Sieg für Brigitte Bardot Frankreichs Staatsrat rettet todgeweihte Elefanten

Ihr Schicksal beschäftigt Frankreich seit Wochen: Zwei Elefanten, die im Zoo von Lyon eingeschläfert werden sollten, dürfen weiterleben. Gerettet hat die Dickhäuter ein Urteil des Obersten Verwaltungsgerichts - und womöglich der Zorn von Ex-Filmdiva Brigitte Bardot.

AFP

Lyon - Baby und Népal dürfen weiterleben: Frankreichs oberstes Verwaltungsgericht hat die angeordnete Einschläferung von zwei Elefanten im Zoo von Lyon gestoppt. Der Staatsrat in Paris setzte einen Beschluss der zuständigen Präfektur aus, nach dem die angeblich tuberkulosekranken Tiere getötet werden sollten. Es gebe "erhebliche Zweifel" an der Rechtmäßigkeit dieser Anordnung, begründeten die Richter ihr Urteil.

Seit Wochen beschäftigt das Schicksal der 42 und 43 Jahre alten Elefanten Frankreich. Gegen die geplante Einschläferung hatten Tierfreunde im ganzen Land mobilgemacht. Besonders öffentlichkeitswirksam war der ehemalige Filmstar Brigitte Bardot für die Rüsseltiere auf die Barrikaden gegangen. Sie hatte für den Fall einer Einschläferung damit gedroht, ebenso wie ihr Schauspielkollege Gérard Depardieu nach Russland auszuwandern. Über den Richterspruch zeigte sich Bardot nun "erleichtert". Es gebe "kein moralisches Recht, Tiere als Vorsichtsmaßnahme zu töten".

Einschläfern lassen wollte die Präfektur die Elefanten, um eine Übertragung des Tuberkulose-Erregers auf andere Tiere oder gar Menschen zu verhindern. Der Staatsrat in Paris bemängelte nun, es sei nicht geklärt, ob nicht auch "andere Mittel als die Tötung der Tiere" einem möglichen Ansteckungsrisiko vorbeugen könnten. Zudem seien die an den Elefanten vorgenommenen Tests "alt und wenig aussagekräftig", zusätzliche Untersuchungen seien nötig. Daher gebe es "zum derzeitigen Zeitpunkt erhebliche Zweifel an der Verhältnismäßigkeit" der Einschläferung.

An vorderster Front für die Dickhäuter gekämpft hatte auch Gilbert Edelstein. Der Zirkusdirektor hatte Baby und Népal 1999 dem Zoo von Lyon anvertraut; später zog er die Tests in Zweifel, wonach die Elefanten an Tuberkulose erkrankt sind. Um sie vor dem Tod zu retten, hatte er ein Gnadengesuch bei Frankreichs Staatschef François Hollande eingereicht und war vor Gericht gezogen. Edelsteins Anwalt sagte nun, sein Mandant sei "sehr, sehr, sehr glücklich" über die Entscheidung.

rls/AFP



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insgesamt 8 Beiträge
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noodles64 27.02.2013
1. Sieg für die Tiere!
Ungeheuerlich, was der Zoo vor hatte. Ein Sieg für die Tiere, das man ihnen auf blossen Verdacht hin nicht das Leben nehmen darf. Bei unheilbaren Krankheiten und unerträglichen Schmerzen sollte man Mensch und Tier erlöse, aber Tuberkulose lässt sich seit 60 Jahren gut behandeln.
Spiegelwahr 27.02.2013
2. Zweifelhafter Sieg
Wenn die Elefanten wirklich Tuberkulose haben, dann ist das ein sehr zweifelhafter Sieg. Tuberkulose ist eine hochansteckende Lungenkrankheit. Die Tuberkulose endet beim Tier und beim Menschen mit den Tod. Heilungsaussichten sind doch sehr ungewiss.
onkel-ollo 27.02.2013
3.
"...Sie hatte für den Fall einer Einschläferung damit gedroht, nach Russland auszuwandern..." Aha, und Russland ist dann das Land der Tierliebe oder was? Tiere werden leider in allen Ländern dieser Erde gequält. Auch in Frankreich und Deutschland. Die Flucht nach Russland wäre einfach nur albern gewesen.
h.pylori 27.02.2013
4. Traumtänzer
Jährlich werden Millionen Nutztiere aus nichtigerem Anlass gekeult (z.B. Vogel- und Schweinegrippe) und keiner regt sich auf. Aber bei 2 Elefanten, die in freier Wildbahn wohl kaum so alt geworden wären, macht man trotz tierärtzicher Diagnose so einen Aufstand. Was für Kapputte, diese angeblichen Tierfreunde...
orwyn 27.02.2013
5. Und was...
macht man nun mit den Elefanten? Auf Bestätigung der Diagnose durch neue Tests warten? Das Gericht hat ja nur derzeit Zweifel an der Verhältnismäßigkeit angemeldet. Sie könnten also trotzdem noch eingeschläfert werden, falls es sich als nötig (auch um Tierleid vorzubeugen!) erweist. Es handelt sich um einen Zoo. Der möchte Tiere zeigen, nicht bis zum Tod in Quarantäne halten. Schild aufstellen: Tier hat vermutlich Tuberkulose, Ansteckung auf eigene Gefahr, sollten Sie als "Tierfreund" trotzdem Kontakt suchen,haften Sie persönlich für alle Folgekosten einer Epidemie? Vielleicht mal Frau Bardot vorschicken...
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