Paris - Mit einer "Demonstration für die Gleichheit" haben sich in Paris Zehntausende Menschen für die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe eingesetzt. An der Kundgebung am Sonntag beteiligten sich laut Polizeiangaben 60.000 Menschen - die Organisatoren sprachen sogar von 150.000 Teilnehmern. Bei weiteren Demonstrationen in Marseille und Lyon haben nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP sogar 200.000 Menschen für die Homo-Ehe demonstriert.
Die Unterstützer der Homo-Ehe versammelten sich zunächst auf der Place de la Bastille im Zentrum von Paris - und zogen dann friedlich durch die Straßen der französischen Hauptstadt. Auf ihren Transparenten waren Slogans wie "Wahlfreiheit für alle" und "Gleichberechtigung ist keine Bedrohung" zu lesen.
"Ich denke, Ehe ist für alle gut", sagte etwa ein Zehnjähriger, der mit seiner achtjährigen Schwester und seinen beiden Müttern zu der Kundgebung gekommen war. Seine Mutter befürchtet wegen der Debatte über die Homo-Ehe verstärkte Feindseligkeiten gegen gleichgeschlechtliche Paare. "Zum ersten Mal wurden unsere Kinder mit homophoben Äußerungen konfrontiert, die sie schockiert haben", sagte die Frau.
Das französische Kabinett hatte Anfang November einen Gesetzentwurf zur gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft gebilligt, der auch ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare vorsieht. Die Nationalversammlung soll sich ab Ende Januar mit der Vorlage befassen - die konservative Opposition und die katholische Kirche laufen dagegen Sturm. Bei Demonstrationen gegen die Homo-Ehe waren Mitte November landesweit mehr als 100.000 Menschen auf die Straßen gegangen. Die Polizei musste Tränengas einsetzen, um Gegner und Unterstützer auseinanderzutreiben. Auch Anfang Dezember demonstrierten Tausende Franzosen. Eine weitere Großkundgebung gegen die Reform ist für Mitte Januar geplant.
An der Demonstration für die Homo-Ehe beteiligten sich an diesem Wochenende auch mehrere Politiker wie die frühere Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot. Danielle Dussaussois, Abgeordnete der konservativen Oppositionspartei UMP, sagte, sie sei heterosexuell und katholisch. Dennoch sei sie "traurig, dass meine Partei so zögerlich ist, während die Gesellschaft sich entwickelt". Wohnungsbauministerin Cécile Duflot sagte, mit ihrem Vorhaben der Homo-Ehe sei die sozialistische Regierung "fast am Ende des Weges".
Laut einer Umfrage des Instituts Ifop ist eine breite Mehrheit von 60 Prozent der Franzosen für die Einführung der Homo-Ehe. Dass homosexuelle Paare auch das Adoptionsrecht bekommen, will allerdings nur eine Minderheit von 46 Prozent.
lei/AFP
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