Fußballerinnen auf Sansibar Dabei wollen sie nur spielen

Auf Sansibar ist Fußball strikt Männersache. Einige Frauen spielen trotzdem, obwohl sie damit Außenseiterinnen sind. Fotografin Nichole Sobecki zeigt die mutigen Sportlerinnen.

Nichole Sobecki/ VII/ Redux/ laif

Von


Eine junge Frau zieht ihre schwarze Abaya aus und tauscht das traditionelle islamische Kleidungsstück gegen gelbe Shorts und ein Trikot: Die 23-jährige Riziki Abdallah gehört zu den wenigen Frauen auf Sansibar, die Fußball spielen.

Auf der Insel im Indischen Ozean sieht man häufig Kinder und Männer, die Bälle kicken - aber selten Frauen, die spielen. Die beliebte Sportart ist meist auf Männer beschränkt. DieFotografin Nichole Sobecki hat Frauen begleitet, die den Sport trotzdem betreiben - und sich vielen Widrigkeiten stellen.

Auch wenn es für die Frauen nicht verboten ist zu spielen, ist der gesellschaftliche Druck doch hoch. "Es gibt immer noch die Auffassung, dass es von schlechtem Verhalten zeugt", sagt die 19-jährige Rukia Talib Yahya von der Mannschaft Green Queens. "Ich wurde nie körperlich angegriffen", sagt Spielerin Abdallah. "Aber Leute erklärten mir und meiner Familie: 'Das ist nur etwas für Männer.'"

Sechs Frauenmannschaften gibt es insgesamt auf der Insel, sie heißen Zanzibar Queens oder Jumbi Women Fighters. Die besten Spielerinnen sind außerdem Teil der Nationalmannschaft.

"Das muslimische Erbe der Insel und die konservativen Positionen vieler Familien sind Gründe für die Schwierigkeiten der Frauen", sagt Fotografin Sobecki. Auf Sansibar sind rund 99 Prozent der Bevölkerung Muslime.

Fotostrecke

12  Bilder
Fußballerinnen auf Sansibar: "Die Leute haben immer versucht, mich vom Spielen abzuhalten"

Fußball wird an allen Schulen Sansibars angeboten - nur nicht für Mädchen. Viele Frauen, die heute in den Fußballmannschaften spielen, haben als Kinder nachmittags mit Jungen aus der Nachbarschaft auf der Straße gekickt - so auch Abdallah.

Als sie 11 Jahre alt war, tauchte ein Trainer in ihrer Klasse auf, fragte, ob Mädchen auf das Festland von Tansania mitkommen möchten, um an einem Turnier teilzunehmen - Frauenfußball ist dort weit verbreitet. Als das Mädchen zurückkam, fing sie an, täglich zu trainieren. Heute gehört Abdallah zu den besten Spielerinnen auf Sansibar und gilt als Star der Nationalmannschaft.

Staatliche Gelder oder Unterstützung durch Sponsoren erhalten die Frauen nicht. Sie müssen ohne Schienbeinschützer auf oft unebenem Gelände spielen, Verletzungen kommen häufig vor. Turniere müssen aus finanziellen Schwierigkeiten häufig ausfallen.

Trotz gesellschaftlichen Drucks und fehlender Ressourcen bleiben die Athletinnen dem Spiel treu. Ihr gemeinsamer Widerstand schweißt sie zusammen: Auf dem Spielfeld lachen sie, umarmen sich, viele der Spielerinnen haben enge Freundschaften geschlossen.

"Diese Frauen haben eine außerordentliche Leidenschaft für den Sport, und ich glaube, sie können große Veränderungen herbeiführen", sagt Sobecki. Ihre Hoffnung ist, dass der Frauenfußball eines Tages von der Regierung anerkannt und unterstützt wird. Den Frauen gehe es aber vor allem um eines: Sie wollen einfach nur spielen.

Mehr zum Thema


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.