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Freiwillige Feuerwehr in Japan: Dauereinsatz in der Todeszone

Juitchi Owada arbeitet bei der Freiwilligen Feuerwehr Rikuzentakata. Am Tag des Tsunamis war er im Einsatz, filmte die verzweifelte Flucht der Menschen vor den Wassermassen, suchte mit seinen Kameraden nach Überlebenden. Inzwischen geht es nur noch darum, die Toten begraben zu können.

SPIEGEL TV

Es war der 11. März als Juitchi Owadas Leben aus den Fugen geriet. Der Tsunami hatte seinen Heimatort Rikuzentakata an der japanischen Ostküste ausgelöscht. Seither ist Owada mit seinen Kollegen von der Freiwilligen Feuerwehr im Dauereinsatz.

Am Anfang suchten sie noch nach Überlebenden, inzwischen geht es nur noch darum, den Toten ein würdiges Begräbnis zu ermöglichen. SPIEGEL-TV- Reporter Claas Meyer-Heuer konnte die Feuerwehrleute von Rikuzentakata mehrere Tage lang bei Ihrer Arbeit begleiten.

Beinahe militärisch wird morgens angetreten. Wie am Tag des Bebens. Auch da hatte Owada Dienst. Von den Erdstößen vor der Ostküste bis zur Warnung über Radio- und Fernsehen vergingen exakt drei Minuten. Zusätzlich ertönten Sirenen. Die gesamte Feuerwehrtruppe machte sich auf den Weg, die Einwohner zu warnen. Mit seinem Mobiltelefon filmte Owada einen Kollegen unten am Wasser kurz vor Eintreffen des Tsunami. Es war sogar noch Zeit für Scherze.

Doch dann stieg die Flut mit rasender Geschwindigkeit. Nicht jeder begriff den Ernst der Lage sofort. Owada filmte, sein Video ging später um die Welt. Heute gleicht das Einsatzgebiet einer Mondlandschaft. Kein Haus, nirgends. Stunde um Stunde suchen die Feuerwehrleute nach den Toten der Katastrophe.

Jeden Tag, bis zum Feierabend. Dann wird noch mal angetreten. Die letzte Frage des Diensthabenden lautet: "Gibt es irgendwelche Besonderheiten zu berichten? Wenn dem nicht so ist, machen wir Schluss für heute. Ende! Still gestanden!"

