diese Vagheit gilt als das Erfolgsgeheimnis der Queen: Weil sie nie Stellung bezieht, ist die Jubilarin zum 60. Jahrestag ihrer Thronbesteigung beliebter als je zuvor. Nach der schweren Krise der achtziger und neunziger Jahre, als die Monarchie mit Akzeptanzproblemen zu kämpfen hatte, wird die Königin auf ihre alten Tage als Stabilitätsanker in unruhigen Zeiten gesehen. In Chris Levines Hologramm-Porträt "Lightness of Being", das die Ausstellung einleitet, scheint sie der Welt bereits entrückt.

"The Queen: Art and Image", National Portrait Gallery, London , bis zum 21. Oktober 2012

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1. God save the Queen
washington.mayfair 16.05.2012
Zitat von sysopQueen Elizabeth II. ist die meistporträtierte Frau der Welt, aber wer ist sie wirklich? Eine neue Ausstellung in London zeigt, wie sich ihr öffentliches Bild in ihren nun sechzig Jahren auf dem Thron gewandelt hat - von der abgehobenen Monarchin hin zur Mutter der Nation. Foto-Ausstellung in London: Queen Elizabeth II. im Wandel der Zeit - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,833593,00.html)
Ich wünsche ihr ein noch langes und gutes Leben. Sie hat vieles richtig gemacht und ist den Briten eine gute Monarchin. Von daher herzlichen Glückwunsch zum Thronjubiläum.
2.
fonnig 17.05.2012
Zitat von sysopQueen Elizabeth II. ist die meistporträtierte Frau der Welt, aber wer ist sie wirklich? Eine neue Ausstellung in London zeigt, wie sich ihr öffentliches Bild in ihren nun sechzig Jahren auf dem Thron gewandelt hat - von der abgehobenen Monarchin hin zur Mutter der Nation. Foto-Ausstellung in London: Queen Elizabeth II. im Wandel der Zeit - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,833593,00.html)
Wen, bitte, interessiert das wirklich, abgesehen von den Bewohnern der Insel? Eine Monarchie, die von ihrer blutigen und räuberischen Historie am Leben erhalten wird, eine Königin, die ohne Scham ihre geklauten Diamanten und Edelsteine vorzeigt, was soll das, wir leben im 21. Jahrhundert, es wird Zeit, dass auch die Briten dort ankommen, sonst nimmt sie bald überhaupt niemand mehr ernst.
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