Fotoprojekt Das Innenleben des Ku-Klux-Klan

Die Braut mit hochstehendem Kapuzenschleier, die Fackeln tragenden Klan-Mitglieder: Der Fotojournalist Anthony Karen hat sie alle getroffen. Jahrelang fotografierte er Mitglieder des Ku-Klux-Klan. Die Bilder geben Einblick in eine dunkle Seite der Gesellschaft.

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Anthony S. Karen

Anthony Karen war kurz davor aufzugeben. Immer wieder hatte er versucht, Kontakt aufzunehmen, ein Treffen zu arrangieren. Und war stets auf Ablehnung gestoßen. Das war nicht verwunderlich. Schließlich wollte Karen Zugang zum Ku-Klux-Klan, der normalerweise kaum gewillt ist, Außenstehenden Einblicke zu gewähren.

Karen telefonierte trotzdem weiter, schrieb neue E-Mails. 2005 zahlte sich seine Hartnäckigkeit aus. Ihm wurde gestattet, bei einem Treffen das Anzünden eines Holzkreuzes zu fotografieren. Die Aufnahmen gefielen dem Imperial Wizard, dem Chef einer anderen Klan-Gruppe. Von diesem Zeitpunkt an hatte Karen unbeschränkten Zugang. Manchmal könne er selbst nicht glauben, wie frei er sich im Umfeld der Organisation bewegen könne, sagt er.

Diesen Raum nutzte er in den folgenden Jahren für Fotos, wie es sie vom Ku-Klux-Klan wohl noch nicht gegeben hat. Er begleitete Klan-Mitglieder, fuhr zu Treffen in den ganzen USA, auch zu einer Zusammenkunft in Deutschland.

"Ich fühle mich verpflichtet, ohne Urteil zu beobachten"

Karen fotografierte die Braut mit dem Schleier in Klan-Kapuzendesign, der Bräutigam, Bierdose in der Hand, daneben. Der Fotograf dokumentierte, wie ein Klan-Mitglied an einer Straßenecke Flyer verteilte, wie ein Holzkreuz zum Anzünden vorbereitet wurde. Und er erlebte, wie Neumitglieder mit verbundenen Augen eingeschworen wurden.

"Die dunkle Seite der Gemeinschaft ist etwas, zu dem sehr wenige Außenstehende Zugang haben. Das macht sie zu einem perfekten Ort für einen visuellen Geschichtenerzähler", sagt Karen. Oft würden derartige Themen oberflächlich und sensationsgierig gezeigt, weil begrenzter Zugang zu einseitiger Berichterstattung führe.

Deshalb legt Karen großen Wert darauf, neutral zu bleiben. "Ich muss nicht glauben, was sie (Klan-Mitglieder - d. Red.) glauben. Aber wenn ich in den persönlichen Bereich einer Person eintrete, fühle ich mich verpflichtet, ohne Urteil zu beobachten." Deshalb ist es ihm wichtig, keine Klischees zu bedienen, etwa das vom Hinterwäldler-Club aus dem Süden der USA. Im Klan gebe es "Reiche und Arme, Intelligente und Dumme, genauso wie sonst überall auch".

Zudem stehe das Thema Hautfarbe nicht allein im Mittelpunkt, wie oft angenommen werde. Auch illegale Einwanderung, Homosexualität oder Sozialbetrug seien oft im Fokus. Wenn es um Schwarze gehe, hielten Klan-Mitglieder vor allem Ehen zwischen Weißen und Nicht-Weißen sowie hohe Kriminalitätsraten in Städten für wichtige Themen.

Rund vier Millionen Mitglieder in den zwanziger Jahren

Die Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center (SPLC) beobachtet die Aktivitäten einzelner aktiver Gruppierungen innerhalb des Ku-Klux-Klan. Es gibt etwa die "Imperial Klans of America", die "Brotherhood of Klans" oder die "Knights of the Ku Klux Klan".

Gegründet am Ende des US-Bürgerkriegs, hatte es sich die Organisation zum Ziel gesetzt, Schwarze in den US-Südstaaten einzuschüchtern und ihnen ihre Bürgerrechte vorzuenthalten. Dazu war ihr jedes Mittel recht: Fememorde, Vergewaltigung, Brandanschläge.

Als per Gesetz die Rassentrennung und der faktische Status von Schwarzen als Bürger zweiter Klasse festgeschrieben worden war, löste sich der Ku-Klux-Klan nach Angaben des SPLC auf - um sich in den zwanziger Jahren wieder zu formieren. Nun ging es gegen Einwanderer, vor allem Juden und Katholiken. 1925 organisierte der Ku-Klux-Klan einen "Marsch auf Washington". Damals soll er bis zu vier Millionen Mitglieder gehabt haben.

Durch die Weltwirtschaftskrise, Skandale, und Führungsprobleme verschwand der Klan erneut in der Versenkung, nur um in den sechziger Jahren erneut Zulauf zu bekommen. Er richtet sich gegen die Bürgerrechtsbewegung in den USA und gegen die Auflösung der Rassentrennung - unter anderem mit Bombenanschlägen und Morden.

