München/Düsseldorf - Am Sonntag verkündete der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, zum Abschluss einer viertägigen Diözesanversammlung in Freiburg Ungewöhnliches: Nicht nur solle die Katholische Kirche in Zukunft ein Diakonenamt für Frauen einrichten, auch die Situation von Katholiken, die geschieden sind und wieder geheiratet haben, müsse verbessert werden. "Wir wollen hier in Deutschland den Spielraum, den wir haben, nutzen und Veränderungen anstoßen", sagte der Freiburger Erzbischof. "Dies aber auf Grundlage der Lehre der katholischen Kirche."
Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" begrüßt die Bereitschaft, Frauen als Diakone zuzulassen. Dies sei eine ganz entscheidende Sache für die Erneuerung der Kirche, sagte Sprecher Christian Weisner. Man könne Zollitsch für den Vorstoß nur loben. "Es sind Trippelschritte. Aber die Richtung stimmt."
Andere sind von der Idee gar nicht begeistert. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer lehnt Frauen als geweihte Diakone weiter ab. Das sakramentale Diakonat gehöre wie das Priester- und Bischofsamt untrennbar zu einem Weihesakrament, das gemäß der biblisch begründeten Tradition der Kirche Männern vorbehalten sei, erklärte Voderholzer. Auch ein Sprecher des Münchner Erzbischofs Reinhard Marx sagte, die Öffnung des Weiheamtes für Frauen stehe nicht an.
Selbst Befürworter eines Diakonats für Frauen bewerteten das Signal kritisch. Die Vorsitzende des "Netzwerks Diakonat der Frau", Irmentraud Kobusch, gab zu bedenken, dass Frauen den Überlegungen zufolge anders als männliche Diakone nicht geweiht werden sollen. "Das ist etwas, das wir aus Sicht des Netzwerks nicht für zukunftsfähig halten, weil es fortschreibt, dass Frauen anders behandelt werden als Männer", sagte sie.
Nicht geweihte Diakoninnen dürften beispielsweise nicht predigen oder das Evangelium lesen. Eine nicht geweihte Diakonin wäre nur ein Sonderamt für Frauen, sagte Kobusch. Die Kirche bliebe nach Meinung vieler Frauen in dem Fall hinter dem, was möglich wäre.
Der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper hatte bereits im Februar die Schaffung des neuen Amtes einer "Gemeindediakonin" vorgeschlagen. Die nahm Zollitsch nun auf.
Das Diakonat ist die erste Weihestufe in der katholischen Kirche etwa für Priesteramtskandidaten. Diese Weihe können auch andere Männer erhalten, die in der Kirche arbeiten wollen. Sie sind dann unter anderem befugt zu predigen, zu taufen, zu beerdigen und bei Eheschließungen zu assistieren.
ala/dpa
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