Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Frankreich: Grundschule ließ Kinder mit Sturmgewehren üben

Schüler mit Sturmgewehr vom Typ Famas: "Die Eltern gaben an, kein Kind sei traumatisiert worden" Zur Großansicht
Maxppp/ PhotoPQR/ Le Republicain Lorrain

Schüler mit Sturmgewehr vom Typ Famas: "Die Eltern gaben an, kein Kind sei traumatisiert worden"

In einem Dorf in Lothringen haben Kinder an einer Grundschule mit Sturmgewehren trainiert. Das Verteidigungsministerium verurteilte die von Armee-Reservisten geleitete Aktion scharf.

In dem 300-Einwohner-Dorf Flastroff in Frankreich hat der Direktor der örtlichen Grundschule einen Militäroffizier und mehrere seiner Kameraden mit unter Zehnjährigen trainieren lassen. Die Soldaten rückten mit Sturmgewehren des französischen Militärs an und ließen die Kinder an die Waffen.

Landesweit sorgte ein Bild der Übung für Empörung. Auf dem Foto zu sehen sind Grundschüler, die aufgereiht wie Soldaten im Schützengraben liegen, den Finger am Abzug haben, Kimme und Korn im Blick. Zweibeine am Lauf müssen die knapp vier Kilo schweren Waffen vom Typ Famas für die Kleinen stützen.

Hinter dem Workshop stecke nichts Böses, versuchte die Schulbehörde laut "Guardian" zu beschwichtigen. Doch Frankreichs Verteidigungsministerium distanzierte sich von der Übung, die Reservisten des nahegelegenen 40. Armee-Regiments durchgeführt hatten: "Das Ministerium verurteilt die Aktion scharf", sagte ein Sprecher auf Anfrage des "Guardian".

Ein Sprecher der Schulaufsicht sagte dem Blatt zufolge: "Das war ein klarer pädagogischer Fehler." Sanktionen seien nach dem Workshop vergangenes Wochenende nun denkbar. Gleichwohl betonte er der Zeitung zufolge auch: "Die Eltern gaben an, kein Kind sei traumatisiert worden. Traumatisierend sei vielmehr die Berichterstattung darüber."

Laut einem Bericht der französischen Zeitung "Le Républican Lorrain" hat das Militär inzwischen auch intern reagiert und will nun gegen den verantwortlichen Offizier vorgehen. "Wenn mit Waffen geübt wird, dann darf es nicht in der Schule stattfinden, sondern nur in der Kaserne in Thionville", sagte ein Oberstleutnant dem Blatt. "Ich bin selbst Vater von Schulkindern und kann sehr gut nachvollziehen, dass andere Eltern schockiert sind."

apr

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 100 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
ludwigwilhelmvonbaden 16.10.2015
Die Militarisierung der westeuropäischen Jugend erscheint mir, um die Wortwahl unserer Kanzlerin zu benutzen, alternativlos. Wie sonst sollen wir unsere Stellung in der Welt behaupten, insbesondere vor dem Hintergrund all der ethnischen und religiösen Konflikte die wir zur Zeit so begeistert importieren?
2. nicht traumatisiert
Featherduster 16.10.2015
Es sieht nicht so aus, als ob dort tatsächlich geschossen wurde, ansonsten wäre die Abwesenheit von Ohrstöpseln sicher verantwortungslos. Ansonsten finde ich, dass Kindern, denen der Umgang mit Waffen beigebracht wird nicht mehr schädlich, als die ganzen digitalen Medien, die deren Freizeit bestimmen.
3. Zweibeine
noalk 16.10.2015
"Zweibeine am Lauf müssen die knapp vier Kilo schweren Waffen vom Typ Famas für die Kleinen stützen." ---- Der Gebrauch von Zweibeinen ist in einer Übung nicht ungewöhnlich. Das hat nichts damit zu tun, dass es sich um Kinder handelt, die werden auch von Erwachsenen verwendet. Trotzdem: Reichlich abartig, so ein Unterricht.
4. Traumatisierung
No Way, Jose 16.10.2015
Wir mussten häkeln und stricken in der Grundschule (als Jungs), das fand ich wesentlich traumatischer. Mit Gewehren hantieren hätte mir sicher viel mehr Spass gemacht.
5. nicht nur
lachina 16.10.2015
vermutlich waren die Kinder begeistert! Traumatisiert wären sie gewesen, wenn sie auf etwas Lebendiges schießen oder zugucken hätten müssen, wie etwas Lebendiges erschossen wird. Traumatisiert waren beispielsweise die Kinder, vor deren Augen ein Lehrer ein Kaninchen getötet hat. Mir missfällt der inflationäre Gebrauch des Wortes "Traumatisierung".
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: