Futterknappheit wegen Trockenheit "Heu wird momentan gehandelt wie Gold"

Götz George, Besitzer des Gestüts Norderheide, plant schon jetzt für den Winter. Er würde gern Heu für seine 120 Pferde kaufen - doch der Markt ist leer. Schuld daran: der extreme Sommer.

Verdorrte Weide auf dem Reiterhof Norderheide
Götz George

Verdorrte Weide auf dem Reiterhof Norderheide

Ein Interview von


Zur Person
  • Götz George
    Götz George, ist Inhaber und Leiter des Gestüts Norderheide in der Lüneburger Heide. Auf dem Hof in Hörpel leben 120 Islandpferde.

SPIEGEL ONLINE: Herr George, wie viel kostet einmal Regen?

George: 350 Euro. Ich habe beim Landkreis beantragt, meine Weiden bewässern zu dürfen. Die Behörden haben zugestimmt, dass ich je 30 Liter pro Quadratmeter beregnen darf, das entspricht jeweils einem normalen norddeutschen Regenguss. Ich habe die Genehmigung, meine drei Hektar zweimal zu bewässern, insgesamt zahle ich dafür 700 Euro.

SPIEGEL ONLINE: Weil es warm ist?

George: Normalerweise kommen die Weiden ohne Bewässerung aus. Das ist zu teuer und lohnt sich einfach nicht. Aber im Moment ist alles verdorrt. Wir sind in einer Ausnahmesituation, es ist verheerend. Eigentlich mähe ich meine Weiden dreimal im Jahr und stelle daraus Heulage her, die kann man gut lagern und über den Winter verfüttern. In einem normalen Jahr deckt das 90 Prozent meines Eigenbedarfs. Dieses Jahr schaffe ich höchstens die Hälfte. Auf die Weide kann ich die Pferde auch nur noch zwei Stunden am Tag lassen. Da wächst nichts. Ich habe einfach nicht genug Futter für meine Pferde.

SPIEGEL ONLINE: Sie könnten das Heu kaufen.

George: Das habe ich versucht. Neulich zum Beispiel habe ich eine Anzeige auf Ebay-Kleinanzeigen gesehen, ich schaue da jeden Morgen nach Heu. 2000 Rundballen wollte jemand verkaufen. Um sechs Uhr morgens ging die Anzeige online, etwa eine Stunde später war das Heu weg. Zurzeit herrscht im gesamten Norden Futterknappheit, der Markt ist leergefegt, auch in Schweden, Norwegen, Dänemark. Die Norweger wollen jetzt sogar Heu aus Island importieren. Wer noch etwas hat, verkauft häufig zu Wucherpreisen. Heu wird momentan gehandelt wie Gold.

SPIEGEL ONLINE: Was bedeutet das für Ihren Betrieb?

George: Ich hatte Glück und konnte eine größere Menge Heu aus der Eifel kaufen. Pro Tonne habe ich 115 Euro bezahlt, etwa doppelt so viel wie normalerweise. Neulich habe ich eine Stallversammlung abgehalten und den Besitzern meiner Pensionspferde erklärt, dass ich die Mehrkosten durch eine Pauschale auf alle umlegen muss. Anders geht es einfach nicht. Zum Glück haben sie sehr verständnisvoll reagiert, sie wollen ja auch, dass ihre Pferde genug zu fressen haben.

Landwirt beim Heuwenden (Archivfoto): Der Markt ist leergefegt
DPA

Landwirt beim Heuwenden (Archivfoto): Der Markt ist leergefegt

SPIEGEL ONLINE: Viehwirte kämpfen momentan um ihre Existenz, weil das Futter knapp ist. Ist das bei Reitern nicht alles ein Luxusproblem?

George: Ganz und gar nicht. Es ist wie bei jedem anderen Tierhalter: Wenn man sich ein Pferd kauft, dann trägt man auch die Verantwortung dafür. Ich muss dafür sorgen, dass mein Pferd genug zu fressen hat. Das hat nichts mit Luxus zu tun.

SPIEGEL ONLINE: Wie groß ist Ihre Reserve?

George: Unser Heuvorrat reicht momentan nur bis Januar. Ich muss aber ausreichend Futter bis Ende Juni einplanen und lagern. Deshalb habe ich auch alle Pferdebesitzer gebeten, Augen und Ohren offen zu halten. Sie gucken jetzt auch, wo man noch Heu kaufen könnte. Wenn jemand etwas weiß, soll er sich gern bei mir melden.

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