Armenviertel von Rio de Janeiro Militär übernimmt Kontrolle in Favelas

Die Militärpolizei hat in Favelas nahe dem internationalen Flughafen von Rio de Janeiro die Kontrolle übernommen. Es kamen gepanzerte Fahrzeuge und Hubschrauber zum Einsatz. In der Gegend werden zur Fußball-WM Zigtausende Touristen erwartet.

AP

Rio de Janeiro - Zweieinhalb Monate vor Beginn der Fußball-WM hat die brasilianische Armee zusammen mit der Militärpolizei eine Elendssiedlung nahe dem internationalen Flughafen von Rio de Janeiro besetzt. 15 der 16 Favelas des Maré-Komplexes würden seit Sonntag kontrolliert, erklärte die Sicherheitsbehörde des Bundesstaates Rio. 1180 Militärpolizisten seien beteiligt.

Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachteten, wie bei Tagesanbruch Sondereinheiten mit gepanzerten Fahrzeugen in die Siedlungen vorrückten. Auch Hubschrauber wurden eingesetzt.

In Maré sollen Rauschgift- und Waffenhändler Unterschlupf gefunden haben, die aus anderen Favelas verjagt worden sind. Schon am Mittwoch waren Sicherheitskräfte in das Elendsviertel eingedrungen, um die Besetzung vorzubereiten. Sie war allerdings erst für Anfang April erwartet worden.

Die Maré-Favelas mit ihren rund 130.000 Einwohnern gehören zu den gefährlichsten Orten Rios. Zigtausende Fans werden im Sommer vom nahgelegenen Flughafen aus zum Fußballstadion und in die Innenstadt starten.

Die Besetzung des Maré-Komplexes ist eine weitere Etappe der Sicherheitskräfte beim Versuch, die Brennpunkte der Gewalt zu beruhigen. Seit 2008 wurden in 174 Favelas 38 Einheiten der sogenannten Befriedungspolizei (UPP) stationiert. Seit Jahresbeginn gerieten Mitglieder der UPP aber zunehmend ins Visier von Kriminellen. Insgesamt acht Polizisten wurden in den vergangenen drei Monaten von mutmaßlichen Mitgliedern des organisierten Verbrechens getötet - vier in sogenannten befriedeten Distrikten.

Rios Polizisten genießen bei vielen Favela-Bewohnern einen schlechteren Ruf als die Verbrecher der Drogengangs: Sie gelten als Schläger und Mörder. Oft zu Recht, hatte selbst Sicherheitsminister José Mariano Beltrame im vergangenen Jahr eingeräumt.

Brasilien rechnet während der Fußballweltmeisterschaft vom 12. Juni bis 13. Juli mit Hunderttausenden ausländischen Touristen. In Rio, einem von zwölf Austragungsorten, findet unter anderem das Endspiel statt. 2016 werden in Rio außerdem die Olympischen Sommerspiele ausgetragen, die ersten in Südamerika.

bim/AFP

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insgesamt 18 Beiträge
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micromiller 30.03.2014
1. das land gehoert auch zu den korrupten armenhaeusern der welt
mit einem BIP pro kopf von US$ 12.100 ist das land zwar besser aufgestellt als die von ihrer elite ausgebeutete ukraine (7.400 US$) nur sind sind die einkommen noch ungleicher verteilt. auch hier sollte eine revolution der wirtschaftssklaven gegen die korrupte elite entfacht werden, leider ist das der einzige weg in eine lebenswerte zukunft fuer diese menschen.
hador2 30.03.2014
2.
Für die Armen in Rios Favelas wird sich auch damit nichts verbessern. Für sie ist höchstens noch die Frage ob sie von der Mafia, korrupten Polizisten, Paramilitärs oder jetzt eben dem offiziellen brasilianischen Militär erschossen werden.
neu_ab 30.03.2014
3.
Zitat von hador2Für die Armen in Rios Favelas wird sich auch damit nichts verbessern. Für sie ist höchstens noch die Frage ob sie von der Mafia, korrupten Polizisten, Paramilitärs oder jetzt eben dem offiziellen brasilianischen Militär erschossen werden.
Na &? Soviele können die Polizei & Mafia gar nicht erschiessen, wie die sich karnickelhaft vermehren.
redbayer 30.03.2014
4. Halt typisch Sport, wenn so etwas wie Fußball
stattfindet muss gleich das Militär gegen die Bevölkerung vorgehen. In Russland (Sotschi) sind ja die Amerikaner auch mit Kriegsschiffen gegen Olympia gezogen, in der Hoffnung dort würde ein Anschlag passieren. Wenn die Mächtigen eben Spiele haben wollen, kennen sie kein Pardon - dann wird geschossen.
geotie 30.03.2014
5. yoooh
Mit den Einmarsch in den Favelas werden die Probleme nur ins Umland verlagert. Und wenn nicht aufpasst, bleibt es da.
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