Katholische Kirche Fronleichnam - was wird da eigentlich gefeiert?

In den südlichen Bundesländern haben die Menschen an diesem Donnerstag frei - weil Fronleichnam dort ein gesetzlicher Feiertag ist. Was hat es mit dem katholischen Fest auf sich?

Fronleichnamsprozession in Garmisch-Partenkirchen (Bayern)
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Fronleichnamsprozession in Garmisch-Partenkirchen (Bayern)


Fronleichnam ist ein katholisches Fest, das immer am zweiten Donnerstag nach Pfingsten begangen wird. Die Bezeichnung leitet sich aus dem Mittelhochdeutschen ab. "Vron" steht für "Herr", "lichnam" für "Leib". Der Begriff meint also "Leib des Herrn" und hat nichts mit Leichen zu tun, wie etwa die Verballhornung "Happy Kadaver Day" suggeriert.

Fronleichnam ist in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland ein Feiertag. Außerdem bleiben in einzelnen katholischen Regionen Sachsens und Thüringens die Geschäfte und Schulen geschlossen.

Was wird mit Fronleichnam gefeiert?

Mit dem "Fest des Leibes und Blutes Christi" erinnern die Katholiken an das letzte Abendmahl Jesu. Er hatte laut Bibel den Aposteln Brot und Wein gereicht und dabei "Das ist mein Leib" und "Das ist mein Blut" gesagt. In den katholischen Messen wird dies in der Eucharistie (Kommunion) nachgefeiert - und an Fronleichnam noch einmal mit einem besonderen Fest. Es soll demonstrieren, dass Christus und damit Gott gegenwärtig ist.

Für die Katholiken ist Fronleichnam also ein Fest der Zuversicht. Weil in die traditionell stille Zeit vor Ostern keine aufwendigen Zeremonien passten, wurden sie am Ende der österlichen Zeit begangen. In vielen katholischen Gemeinden wird noch heute in bunten Prozessionen eine geweihte Hostie in einem goldverzierten Gefäß, der Monstranz, als Leib Christi durch die Straßen getragen. Seltener gibt es auch Schiffsprozessionen, etwa auf dem Rhein. Die Prozession steht sinnbildlich für das wandernde Gottesvolk in der Welt mit Christus in seiner Mitte.

Was sind die historischen Ursprünge des Festes?

Fronleichnam geht auf eine Vision der Augustinernonne Juliana von Lüttich im Jahr 1209 zurück, die der Legende nach während eines Gebetes einen kleinen schwarzen Fleck im Mond sah. Sie deutete das als Weisung dafür, dass es auch zur Feier der Eucharistie ein Fest geben müsse. Der Mond stehe für das Kirchenjahr und der Fleck zeige, dass ein solches Fest im christlichen Turnus fehle. Nach ihrem Tod machte Papst Urban IV. 1264 ein allgemeines Kirchenfest daraus. In den Jahren danach gab es dann die ersten Prozessionen, etwa in Köln.

Welche Bedeutung hat Fronleichnam in nicht-katholischen Gebieten?

Bei den evangelischen Christen wird Fronleichnam in der Regel nicht gefeiert. Dort herrscht grundsätzlich ein anderes Verständnis des Abendmahls vor. Martin Luther bezeichnete das Fest 1527 als "allerschädlichstes Jahresfest", das keine Grundlage in der Bibel habe. Die Prozessionen sah er als götzendienerische Gotteslästerung. Unter dem Eindruck der Reformation bekamen die Fronleichnamsprozessionen für die Katholiken auch einen kämpferischen, rebellischen Charakter: Sie sollten besonders den Protestanten die Stärke des katholischen Glaubens demonstrieren.

aci



insgesamt 72 Beiträge
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danielc. 14.06.2017
1.
Auch gläubigen Katholiken fällt das Verständnis für dieses Fest nicht immer leicht. Wenn die Fastenzeit 40 Tage dauert, sind die Sonntage kein Teil davon. So hätte man die Gegenwart Christie im Brot auch z.B. am Palm- bzw. Passionssinntag feiern können. Alternativ hätte man auch die Fastenzeit bereits am Dienstag beginnen und den Gründonnerstag oder Hohen Donnerstag zum vollen Feiertag erklären können. Diese Festlegungen sind letztendlich willkürlich, bzw. nach astronomischen Gesichtspunkten entstanden. Nach astronomischen Erkenntnissen, müsste man alle Feste, die sich an den Sonnentagen orientieren inzwischen ein wenig vorverlegen.
Bibendumx 14.06.2017
2. latenter Kannibalismus
Als überzeugter Ex-Katholik war mir schon immer das Gerede vom "Blut Christi" und "Leib Christi" völlig suspekt. Während des Gottesdienstes ist laut Pfarrer Christis Blut und der Leib physisch vorhanden und wird vom Pfarrer getrunken bzw. gegessen und die Gläubigen bekommen auch den Leib Christi meist als Hostie. Eigentlich eine eklige Vorstellung. Was machen denn Vegetarier oder gar Veganger? Kopfschüttel! Und das im 21. Jahrhundert!
Tharsonius 14.06.2017
3. Dafür
haben die Evangelischen den Reformationstag als Ausgleich, oder?
123Valentino 14.06.2017
4. Was für..,,,
ein blutrünstges Fest. Erst schickt Papa seinen Sohn auf die Erde, quält ihn zu Tode , diese damit Sünden vergeben werden, die noch garnicht begangen wurden. Damit nicht genug, " dies ist mein Fleisch, dies ist mein Blut" . Welche moralischen Erkenntnisse soll ich daraus erhalten??
lostandfound 15.06.2017
5. Was soll das den heissen, "Ausgleich "
Zitat von Tharsoniushaben die Evangelischen den Reformationstag als Ausgleich, oder?
Der Reformationstag am 31. Oktober ist seit der deutschen Wiedervereinigung gesetzlicher Feiertag in den deutschen Ländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, und im Lutherjahr 2017 ausnahmweise und einmalig in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Schleswig-Holstein. Aber ein Ausgleich im religiösen Sinn ist das nun gar nicht, sondern etwas ganz anderes, nämlich ein Gedenktag an die Reformation des Menschen Luther, und nicht an den "Leib des Herrn"
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