Frühchen-Tode in Bremen Ermittlungen gegen Klinik-Chef eingestellt

Drei Frühchen starben in Kinderklinik Bremen-Mitte an den Folgen einer Infektion. Die Geschäftsführung der Krankenhausgesellschaft entließ den verantwortlichen Chefarzt - unrechtmäßig wie sich herausstellte. Die Ermittlungen gegen ihn wurden jetzt eingestellt.

Frühgeborenenstation in Bremen: Desolate hygienische Zustände
dapd

Frühgeborenenstation in Bremen: Desolate hygienische Zustände


Bremen - Nach dem Keimskandal in einer Bremer Kinderklinik sind die Ermittlungen gegen dessen Leiter Hans-Iko Huppertz eingestellt worden. Dies teilte ein Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft mit und bestätigte damit entsprechende Berichte von Radio Bremen und dem "Weser-Kurier". Gegen, dem Leiter der Kinderklinik Bremen-Mitte, war wegen Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt worden.

Auch gegen andere Klinik-Angestellte wird demnach nicht mehr ermittelt. Der Anwalt von Huppertz, Wolf Martin Nentwig, bezeichnete diese Entscheidung laut "Radio Bremen" als "Freispruch erster Klasse".

Das Entsetzen war groß, als 2011 in der Kinderklinik Bremen-Mitte drei Frühchen an einem multiresistenten Darmkeim starben. Besonders skandalös: Der Keim blieb lange Zeit unentdeckt und trat trotz einer Grundsanierung der Station erneut auf. Bis heute ist die Herkunft der Keime ungeklärt. Der Klinikverbund "Gesundheit Nord" hatte allerdings festgestellt, dass die Hygiene auf der Station für Frühgeborene mangelhaft war.

Zum Teil sei mit Desinfektionslösungen gearbeitet worden, deren Konzentration völlig ungenügend gewesen sei. Somit seien beim Wischen Keime von einer Geräteoberfläche zur nächsten und auch auf Hände übertragen worden. Obwohl die Probleme mit der Reinigung bekannt gewesen seien, sei nicht reagiert worden.

Kurz nach Bekanntwerden der Infektionen hatte der damalige Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft dem Chefarzt Huppertz fristlos gekündigt - unrechtmäßig, wie sich später herausstellte. Der Geschäftsführer wurde später selbst entlassen. Der Arzt kehrte nach einem Verfahren vor dem Arbeitsgericht gut zehn Monate später wieder an seinen Arbeitsplatz zurück.

ala/dpa



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