Papst Franziskus: Schluss mit der Eitelkeit

Ein Gastbeitrag von Thomas Schüller

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DPA/ Osservatore Romano

Papst Franziskus im Gebet: Was jetzt zählt, sind die Taten

Der neue Pontifex ist Jesuit: Pomp ist ihm fremd, Luxus auch. Er könnte der Kirche guttun, indem er sie von ihrem Papst-Zentrismus befreit und den Gemeinden mehr Freiheit gibt. Was die europäischen Reformwünsche angeht, gibt es allerdings keinen Grund zur Euphorie.

Und wieder stimmt die alte römische Wahrheit: Wer als Papst ins Konklave hineingeht, kommt als einfacher Kardinal aus ihm heraus. Ein Jesuit ist es geworden, ein Lateinamerikaner, endlich! Keiner der vorher gehandelten Favoriten. Diese Papstwahl ist eine Zäsur. Die Zeiten des Eurozentrismus der römisch-katholischen Kirche sind vorbei. Die Kirche lebt in Lateinamerika, in Afrika, in Asien, sie übernimmt im neuen Papst erstmalig Verantwortung für die Gesamtkirche.

Ein Jesuit - das bedeutet zunächst geistige Unabhängigkeit. Pompöses Gehabe ist dem neuen Papst fremd. Christus, das Evangelium steht in der Mitte, nicht der Glanz des kirchlichen Amtes.

Dass der neue Papst nach seiner Wahl mit seinen Brüdern im Amt gemeinsam im Bus und nicht in der Papstlimousine gefahren ist, zeigt die Haltung eines Ordensmanns, der sich zur Mitbrüderlichkeit verpflichtet weiß. Mich hat berührt, dass er vor seinem ersten Segen als Papst die Gläubigen auf dem Petersplatz gebeten hat, für ihn den Segen Gottes zu erbitten. Damit wird deutlich, dass er sein Amt nur bezogen auf das Volk Gottes versteht und nicht über oder neben ihm stehen will.

Die Kardinäle haben durch seine Wahl die klare Botschaft gesetzt: Die Kirche braucht einen Neuanfang und Reformen aus dem Evangelium. Die Zeiten kurialer Eitelkeiten, Verstrickungen und Machenschaften müssen ein Ende haben. Diesem Papst ist zuzutrauen, dass er als erfahrener Erzbischof einer großen Diözese und langjähriger Provinzial, also Ordensoberer, Kraft zur energischen Leitung der Weltkirche und damit auch der römischen Kurie besitzt.

Abkehr von einem omnipräsenten Papst

Seine ersten Personalentscheidungen werden zeigen, wohin die Reise geht. Vor allem muss er den bisherigen Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone in den Ruhestand versetzen, der maßgeblich für das verheerende Gesamtbild der römischen Kurie in den vergangenen Jahren die Verantwortung trägt.

Jorge Mario Bergoglios Wahl ist auch die entschiedene Hinwendung zu den Armen, an den Rand Gedrängten. Dafür steht sein Papstname: Franziskus. Dieser Name ist Programm für eine arme Kirche, eine Kirche, die aus dem Evangelium lebt und die Schöpfung bewahrt. Und genau diese Felder waren die Schwerpunkte seiner Arbeit als Erzbischof von Buenos Aires. Mit dieser Wahl des Namens macht der Papst deutlich, dass es einen Neubeginn geben muss.

Neben der Reform der Römischen Kurie steht als zentrale Herausforderung das neu auszubalancierende Verhältnis der Bistümer zu der zentralen Leitung der Gesamtkirche auf der Tagesordnung. Wer, wie der neue Papst bei seinen ersten Worten, von Brüderlichkeit redet, wird durch seine Taten beweisen müssen, ob er es ernst meint mit dem Zutrauen in die Verantwortung der Kirchen vor Ort.

Eine uniforme, streng zentralistisch geleitete römisch-katholische Kirche lässt keinen Raum für die Inkulturation des Glaubens, die notwendig ist für eine lebendige Kirche. Die katholische Kirche war zu allen Zeiten bunter und vielfältiger als es in den letzten Jahrzehnten schien - nicht zuletzt vermittelt durch den Hype um einen omnipräsenten Papst. Katholische Kirche ist mehr als nur der Papst und seine Kurie. Sie besteht in und aus den Teilkirchen, die selbst zum Geschenk für die Gesamtkirche werden, indem sie ganz verschiedene Gesichter haben.