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insgesamt 16 Beiträge
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1. halt
heuwender 30.03.2011
Zitat von sysopJuitchi Owada arbeitet bei der Freiwilligen Feuerwehr Rikuzentakata. Am Tag des Tsunamis war er im Einsatz, filmte die verzweifelte Flucht der Menschen vor den Wassermassen, suchte mit seinen Kameraden nach Überlebenden.*Inzwischen geht es nur noch darum, die Toten begraben zu können. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,754104,00.html
wäre das nicht ein Job für die AKW Betreiber-Manager??muß man denn Feuerwehrleute so verheizen??
2. Nein, keinen Titel
Hador, 30.03.2011
Auf der einen Seite ist es schon ein sehr beeindruckendes und interessantes Video. Auf der anderen Seite frage ich mich ob der Reporterin eigentlich klar ist, dass es hier in Deutschland auch in erster Linie Freiwillige sind, die im Katastrophenschutz arbeiten. Beim THW gibts mit Abschaffung der Wehrpflicht praktisch nur noch Freiwillige und die überwältigende Mehrheit der Feuerwehren sind auch hierzulande reine Freiwilligen Einheiten. Der größte Unterschied: Die japanischen Katastrophenschützer sind deutlich besser ausgerüstet als die deutschen!
3. 121231234
kein Ideologe 30.03.2011
Zitat von heuwenderwäre das nicht ein Job für die AKW Betreiber-Manager??muß man denn Feuerwehrleute so verheizen??
sehr schön passender Kommentar. Es geht um Tsunamiopfer, das AKW ist weit weg. Da läuft das alte Tsunamiprogramm: "Begrabt die Toten und ernähert die Lebenden", hatten wir in Europa ja auch schon. Solche Beiträge zeigen mir, daß ein kleiner, militanter Teil der Atomkraftgegner ebnen doch ein Süppchen darauf kocht. Die eigentliche Katastrophe wird völlig ausgeblendet, es bleibt nur das AKW.
4. Danke!
Querspass 30.03.2011
Zitat von sysopJuitchi Owada arbeitet bei der Freiwilligen Feuerwehr Rikuzentakata. Am Tag des Tsunamis war er im Einsatz, filmte die verzweifelte Flucht der Menschen vor den Wassermassen, suchte mit seinen Kameraden nach Überlebenden.*Inzwischen geht es nur noch darum, die Toten begraben zu können. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,754104,00.html
Sie machen es für unsere Erde. Die in den ARD sollten sich vll. doch noch überlegen, wenigstens für die Familien eine Spendengala zu senden.
5. Im Roboter-freundlichen Japan: Menschen werden statt Maschinen verheizt
mr future 30.03.2011
Zitat von sysopJuitchi Owada arbeitet bei der Freiwilligen Feuerwehr Rikuzentakata. Am Tag des Tsunamis war er im Einsatz, filmte die verzweifelte Flucht der Menschen vor den Wassermassen, suchte mit seinen Kameraden nach Überlebenden.*Inzwischen geht es nur noch darum, die Toten begraben zu können. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,754104,00.html
Menschenartige Roboter sind eine regelrechte Manie der japanischen Elektronikindustrie (vom Tamagotchi bis zum fühlenden, sehenden und laufenden Zweibeiner). Und jetzt sollen für die Drecksarbeit keine geeigneten Roboter mit ausreichend trainiertem Fernbedienungspersonal zur Verfügung stehen? Arbeit statt Kapital? Bedeutet die Nutzung der unversicherbaren Atomtechnologie, dass auf einmal Menschen leichter abgeschrieben werden können als Maschinen? Das Ganze erinnert mich an Kriegserzählungen, wenn es wichtiger war, dass die Maschinengewehre in die Stellung zurück kamen als die Soldaten. Auf zum Systemwechsel: "Business as if people mattered" (E. F. Schumacher) re future
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Die wichtigsten Fragen zur Strahlengefahr
Was richtet Strahlung im menschlichen Körper an?
Corbis
Die Schwere der Schäden hängt davon ab, welches Gewebe wie stark von der Strahlung betroffen ist. Erste Symptome einer Strahlenkrankheit sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Sie treten wenige Stunden nach Einwirken der Strahlung auf den Körper auf. Klingen die Symptome ab, stellt sich nach einigen Tagen Appetitlosigkeit, Übermüdung und Unwohlsein ein, die einige Wochen andauern.
Wie qualvoll eine akute Strahlenkrankheit bei hoher Dosis enden kann, zeigen die Opfer der Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki und der Tschernobyl-Katastrophe. Haarausfall, unkontrollierte Blutungen, ein zerstörtes Knochenmark, Koma, Kreislaufversagen und andere dramatische Auswirkungen können den Tod bringen.
Wie verläuft eine leichte Strahlenkrankheit?
Menschen mit einer leichten Strahlenkrankheit erholen sich zwar in der Regel wieder. Doch oft bleibt das Immunsystem ein Leben lang geschwächt, die Betroffenen haben häufiger mit Infektionserkrankungen und einem erhöhten Krebsrisiko zu kämpfen.
Wie kann man sich schützen?
DPA
Im Gebiet, in dem ein nuklearer Niederschlag zu befürchten ist, kann es helfen, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten. Gegen radioaktives Jod schützt die vorsorgliche Einnahme von Kaliumjodidtabletten. Allerdings schützt diese nur vor Schilddrüsenkrebs. Das eingenommene Jod lagert sich in den Drüsen links und rechts des Kehlkopfes an und verhindert so die Aufnahme von radioaktivem Jod. Wichtig: Jodtabletten nicht ohne behördliche Aufforderung einnehmen.
Radioaktives Jod baut sich in der Umwelt allerdings schnell ab. Gefährlicher ist radioaktives Cäsium, es hat eine längere Lebensdauer und wirkt bei Aufnahme durch die Luft oder über Nahrungsmittel im ganzen Körper. Dagegen helfen keine Pillen. Bricht ein Reaktor, wie in Tschernobyl geschehen, auseinander, gelangen großen Mengen Cäsium in die Atmosphäre und verstrahlen die Gegend, in der die Partikelwolke niedergeht, auf viele Jahre.
Was bedeutet die Maßeinheit Millisievert?
DPA/ Kyodo/ Maxppp
Sievert (Sv) ist eine Maßeinheit für radioaktive Strahlung. Ein Sievert entspricht 1000 Millisievert. Die Einheit gibt die sogenannte Äquivalentdosis an und ist somit ein Maß für die Stärke und für die biologische Wirksamkeit von Strahlung.
7000 Millisievert, also sieben Sievert, die direkt und kurzfristig auf den Körper treffen, bedeuten den sicheren Tod (siehe Grafik). Zum Vergleich: Am Montagmorgen maßen die Techniker am Kraftwerk Fukushima I eine Intensität von 400 Millisievert pro Stunde. In Tschernobyl tötete die Strahlung von 6000 Millisievert 47 Menschen, die unmittelbar am geborstenen Reaktor arbeiteten.
Wie hoch ist die Belastung im Alltag?
DPA/ NASA
Menschen sind tagtäglich der natürlichen radioaktiven Strahlung im Boden oder der Atmosphäre ausgesetzt. In Deutschland beträgt sie laut Bundesamt für Strahlenschutz 2,1 Millisievert pro Jahr (siehe Grafik). Der menschliche Organismus hat Abwehrmechanismen gegen die natürliche Strahleneinwirkung entwickelt, um sich vor diesen Belastungen zu schützen.


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