"Ich verteidige nicht den Klan von heute"

Das SPLC schätzt, dass es heute noch etwa 5000 bis 8000 Klan-Mitglieder gibt, verteilt auf rivalisierende Gruppen. Manche seien immer noch offen rassistisch und militant und suchten die Verbindung mit neonazistischen und rechtsextremistischen Organisationen. Andere versuchten, ihre Ansichten mit dem Slogan "Bürgerrechte für Weiße" zu verschleiern.

Wie verhält man sich inmitten dieser Menschen? Fotograf Karen gibt zu, dass es schwierig war, immer der ruhige, unvoreingenommene Beobachter zu sein. Er unterdrücke seine Gefühle nicht und gehe Konfrontationen nicht aus dem Weg.

Die Klan-Mitglieder wüssten etwa, dass er Orte wie Haiti oder Somalia möge, dass er auf Facebook viele Freunde unterschiedlicher Herkunft habe. Er habe seine Meinungen nie versteckt. Als Fotojournalist bestehe aber die Gefahr, dass die eigene Meinung in den Bildern zum Ausdruck komme. "Wenn ich wütend oder zu emotional werde, lege ich meine Kamera weg."

Deshalb kann er auch nicht nachvollziehen, wenn ihm vorgeworfen wird, er verharmlose den Ku-Klux-Klan und gebe der Organisation eine Plattform, die ihr nicht zustehe. "Ich bin nicht naiv, und ich verteidige auch nicht den Klan von heute", sagt Karen. Er zeige lediglich eine neue Perspektive auf. Und was eine mögliche PR-Wirkung angehe: Die Kritiker könnten sich dafür entscheiden, Dinge zu ignorieren. "Ich persönlich wüsste lieber, was um mich herum geschieht."

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Seite 1
lustiger_leser 28.08.2013
1. Lustige Bilder...
Haha, der Fotograf gibt den ewig Gestrigen keine Plattform, sondern zeigt sie in ihrer Lächerlichkeit. Die Leute sehen ja aus, wie Karnevals-Figuren in billigen Zwergenkostümen! Wenn deren Gesinnung nicht so traurig übel wäre, könnte man sie auch als Witzfiguren auslachen. Ach, vielleicht ist Lächerlich machen tatsächlich ein probates Mittel. Tarantino hat das ja hervorragend in seinem letzten Film gemacht...
Luna-lucia 28.08.2013
2. absolut richtig!
Zitat von lustiger_leserHaha, der Fotograf gibt den ewig Gestrigen keine Plattform, sondern zeigt sie in ihrer Lächerlichkeit. Die Leute sehen ja aus, wie Karnevals-Figuren in billigen Zwergenkostümen! Wenn deren Gesinnung nicht so traurig übel wäre, könnte man sie auch als Witzfiguren auslachen. Ach, vielleicht ist Lächerlich machen tatsächlich ein probates Mittel. Tarantino hat das ja hervorragend in seinem letzten Film gemacht...
Ami und ihre Zwerge - oder andersrum - Zwerge im Ami-Land! Trotz der Lächerlichkeit ihres Auftretens, ein trauriges Kapitel! Ein Zwergenlaufstand – sozusagen. Und was wissen die Schnüfflertrupps NSA ... darüber? Egal, ist ja im eigenen Land - da hört man nicht ab hahahaha!
charlieams 28.08.2013
3. Bilderserie
Unter Bild 3 steht, die Frau möchte sich gegen Querschläger schützen. Mit Kind auf dem Schoß würde sie das wohl kaum zulassen. Das ist unglaubwürdig: a) Es sind keine weiteren Einschußlöcher in der Wohnung zu sehen. Wer schießt denn bitte in seinen eigenen 4 Wänden. Der Typ macht doch nur eine Fotopose. b) Die Frau versucht lediglich gegen das grelle Licht den Kameramann zu sehen.
tompike 28.08.2013
4. Wissen ist Macht
Guter, neutraler Artikel; nur wenige Journalisten beherrschen diese neutrale Art zu berichten. Entscheident ist die gesendete Botschaft: Gut zu wissen, was andere Minderheiten treiben, statt sie zu verbieten oder in den Untergrund zu vertreiben.
kandana 28.08.2013
5. Die Bilder
sprechen für sich... Das macht der Fotograf gut und richtig. Er überlässt dem Betrachter, darüber zu entscheiden, was er auf den Bildern sieht und welche Botschaft man damit empfängt. Was ich sehe ist ein Haufen lächerlich Verkleiderter, zum großen Teil waffenvernarrt, übergewichtig und mit schlecht gemachten Tattoos übersät durch die Natur stapfen. Für mich sind das die typischen Bilderbuchproleten, welche mit Bierpflasche und Tarnkleidung den großen Macher raushängen lassen. Das blaue Auge des Bräutigams spricht auch für sich. Wesen am Rande der Gesellschaft. Was mit fehlt in dieser Bildergalerie, sind die Intelligenten und Wohlhabenden - die laut Fotograf ebenfalls in diesen Gruppierungen zu finden sind. Auf den ersten Blick erkennbar sind sie für mich nicht.
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