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Frachter "Höegh Osaka": Kapitän steuerte Frachter wohl absichtlich auf Sandbank

Der Frachter "Höegh Osaka" liegt mit starker Schlagseite vor der britischen Südküste. Alles Absicht, heißt es nun. Das Manöver sei die letzte Chance gewesen, eine größere Katastrophe zu verhindern.

London - Dutzende Schaulustige freuen sich an der englischen Südküste über diesen Anblick: Das 180 Meter lange Autofrachtschiff "Höegh Osaka" ist vor der Isle of Wight auf einer Sandbank aufgelaufen und liegt mit deutlicher Schlagseite im Wasser. Die Polizei warnte auf Facebook bereits vor überfüllten Parkplätzen an der Küste. Jetzt wurden Details zum Unglückshergang bekannt.

Der Kapitän hat den Frachter wohl absichtlich auf Grund gesetzt, um ein komplettes Kentern zu verhindern. Das Aufsetzen auf der Sandbank sei der letzte Ausweg gewesen, um eine größere Katastrophe zu verhindern, sagte der Chef der Firma Höegh Autoliners, Ingar Skiaker. Schon kurz nach dem Auslaufen aus dem Hafen habe die "Höegh Osaka" Schlagseite gehabt, daher habe sich die Führung zu der Notstrandung entschlossen.

Skiaker lobte zudem den Kapitän und die gesamte Besatzung. Die Verantwortlichen an Bord hätten "das Schiff und die Crew gerettet". Nun liege viel Arbeit vor ihnen, um die gestrandete "Höegh Osaka" zu bergen, ohne die Umwelt zu belasten.

Der Autofrachter war am Samstag auf dem Weg nach Deutschland auf Grund gelaufen. Die gesamte Besatzung konnte mit Helikoptern und Booten in Sicherheit gebracht werden.

Ein zweites Schiffsunglück ging am Wochenende deutlich weniger glimpflich aus. Die "Cemfjord" war am Freitag bei stürmischem Wetter vor der Küste Schottlands gekentert. Zwei Tage später haben Rettungskräfte die Suche nach acht vermissten Seeleuten eingestellt.

Das 83 Meter lange Schiff war mit 2000 Tonnen Zement aus Dänemark beladen und auf dem Weg nach Runcorn bei Liverpool an der britischen Westküste. Ein Notrufsignal hatten die Männer nicht abgesetzt, wie die Hamburger Reederei Brise mitteilte. Die Besatzung einer Passagierfähre hatte am Samstag den Rumpf des Frachters 24 Kilometer nordöstlich der schottischen Hafenstadt Wick im Wasser entdeckt. Am Sonntag versank das Schiff und war nicht mehr zu sehen. Der Reederei zufolge war die "Cemfjord" 1984 gebaut worden und erst 2014 ohne Beanstandungen inspiziert worden.

aar/AFP/dpa

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1. Interessanter Fall
Nabob 05.01.2015
Offenkundig dachte der Kapitän an "Havarie Grosse", als er den Hobel absichtlich auf Grund setzte, um Schlimmeres abzuwenden und einen geregelten Fall der Schadensminderung im HGB (York-Antwerp-Rules) herbeizuführen zum Schutz von Leben, Ladung und Schiff. Nun werden die angesprochenen Versicherungen sich mit den Ursachen der Schlagseite beschäftigen, etwa mit der vorhandenen Seetüchtigkeit des Schiffes beim Auslaufen aus dem Hafen und ob diese grob fahrlässig nicht eingehalten wurde.
2. ...
jujo 05.01.2015
Zitat von NabobOffenkundig dachte der Kapitän an "Havarie Grosse", als er den Hobel absichtlich auf Grund setzte, um Schlimmeres abzuwenden und einen geregelten Fall der Schadensminderung im HGB (York-Antwerp-Rules) herbeizuführen zum Schutz von Leben, Ladung und Schiff. Nun werden die angesprochenen Versicherungen sich mit den Ursachen der Schlagseite beschäftigen, etwa mit der vorhandenen Seetüchtigkeit des Schiffes beim Auslaufen aus dem Hafen und ob diese grob fahrlässig nicht eingehalten wurde.
"Havarie Grosse" bedeutet das alle an Schiff und Ladung Beteiligten entsprechend ihres Anteils prozentual an den Folgekosten beteiligt werden. Sie haben Recht, es wird interessant wie es überhaupt dazu kommen konnte, das der Kapitän zu dem doch recht drastischen Mittel greifen musste. Um ein anderes Beispiel zu nehmen und es ev. für Laien verständlicher zu machen. Angenommen bei einem Brand im Laderaum wird dieser unter Wasser gesetzt, Ladung verdorben, Schiff defekt. Das unter Wasser setzen wurde gemacht um schlimmeres zu verhindern. darum sollen alle Beteiligten gemeinsam die Kosten des Schadens tragen und nicht nur der Eigner der zerstörten Ladung!
3. Respekt
cor 05.01.2015
Es braucht viel Erfahrung, Mut und Überwindung, um so eine Entscheidung zu treffen.
4.
kastenmeier 05.01.2015
Zitat von jujo"Havarie Grosse" bedeutet das alle an Schiff und Ladung Beteiligten entsprechend ihres Anteils prozentual an den Folgekosten beteiligt werden. Sie haben Recht, es wird interessant wie es überhaupt dazu kommen konnte, das der Kapitän zu dem doch recht drastischen Mittel greifen musste. Um ein anderes Beispiel zu nehmen und es ev. für Laien verständlicher zu machen. Angenommen bei einem Brand im Laderaum wird dieser unter Wasser gesetzt, Ladung verdorben, Schiff defekt. Das unter Wasser setzen wurde gemacht um schlimmeres zu verhindern. darum sollen alle Beteiligten gemeinsam die Kosten des Schadens tragen und nicht nur der Eigner der zerstörten Ladung!
"Musste", hoffentlich kommt bei der Untersuchung raus, dass dieses Mittel tatsächlich erforderlich war. Anderenfalls wird es künftig noch schwerer werden, eine solche Entscheidung zu treffen und es würde wieder dazu übergegangen, die Katastrofe passieren zu lassen (als Beweis, wie schlimm es stand).
5. ...
jujo 05.01.2015
Zitat von kastenmeier"Musste", hoffentlich kommt bei der Untersuchung raus, dass dieses Mittel tatsächlich erforderlich war. Anderenfalls wird es künftig noch schwerer werden, eine solche Entscheidung zu treffen und es würde wieder dazu übergegangen, die Katastrofe passieren zu lassen (als Beweis, wie schlimm es stand).
Es wird so sein wie es immer ist. In diesem Fall hat der Kapitän kurzfristig eine radikale Entscheidung getroffen oder treffen müssen. Jetzt setzen sich die Experten über Monate zusammen um alle Aspekte, für und wider zu ergründen und dann zum Ergebnis zu kommen, der Kapitän hat es richtig oder falsch gemacht. Für mich wäre das Ergebnis irrelevant in dem Sinne das eine Entscheidung getroffen werden muss in so einer oder ähnlichen Situation, alles weitere s.o.
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