USA Stillende Mutter wird aus Familiengerichtssaal geworfen

In den USA sorgt der Fall einer Mutter für Diskussionen, die aus einem Familiengerichtssaal geworfen wurde, weil sie dort ihr Baby stillte. Dabei ist das Recht, an öffentlichen Orten zu stillen, gesetzlich verankert.

Stillende Mutter (Symbolbild): In der Öffentlichkeit unerwünscht
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Stillende Mutter (Symbolbild): In der Öffentlichkeit unerwünscht


Was Jeanna Harris, 32, in einem Saal des Familiengerichts der Stadt Mobile, Alabama, erlebte, sorgt im Netz für Diskussionen: Sie wurde von einem "unhöflichen, lauten und bedrohlichen" Gerichtsdiener vor die Tür gesetzt, weil sie ihre drei Monate junge Tochter Ellie stillte. Die war auch der Grund, warum sie vor Gericht erschienen war: Es ging um Unterhaltszahlungen.

Harris war sich sicher, dass sie das Recht hatte, das Kind zu stillen, obwohl sie es nicht mit einer Decke oder einem Schal bedeckt habe, sagte sie dem regionalen TV-Sender WKRG News 5 (siehe Video unten). Sie habe sich aber um Diskretion bemüht, von ihrer Brust sei nichts zu sehen gewesen.

Doch der Gerichtsdiener habe ihr Angst gemacht. Also ließ sie sich aus dem Saal in einen Warteraum führen. Der sei allerdings auch voller Menschen gewesen, sagt Harris: Wenn es darum gegangen sei, Unbeteiligte vor dem Anblick ihrer Brust zu schützen, worin habe dann der Sinn bestanden?

Eigentlich ist das Stillen in öffentlichen Gebäuden, die den Vereinigten Staaten selbst gehören, dort seit 1999 erlaubt und geschützt. Dazu zählen auch Gerichtsgebäude. Wegen Exhibitionismus und Erregung öffentlichen Ärgernisses dürfen stillende Mütter im Land mit der größten Porno-Produktion der Welt seitdem nicht mehr belangt werden.

Es schützt sie allerdings auch nicht davor, vor die Tür gesetzt zu werden, wie das vor kurzem beispielsweise auch einer Mutter in einem Einzelhandelsgeschäft passierte - ausgerechnet bei Victoria's Secret. Die junge Kundin hatte dort darum gebeten, ihr weinendes Kind in einer Umkleidekabine stillen zu dürfen und wurde daraufhin hinausgeworfen. Mitte Januar entschuldigte sich das US-Unternehmen öffentlich. Victoria's Secret verdient sein Geld vornehmlich mit brustverhüllenden Kleidungsstücken.

Im Fall Joanna Harris erklärte der zuständige Familienrichter im Interview mit einem TV-Sender, der Gerichtsdiener habe nur eine "Störung des Gerichtsbetriebs" beenden wollen. Und er selbst habe noch nie erlebt, dass eine Frau in seinem Gerichtssaal stillte.

Ausdrücklich für das Recht auf Stillen in der Öffentlichkeit sprechen sich bei Meinungsumfragen in den USA meist nicht viel mehr als 40 Prozent aus. Und das, obwohl das Stillen seit einigen Jahren wieder mehrheitlich bejaht wird - nur eben dort, wo es niemand sieht. Ein puritanisches Erbe, sagen Sozialforscher.

Jeanna Harris hat sich einen Anwalt genommen und droht mit einer Klage.

WKRG News 5: Saalverbot wegen Stillens

pat

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