Briefmarke mit Frankreichs Nationalheldin: Ärger um die falsche Marianne

Bild von Frankreichs Nationalheldin: Vorbild aus der Ukraine Fotos
REUTERS

Frankreichs Nationalfigur Marianne - eine Frau aus der Ukraine? Das Gesicht der Schönen ist auf einer neuen Briefmarke zu sehen. Doch dem Künstler diente keine Französin als Vorbild, sondern die Femen-Aktivistin Inna Schewtschenko. Die Konservativen rufen zum Boykott auf.

Paris - Der französische Präsident François Hollande hatte die Ehre: Er enthüllte im Elysée-Palast pünktlich zum Nationalfeiertag das Porträt der neuen "Marianne" auf einer Briefmarke. Die Frauenfigur wird in dem Land als Nationalsymbol verehrt, sie verkörpert Freiheit und die französische Republik.

Die Figur der "Marianne" ist auf vielen Hoheitszeichen zu finden, beispielsweise auf Geldmünzen oder eben Briefmarken. In der Vergangenheit dienten berühmte Französinnen als Inspiration für die Künstler: Brigitte Bardot, Catherine Deneuve, Laetitia Casta.

Und für die aktuelle Briefmarke? Die soll dem Künstler zufolge an die ukrainische Femen-Aktivistin Inna Schewtschenko erinnern. Ausgerechnet.

Der Kopf auf der Briefmarke sei eine Mischung realer Personen, twitterte einer der Designer, Olivier Ciappa. Aber vor allem Schewtschenko habe als Vorbild gedient. Die freut sich auf ihre Weise via Twitter: "Femen ist auf französischer Briefmarke. Jetzt müssen alle Homophoben, Extremisten, Faschisten meinen Hintern lecken, wenn sie einen Brief verschicken wollen."

Schewtschenko war im August vergangenen Jahres aus ihrer Heimat nach Frankreich geflüchtet, nachdem sie als Unterstützung für die russische Punk-Band Pussy Riot in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ein christliches Kreuz abgesägt hatte. Inzwischen hat die 23-Jährige in Frankreich Asyl bekommen.

Die konservative Christdemokratische Partei hat zum Boykott der Briefmarke aufgerufen. Sie verletzte die Würde der Frauen und die Souveränität Frankreichs. Es ist nicht bekannt, ob der Sozialist Hollande wusste, wer dem Künstler als Quelle der Inspiration diente. Einem Sprecher des Palastes zufolge wählten mehrere junge Menschen das Mariannen-Bild von Ciappa für die Nationalbriefmarke aus.

Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP warb der Künstler für Verständnis: Marianne sei schon auf früheren Gemälden barbusig dargestellt worden. "Sie hat für Gleichheit und für Freundschaft gekämpft, die Werte Frankreichs. Und das sind auch die Werte von Femen. So gesehen war Marianne die erste Femen-Aktivistin."

aar/AFP/AP

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insgesamt 41 Beiträge
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1. Diese Ähnlichkeit
ptb29 17.07.2013
ist frappierend. Da malt einer ein niedliches Gesicht, behauptet, es sei irgendjemandem ähnlich und alle springen auf den Zug auf. Ich sehe keine Ähnlichkeit!
2. Anachronismus
Alfalfa 17.07.2013
Die in Abb. 3 gezeigten Briefmarken sind zu alt, als dass "Brigitte Bardot, Catherine Deneuve oder Laetitia Casta als Vorbild" hätten dienen können. - Ansonsten aber: Offenbar sind die richtigen Leute verärgert. Coup gelungen. Vive la France, à bas les prudes.
3. Dümmer geht es nimmer
wernerthurner 17.07.2013
Es ist doch vollkommen egal, woher "Marianne" kommt. Im Laufe der Geschichte Europas, mindestens seit unseren (zu 1/3 "eingekreuzten) indoeuropaischen Vorfahren oder später den Kelten hat sich doch klar gezeigt, dass wir in Europa lauter Vermischungen, mithin alle Europäer sind. Von Gesichtern oder Gestalt auf die Herkunft/Nationaliät zu schliessen, darauf eine "Nationalgefühl" aufzubauen, funktioniert doch nicht, wird nicht funktionieren und hat auch noch nie funktioniertt! Wer Gegenteiliges behauptet und meint z.B. Germanentum (vgl. Nazi Zeit) oder wie in Frankreich leider bis heute das Galliertum (nichtbemerkend, dass es sich schlicht um keltische Stämme handelte) als bis heute durchgängies Phänomen betrachtet, dem/der ist doch nicht mehr zu helfen.
4.
thinkrice 17.07.2013
Zitat von wernerthurnerEs ist doch vollkommen egal, woher "Marianne" kommt. Im Laufe der Geschichte Europas, mindestens seit unseren (zu 1/3 "eingekreuzten) indoeuropaischen Vorfahren oder später den Kelten hat sich doch klar gezeigt, dass wir in Europa lauter Vermischungen, mithin alle Europäer sind. Von Gesichtern oder Gestalt auf die Herkunft/Nationaliät zu schliessen, darauf eine "Nationalgefühl" aufzubauen, funktioniert doch nicht, wird nicht funktionieren und hat auch noch nie funktioniertt! Wer Gegenteiliges behauptet und meint z.B. Germanentum (vgl. Nazi Zeit) oder wie in Frankreich leider bis heute das Galliertum (nichtbemerkend, dass es sich schlicht um keltische Stämme handelte) als bis heute durchgängies Phänomen betrachtet, dem/der ist doch nicht mehr zu helfen.
Und ihre Argumentation rechtfertigt, dass man das Gesicht einer Frau die religiöse Symbole schändet auf die Briefmarke druckt?
5. Und der Asylgrund?
tvinnefossen 17.07.2013
Das ist ja nun mindestens Vandalismus gewesen. Die Dame entzieht sich der Strafverfolgung und bekommt dafür Asyl. So einfach? Funktioniert das bei jeder Straftat? Europa wird immer bekloppter! Schade!
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