Fotoserie von Jon Uriarte Männer in Mini und Pumps

Wie weiblich sind die Männer von heute? Der spanische Fotograf Jon Uriarte hat seine Freunde in den Klamotten ihrer Partnerinnen abgelichtet. Im Interview erzählt er, was dahintersteckt.


Hamburg - Steve trägt Minikleid und zierliche Flip-Flops an seinen behaarten Füßen. Victor hat den Jeans-Minirock mit einer lilafarbenen Strumpfhose kombiniert. Jose posiert in Hotpants und Pumps.

Die Männer sind nicht selbst auf die Idee gekommen, sich derart in Schale zu schmeißen. Vielmehr haben sie ihrem Freund Jon Uriarte einen Gefallen getan: Der spanische Fotograf suchte männliche Models, die er in den Klamotten ihrer Freundinnen fotografieren konnte. Und fragte in seinem Freundeskreis nach Freiwilligen.

Steve, Victor und Jose sind nur einige der Männer, die für Uriarte, 33, Modell standen. Drei Jahre lang hat er für seine Bilderserie "The men under the influence..." gearbeitet, die letzten Fotos sind 2009 entstanden. Nun machen die Bilder sogar in den USA Schlagzeilen, die "Huffington Post" und "Daily Beast" berichteten darüber. Die Botschaft hinter den Bildern ist nicht alt, sagt Uriarte im Interview. Sondern aktuell wie nie.

SPIEGEL ONLINE: Herr Uriarte, Sie haben Männer in die Kleidung ihrer Partnerinnen gesteckt und fotografiert. Warum?

Uriarte: Ich saß eines Tages mit meinen Freunden zusammen und wir haben uns über Beziehungen unterhalten. Und je länger wir gesprochen haben, desto klarer wurde uns, dass sich in den vergangenen Jahren extrem viel verändert hat zwischen Männern und Frauen.

SPIEGEL ONLINE: Nämlich?

Uriarte: Nehmen Sie nur die Arbeitswelt. Heutzutage können Frauen Jobs übernehmen, von denen meine Mutter und meine Großmutter nur träumen konnten. Auch die Frage, wer sich um die Kinder kümmert, ist heute nicht mehr so eindeutig zu beantworten. Männer und Frauen sind in ihren Entscheidungen viel freier als früher. Das ist großartig, hat aber auch Nachteile.

SPIEGEL ONLINE: Welchen Nachteil hat es, freie Entscheidungen treffen zu können?

Uriarte: Nicht jeder ist an diese Freiheiten gewöhnt. Da tun sich plötzlich Möglichkeiten auf, und manchmal weiß man nicht, wie man damit umgehen soll, welche Reaktion die richtige ist. Da entsteht leicht ein Gefühl des Verlorenseins.

SPIEGEL ONLINE: Ist das der Grund, warum die Männer auf ihren Bildern alle so unglücklich aussehen?

Uriarte: Tatsächlich war es sehr schwer, diesen Gesichtsausdruck hinzubekommen. Die Männer sind ja Freunde von mir, die Fotos sind in ihren Wohnungen in Spanien und New York entstanden. Es war also eine lockere, vertraute Atmosphäre, wir haben viel gelacht. Aber ich wollte diesen melancholischen, traurigen Ausdruck im Gesicht haben. Man sollte den Bildern ansehen, dass hier Männer nach ihrem neuen Platz innerhalb der Beziehung suchen.

SPIEGEL ONLINE: Wer hat die Kleidung der Modelle ausgewählt?

Uriarte: Das waren meine Freunde selbst. Ich habe sie gebeten, ein Outfit ihrer Partnerin auszusuchen. Und die meisten haben erstmal etwas ganz Verrücktes anprobiert. Aber mir ging es ja nicht darum, mit dem Fotoshooting einen Witz zu machen oder das Ganze ins Lächerliche zu ziehen. Im Endeffekt tragen nun alle Männer auf den Bildern die Kleidung, die typisch ist für ihre Partnerin.

SPIEGEL ONLINE: Und wer hat in Ihrer Beziehung die Hosen an?

Uriarte: In einer Beziehung sollte alles gleichberechtigt sein, fifty-fifty, sonst geht's schief. Ich arbeite daran.

Die Fragen stellte Anna-Lena Roth

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
xmix 12.07.2013
1. total cool
coole Fotos! Frauen haben sich Männerkleidung ja schon zu eigen gemacht, aber ich kenne viele Männer die neidisch auf die große Auswahl sind, die die Frauen in Sachen Kleidung haben!
xmix 12.07.2013
2. total cool
coole Fotos! Frauen haben sich Männerkleidung ja schon zu eigen gemacht, aber ich kenne viele Männer die neidisch auf die große Auswahl sind, die die Frauen in Sachen Kleidung haben!
voltaire001 12.07.2013
3. Schade
Schade, dass er das nicht mal in einem arabischen Land ausprobiert. Die haben "Gender mainstreaming" noch nicht so wirklich angenommen und bräuchten Entwicklungshilfe.
humpensack 12.07.2013
4. ???
Was für ein Quatsch! Das soll jetzt bestimmt wieder irgend eine Art von Kunst sein oder?
paulahner 12.07.2013
5. Tja, was soll Mann machen, ...
... wenn er keine Arbeit hat und kein Geld in Spanien. Echt doof.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.