Frauen in der Kirche

Was die innerkirchlichen europäischen Reformwünsche angeht, warne ich vor euphorischen Hoffnungen. Der neue Papst hat in seinen Äußerungen als Erzbischof zur katholischen Sexualmoral bisher nicht erkennen lassen, dass er die geltende Lehrtradition der Kirche in Frage stellt.

Andererseits darf man erwarten, dass der neue Papst sich den aktuellen gesellschaftlichen Fragen stellt und kritisch Stellung nimmt. Zumindest in seinem Heimatland Argentinien waren seine ungeschminkten politischen und wirtschaftlichen Analysen bei den Mächtigen gefürchtet. Und man wird zumindest die Hoffnung formulieren dürfen, dass er den Glauben der Gläubigen ernst nimmt. Der Geschwisterlichkeit im Glauben auch Gestalt gibt durch Partizipation.

Entscheidend wird sein, ob er den Frauen in der Kirche eine Antwort geben kann, wie sie als Schwestern im Glauben endlich eingebunden werden in die Entscheidungen der Kirche. Sicher wird es mit ihm nicht bald Priesterinnen geben, aber vielleicht doch eine freie Diskussion, welche Ämter für Frauen in der Kirche zukünftig offen stehen.

Es kann auch den neuen Papst nicht kalt lassen, dass es in vielen Teilen der Weltkirche zu einem massenhaften Exodus der Frauen aus der Kirche gekommen ist. Ich bin gespannt, was nun geschehen wird. Mit vorsichtiger Hoffnung und nüchterner Skepsis.

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insgesamt 32 Beiträge
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1. Der wird doch nicht
leo19 14.03.2013
das Papamobil verschrotten und in der Holzklasse um die Welt fliegen! Wait and see!
2. Ach so ist das
mn77 14.03.2013
"Wer als Papst ins Konklave hineingeht, kommt als einfacher Kardinal aus ihm heraus" ... eigenartige Wahrheit haben die Römer da. Ich dachte immer ein Koklave gibt es immer dann wenn gerade mal KEINER mehr Papst ist ;-)
3.
gog-magog 14.03.2013
Zitat von sysopDer neue Pontifex ist Jesuit: Pomp ist ihm fremd, Luxus auch. Er könnte der Kirche guttun, indem er sie von ihrem Papst-Zentrismus befreit und den Gemeinden mehr Freiheit gibt. Was die europäischen Reformwünsche angeht, gibt es allerdings keinen Grund zur Euphorie. Franziskus: Thomas Schüller zum neuen Papst aus Argentinien - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/franziskus-thomas-schueller-zum-neuen-papst-aus-argentinien-a-888819.html)
Man kann wirklich nur hoffen, dass dieser Papst wenigstens Einfluß auf die Protzbischöfe a la Tebarz van Elst nimmt und diese mal auf den rechten Weg zurück.
4. Frauen
paolopanther 14.03.2013
Zitat von sysopDer neue Pontifex ist Jesuit: Pomp ist ihm fremd, Luxus auch. Er könnte der Kirche guttun, indem er sie von ihrem Papst-Zentrismus befreit und den Gemeinden mehr Freiheit gibt. Was die europäischen Reformwünsche angeht, gibt es allerdings keinen Grund zur Euphorie. Franziskus: Thomas Schüller zum neuen Papst aus Argentinien - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/franziskus-thomas-schueller-zum-neuen-papst-aus-argentinien-a-888819.html)
Wo gibt es einen Exodus von Frauen in der Kirche? Da wären belege toll. Dass es in Deutschland ein paar vergraulte Power-Emanzen gibt die gern Chef werden wollen ok.. aber wer braucht die schon?
5. Franziskus? Nicht der von Assisi
blaubärt 14.03.2013
Mir scheint die verbreitete Interpretation von Francisco als Anlehnung von Franz von Assisi doch sehr voreilig. Ich denke bei einem Jesuiten aus Lateinamerika ist der Bezug zu Francisco de Xavier, einem der Gründer des Jesuitenordens ein gutes Stück naheliegender.
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Zum Autor
  • picture alliance
    Thomas Schüller, lehrt Kirchenrecht an der Universität Münster. Er studierte Katholische Theologie in Tübingen, Innsbruck, Bonn. Seine Schwerpunkte sind unter anderem Ökumene und neue geistliche Gemeinschaften.

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